Fußball: Deutscher Trainer Hürzeler hebt in der Premier League ab

"Wir lieben ihn absolut. Er ist ein unglaublicher Trainer. Die Ergebnisse sind außergewöhnlich und wir schweben derzeit förmlich", sagt Ben Parker über Fabian Hürzeler. Parker ist glühender Anhänger von Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion und Mitherausgeber des Brightoner Fanzines "Dogma".

Da sein Lieblingsverein stark in die neue Saison gestartet ist und nach sieben Spieltagen auf Rang drei liegt, überrascht Parkers Begeisterung für den Trainer eigentlich nicht. Lobeshymnen wie diese äußern Fans vieler Vereine, die gerade einen ähnlichen Höhenflug erleben wie Brighton & Hove Albion. Doch vieles deutet darauf hin, dass Hürzeler weit mehr ist als nur eine kurzfristige Erfolgsgeschichte in der Premier League.

Hürzeler hat nie in der Fußball-Bundesliga trainiert. Nachdem er den FC St. Pauli 2024 aus der 2. Bundesliga in die höchste deutsche Spielklasse geführt hatte, wechselte er nach England. Mit 31 Jahren wurde er der jüngste Cheftrainer in der Geschichte der Premier League.

In seiner ersten Saison führte er die "Seagulls" auf Rang acht, derzeit scheint BHA noch höhere Regionen angreifen zu wollen. Der Klub hat sechs Pflichtspiele in Folge gewonnen, darunter ein 5:0 gegen den Erzrivalen Crystal Palace am vergangenen Wochenende.

Bemerkenswert: Es war die Neuauflage eines Spiels, das Hürzelers bisherigen Tiefpunkt bei Brighton markierte. Eine 0:1-Heimniederlage in der Vorsaison war damals der zehnte sieglose Auftritt in zwölf Spielen.

"Es gibt nur zwei Möglichkeiten: aufgeben oder noch härter arbeiten", sagte Hürzeler damals nach dem Spiel und kündigte an: "Und ich entscheide mich in meinem Leben immer für Letzteres."

Verhältnis zu den Fans funktioniert in beide Richtungen

Ben Parker räumt ein, dass damals längst nicht alle von Hürzeler überzeugt waren. "Nach dem Spiel gab es Unmut. Einige Fans riefen sogar: 'Morgen wirst du entlassen.'"

Doch Hürzeler habe ihm kurz nach seinem Amtsantritt erklärt, dass er genau diese Offenheit schätze. "Er sprach davon, eine Beziehung zu den Fans zu wollen, die in beide Richtungen funktioniert", erzählt Parker.

"Der Verein und er selbst sind sehr ambitioniert. Wenn die Leistungen nicht stimmen, dann sollen die Fans ihm das sagen. Genau das ist damals passiert. Ich halte das für etwas Gesundes."

Vom Amateurfußball an die Spitze

Hürzeler, der in den USA geboren wurde und als Kleinkind mit seiner Familie nach Deutschland zog, war zwar vor seiner Trainerkarriere auch aktiver Fußballer, hat aber nie auf höchstem Niveau gespielt.

Zwar lief er von der U15 bis zur U19 für deutsche Nachwuchsmannschaften auf und spielte für die zweite Mannschaft des FC Bayern München, verlor aber früh die Geduld mit dem Reserveteam-Fußball.

Spielszene Fabian Hürzeler im Trikot des FC Pipinsried
Von 2016 bis 2020 war Fabian Hürzeler (l.) Spielertrainer beim FC Pipinsried in der Bayern- und RegionalligaBild: Peter Kolb/IMAGO

Im Jahr 2016 übernahm er daher mit 23 Jahren beim Fünftligisten FC Pipinsried, einem Dorfklub einige Kilometer vor den Toren von München, die Rolle als Spielertrainer. Parallel war er ab 2018 außerdem als Co-Trainer der deutschen U20-Auswahl beim Deutschen Fußballbund angestellt.

Um Geld zu verdienen arbeitete er außerdem bei einem Kunsthändler, soll diesen Job allerdings wieder verloren haben, weil er während der Arbeit zu viel Fußball guckte, statt Gemälde zu verkaufen.

Alter und fehlende Spielerkarriere kein Hindernis

Zum FC St. Pauli kam Hürzeler im Sommer 2020 - zunächst als Co-Trainer. Als Cheftrainer Timo Schultz im Dezember 2022 gefeuert wurde, rückte Hürzeler nach und nutzte diese Chance. Mit zehn Siegen in Folge stellte er einen Startrekord für die 2. Bundesliga auf. In der folgenden Saison gelang der Aufstieg.

