FC Bayern München siegt dank Harry Kane und Lennart Karl in Elversberg
Klein gegen Groß – speziell zum Saisonbeginn der Fußball-Bundesliga sind das immer wieder reizvolle Begegnungen. Am späten Sonntagnachmittag war es mal wieder so weit: Der deutsche Rekordmeister FC Bayern München war zu Gast im kleinsten Ort der Bundesligageschichte: Elversberg im Saarland, ein Städtchen mit gerade mal 13.000 Einwohnern.
Die heimische Sportvereinigung, vor vier Monaten aufgestiegen in die Beletage des deutschen Fußballs, empfing als Tabellenfünfter mit sechs Punkten nach zwei Spielen die deutsche Übermannschaft, nach zwei Spieltagen erst auf Platz sechs mit vier Punkten notiert.
Lennart Karl und Harry Kane treffen für die Bayern
Daraus falsche Schlüsse zu ziehen, erlaubten sich nicht einmal die glühendsten Anhänger des Neulings, der auf Anhieb mit seinen offensiven Qualitäten von sich reden machte. Die SVE schlug sich bei ihrer ersten Kraftprobe mit dem Serienmeister wacker, konnte aber die verdiente 1:2-Niederlage durch die Tore von Lennart Karl (28. Minute) und Harry Kane (72.) bei einem Gegentreffer von Maurice Krattenmacher (61.) nicht verhindern an einem Fußballabend, der erst nach der Pause Fahrt aufnahm.
Nur weil eine Woche später auch der ebenso verdiente erste Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach (4:3) folgte, war das für niemanden in den Reihen der SVE ein Anlass, übermütig zu werden. Der Münchner Cheftrainer Vincent Kompany äußerte sich vor der ersten Begegnung mit Vincent Wagners Rasselbande voller Respekt: „Es ist eine Mannschaft, die fußballerisch die Basis für ihren Erfolg gelegt hat. Wir brauchen genauso viel Motivation wie bei einem Auswärtsspiel in Dortmund.“
Karl sorgt nach seinem Tor für Provokation der Fans
Kollege Kompany setzte auf Rotation im großen Stil. Er tauschte sein Personal auf sieben Positionen aus. Urbig ersetzte Neuer im Tor, Stanisic Laimer rechts hinten, Kim Tah in der Innenverteidigung, Brown Davies als linker Verteidiger, Bischof Kimmich im zentralen Mittelfeld, Karl Musiala als Rechtsaußen und Saibari Diaz als Linksaußen. Mit anderen Worten: Always change a winning team, ändere immer dein siegreiches Team.
Dass die Münchner im Saarland eher mit ihrer zweiten Wahl antraten, machte sich bemerkbar. Das Spiel entwickelte sich jedenfalls zäh, und es dauerte bis zur 26. Minute, ehe der 18 Jahre alte Bayern-Junior Karl nach einer Hereingabe des marokkanischen Linksaußen Saibari den Ball im Fünfmeterraum unter seine Kontrolle bekam und per Linksschuss das 1:0 erzielte, was er mit einer abfällig gegenüber den Elversberger Fans anmutenden Geste feierte, auch wenn sein übermütiger Gruß wohl eher der Hintertorkamera gegolten hatte.
Auch nach Karls Treffer bekam die Partie keine neue Wucht seitens der auf weitere Gelegenheiten geduldig wartenden Münchner. Die Elversberger hofften also weiter auf einen Glückstreffer. Der war auch nach rund einer Stunde fällig, als der von den Bayern für eine Ablösesumme von zwei Millionen Euro erworbene und zur zweiten Hälfte eingewechselte Maurice Krattenmacher seine Gelegenheit zielgenau mit einem sehenswerten Distanzschuss unter die Latte des Münchner Tors zum 1:1 nutzte (61.).
Ein Wachmacher für die empfindlich getroffenen Bayern. Der gemeinsam mit weiteren Stammkräften wie Musiala, Kimmich und Davies nach 65 Minuten eingewechselte Kolumbianer Diaz verhedderte sich fünf Minuten später bei seiner großen Torgelegenheit. Wenig später prallte Olises Heber an die Latte.
Zeit also für Harry Kane, seinem Ruf als Torschützenkönig der Bundesliga gerecht zu werden. Der Engländer bewahrte seine Bayern in der 72. Minute mit einem im Fallen abgegebenen sehenswerten Schuss ins obere Toreck vor einer drohenden Blamage. Das 2:1 belohnte die erste wirklich bedrohliche Drangphase des Meisters gegen die zunehmend müder werdenden Elversberger.
Sie hatten den Münchner Stars einen großen Kampf geboten, der sich letztlich nicht auszahlte. Entsprechend aufgekratzt mutete sogar der Verlierer an. Noah Darvich, einer der kreativen Köpfe im Elversberger Team, fasste die Stimmung in seiner Mannschaft so zusammen: „Wir können stolz auf uns sein. Am Ende sind es immer noch die Bayern. Alles in Ordnung, und weiter geht’s.“
„Hier werden sich noch einige Mannschaften schwertun“
Max Eberl, der Sportvorstand des FC Bayern, war am Ende froh, „dass wir nach dem 1:1 eine Schippe draufgelegt haben“. Mit dem, was davor nicht passierte, war er weniger einverstanden. „Wir haben das 1:0 zu sehr verwaltet“, hob Eberl hervor und lobte zugleich den aufmüpfigen Gegner. „Ich glaube“, sagte er, „dass sich hier noch einige Mannschaften schwertun werden.“
Dass die Bayern nun wieder als Tabellenvierte vor dem Sechsten aus Elversberg platziert sind, störte weder die Elversberger Spieler noch den SVE-Trainer Wagner nach einer Kraftprobe gegen den Meister, der der Klassenneuling über weite Strecken gewachsen war.