Kribbeln im Mund: Wie die Ananas uns beim Essen «verdaut»
Frucht mit Abwehrkräften Wenn wir Ananas essen, isst sie ein Stück weit auch uns
Beim Essen von Ananas brennt es leicht auf der Zunge. Dahinter steckt ein Mechanismus zur Selbstverteidigung der Frucht.
30.08.2026, 12:00
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Gerade im Sommer wird die Ananas als Erfrischung von vielen geschätzt. Aber oft hat man beim Hineinbeissen in ein Stück der Frucht den Eindruck, dass es im Mund kribbelt oder sogar leicht brennt.
In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein biochemisches Phänomen, das im Pflanzenreich mehr als einzigartig ist. Dahinter steckt ein Abwehrmechanismus der Ananas, der bei ihrem Verzehr einen komplexen Stoffwechsel in Gang setzt zwischen der Frucht und demjenigen, der sie isst.
Sie sticht nicht nur in den Regalen der Supermärkte heraus. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Ananas eine einzigartige Frucht.
KEYSTONE/Gaetan Bally
Das Geheimnis dieser Interaktion liegt in einem Enzymkomplex, der als Bromelain bekannt ist. Oft gefeiert für seine entzündungshemmenden und verdauungsfördernden Eigenschaften, hat das Bromelain eine sehr spezifische biologische Funktion: Es ist eine Protease. Einfach ausgedrückt ist seine Aufgabe, Proteine in ihre Grundbausteine, die Aminosäuren, zu zerlegen.
Abwehr von Parasiten
Wenn man in ein Stück Ananas hineinbeisst, kommt das Bromelain in Kontakt mit der Mundschleimhaut und dem Zungengewebe, die fast vollständig aus Proteinen bestehen. In genau diesem Moment beginnt das Enzym, seine Funktion auszuüben und die Proteine unseres Mundes zu zerlegen. Dieses Gefühl von Kribbeln und Brennen ist buchstäblich der Versuch der Frucht, unsere Zellen zu «verdauen», während wir sie essen.
Ein RSI-Journalist erklärt, wieso die Ananas auf der Zunge brennt
Aus botanischer Sicht ist die Ananas (Ananas comosus) keine einzelne Frucht, sondern ein Verbund von Früchten. Ihr Fruchtfleisch ist das Ergebnis der Verschmelzung Dutzender kleiner Früchte und fleischiger Blütenhüllblätter, die sich um eine zentrale Achse entwickeln. Jedes einzelne auf der Aussenschale sichtbare Element entspricht dem, was ursprünglich eine einzelne Blüte des Blütenstands war. Diese kompakte Struktur dient der Pflanze während des Wachstums als Schutz.
Diesen Schutz benötigt die Ananas, weil sie viel Zeit braucht, um den für die Reifung notwendigen Zucker anzusammeln. Das Bromelain befindet sich in besonders hohen Konzentrationen im Strunk und in den unreifen Früchten. Es dient dort als chemisches Abschreckungsmittel gegen Insekten, Parasiten und andere Tiere, die die Pflanze vorzeitig beschädigen könnten.
Sogar Fingerabdrücke können verschwinden
Was unseren Mund betrifft, besteht jedoch kein Grund zur Sorge. Die Mundschleimhäute besitzen wichtige regenerative Fähigkeiten. Sobald die Ananas geschluckt wird, spült der Speichel die Enzyme der Frucht weg. Die Oberfläche der Zunge erneuert sich schnell wieder, ohne dass es bleibende Schäden gibt. Auch das leichte Brennen verschwindet normalerweise innerhalb weniger Minuten.
Das Bromelain entfaltet seine Wirkung nicht nur in unserem Mund. Wer auf Ananasplantagen oder in der Industrie zu ihrer Weiterverarbeitung tätig ist, sollte Schutzhandschuhe tragen. Der längere und wiederholte Kontakt mit dem Saft der Früchte kann im Laufe der Zeit vorübergehend die Fingerabdrücke zum Verschwinden bringen. Das Enzym baut allmählich die oberflächliche Proteinschicht der Handhaut ab.
Sobald der längere Kontakt mit der Frucht unterbrochen wird, regeneriert sich die Haut vollständig, und die Fingerabdrücke werden innerhalb weniger Wochen wieder sichtbar.
RSI Food, 24.8.2026, 16:53 Uhr;liea