Frieding feiert 900 Jahre – dank eines ungenauen Datums im Staatsarchiv

Stand: 16.10.2026, 07:02 Uhr

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Friedings berühmtester Sohn ist ohne Zweifel Georg Queri, dessen Geburtshaus bis heute steht und vielen als „Oberer Wirt zum Queri“ gut bekannt ist.

Friedings berühmtester Sohn ist ohne Zweifel Georg Queri, dessen Geburtshaus bis heute steht und vielen als „Oberer Wirt zum Queri“ gut bekannt ist. © I. Berger

Der Ortsteil Frieding der Gemeinde Andechs begeht 2027 sein 900-jähriges Jubiläum. Die genaue Jahreszahl der Ersterwähnung ist bis heute unbekannt.

Frieding – Noch beseelt von der 1250-Jahr-Feier des Andechser Ortsteils Erling, freut sich die Gemeinde Andechs bereits auf das nächste Ortsjubiläum. Bürgermeister Georg Scheitz kündigte es beim Helferfest in Erling an: Frieding feiert 900 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Der eine oder andere mag sich fragen, wie das sein kann. In den meisten Chroniken und Geschichtsbeschreibungen wird die Ersterwähnung Frutinnens auf das Jahr 1123 datiert. Im kommenden Jahr ist dies aber schon 904 Jahre her. Benedikt Sextl, der schon 1991 und 1997 Ortschroniken von Frieding verfasst hat, stellte bei seiner Suche im Staatsarchiv aber fest, dass zwar das Datum der Urkundenerwähnung feststeht – es ist der 28. Mai. Die Jahreszahl allerdings sei ungewiss: „Sie liegt in den Jahren von 1123 bis 1127“, sagt der Historiker. Die Feier im nächsten Jahr sei damit legitim.

Gemeinderat Christian Kaiser kam diese Tatsache ganz gelegen: 2023 bis 2025 lag der Fokus auf dem Bau des neuen Feuerwehrhauses an der Scheuertalstraße in Frieding, dieses Jahr stand das 1250. Ortsjubiläum Erlings im Mittelpunkt, darum hätten sich die Friedinger darauf verständigt, das Jubiläum 2027 zu feiern. Die ersten Vorbereitungen dafür haben begonnen. Sextl etwa arbeitet an einer überarbeiteten Gesamtchronik aus den bereits erschienenen Chroniken. Rudolf Stumbaum trägt alte Fotografien zusammen, um die Geschichte des zweitgrößten Ortsteils der Gemeinde Andechs zu dokumentieren. Sein berühmtester „Sohn“ war wohl ohne Zweifel der bayerischer Heimatdichter und Schriftsteller Georg Queri (1879-1919). Sein Geburtshaus ist vielen als „Oberer Wirt zum Queri“ gut bekannt.

Der älteste Fund im Ortsbereich ist eine steinerne, um die 4000 Jahre alte Streitaxt vom Ende der Jungsteinzeit. Das lässt vermuten, dass dort damals schon Menschen gelebt haben. Zuletzt wurden 2022 beim Bau des Feuerwehrhauses acht Keltengräber entdeckt, in denen zwei etwa 2800 Jahre alte Schwerter gefunden wurden. Die Gründung Friedings datiert aber vermutlich ins sechste Jahrhundert n. Chr.

Frieding liegt auf einem Endmoränenwall und gehört ebenso wie Erling zu den Ursiedlungen des Ammerseegebietes. Die Ministerialen aus Andechs hatten ihre Besitztümer in den umliegenden Dörfern. Bei der ersten Erwähnung in besagter Urkunde, einer Schenkungsurkunde der Grafen von Andechs, wurde Frieding als Frutinnen erwähnt. Ein Bediensteter des Grafen von Andechs namens Luitfried von Frutinnen diente bei der Schenkung als Zeuge.

Die Landjugend Frieding verweist in ihrer Geschichtsdarstellung darauf, dass Frieding 1807 eigenständige Gemeinde wurde. Dies blieb sie bis zur Gebietsreform. Seit 1975 ist Frieding ein Ortsteil der Gemeinde Andechs und zählt heute rund 1000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg war Frieding sogar von strategischer Bedeutung. Auf den Friedinger Fluren wurde ein Scheinflughafen errichtet, eine Attrappe, die die Alliierten von den echten Flughäfen in Oberpfaffenhofen und Penzing ablenken sollte.

Weltweite Berühmtheit erlangte Frieding am 4. März 1995: Bekanntlich wurde die Biotopsprengung durch Sprengmeister Eduard Reisch im Eglsee als Meteoriteneinschlag missgedeutet. Das Missverständnis ging um die Welt und konnte erst am darauffolgenden Tag aufgeklärt werden. Wissenschaftler, Hobbyastronomen, Journalisten und begeisterte Bürger pilgerten zu dem zwölf mal drei Meter großen Loch, um es aus nächster Nähe zu sehen.

Es gibt also viel zu erzählen in dem Haufenwegedorf, als das Frieding kategorisiert wird. Es ist ein siedlungsgeografischer Begriff für ein Dorf mit einem unregelmäßigen, unplanmäßigen Grundriss, dessen Höfe und Gebäude sich scheinbar ungeordnet um ein verzweigtes Netz aus Wegen und Gassen aneinanderreihen. Wer durch den Ort spaziert, kann dies auch heute so bestätigen. Vielleicht werden zur 900-Jahr-Feier im nächsten Jahr wie in Erling Führungen angeboten. Die Vorbereitungen für das Fest laufen.