Hürzelers ungewöhnlicher Karriereweg und einige innovative taktische Ideen während seiner Zeit bei St. Pauli führten in Deutschland zu dem Eindruck, er sei ein etwas distanzierter "Laptop-Trainer" ähnlich wie Julian Nagelsmann, dessen eigene Spielerkarriere als Profi wegen einer schweren Verletzung früh endete.

Kritiker behaupteten, einem solchen Trainer fehle die Fähigkeit, die enge Bindung und den Teamgeist zu erzeugen, die eine Mannschaft stärker machen als die Summe ihrer Einzelspieler.

Hürzeler sieht das anders: "Ich möchte ich selbst sein und keine Rolle spielen. Mein Alter hilft mir sogar dabei, die Spieler zu verstehen. Ich sage immer: Ich spreche ihre Sprache und verstehe ihre Gedanken, weil meine eigene aktive Karriere noch nicht lange zurückliegt."

Authentisch und nahbar

Auch sein temperamentvolles Auftreten an der Seitenlinie brachte ihm immer wieder Negativschlagzeilen ein. Während St. Paulis Aufstiegssaison wurde er siebenmal verwarnt. Seit seinem Wechsel zu Brighton sah er bereits neun Gelbe Karten und zusätzlich einen Platzverweis. "Emotionen gehören zum Spiel", lautet seine Erklärung dazu.

Fabian Hürzeler, Trainer des FC St. Pauli, sieht Gelbe Karte
Fabian Hürzeler (l.) ist nicht immer mit allem einverstanden und sagt es im Zweifel auch dem SchiedsrichterBild: Cathrin Müller/M.i.S./IMAGO

Laut Ben Parker spiegelt sich diese Authentizität auch im Alltag wider. "Für die meisten Brighton-Fans wirkt er etwas ungewöhnlich, interessant und unkonventionell. Als er kam, sprach er davon, das Establishment herauszufordern. Das passt sehr gut zu dieser Stadt."

Hürzeler sei regelmäßig an der Strandpromenade unterwegs, hole sich selbst Kaffee, fahre mit dem E-Bike statt im Wagen mit Chauffeur und habe sogar Fanveranstaltungen in Pubs organisiert und offenbar selbst bezahlt. "Er ist sehr zugänglich."

Deutsches Duo begeistert Brighton

Hürzeler ist nicht der einzige beliebte Deutsche in Brighton. Auch Pascal Groß, der im Januar von Borussia Dortmund zu BHA zurückkehrte, genießt Kultstatus. Er war zuvor bereist sieben Jahre lang in Brighton.

"Ich habe hier geheiratet und beide Kinder wurden in England geboren. Die wichtigsten Meilensteine meines Lebens haben hier stattgefunden. Ich habe meine Freunde und das Gefühl vermisst, eng mit diesem Verein verbunden zu sein."

Der Mittelfeldspieler, der nach der Fußball-Weltmeisterschaft seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft beendet hat, ist in der laufenden Saison einer der Erfolgsgaranten: In den ersten sieben Ligaspielen erzielte Groß drei Tore und bereitete vier weitere Treffer vor.

Brighton & Hove Albions Trainer Fabian Hürzeler umarmt Spieler Pascal Groß
Deutsches Duo bei Brighton & Hove Albion: Fabian Hürzeler (l.) und Pascal Groß (r.)Bild: Richard Lee/Shutterstock/IMAGO

"Ich fühle mich sehr gut, sehr wohl. Es ist eine gute Mischung aus Fitness, Erfahrung und der Zusammenarbeit mit Fabian Hürzeler, einem Trainer, der mich so einsetzt, dass meine Stärken zur Geltung kommen", sagte Groß kürzlich in einem Interview mit dem Fußballmagazin "Kicker".

"Ich schätze ihn als Spieler sehr. Auch nachdem er den Klub verlassen hat, bin ich immer mit ihm in Kontakt geblieben", erzählte Hürzeler nach Groß' Rückkehr. "Unser Ziel damals war es, ihn zu halten. Er wollte aber seinen Traum verwirklichen. Das haben wir respektiert."

Auch bei den Fans genießt Groß ein hohes Ansehen. "Pascal Groß ist der Lieblingsspieler von praktisch allen", sagt Ben Parker. "Er ist ein sensationeller Spieler. Wegen solcher Persönlichkeiten gibt es hier eine große Sympathie für den deutschen Fußball und für Deutschland."

FC Bayern als mögliches Zukunftsziel

Groß und Hürzeler sind nur zwei Beispiele, die belegen, dass der Erfolg Brightons auf der klugen Strategie bei Trainer- und Spielerverpflichtungen unter Besitzer Tony Bloom beruht. Allerdings bedeutet das oft auch, dass erfolgreiche Akteure von größeren Vereinen umworben und erfolgreich abgeworben werden.

Chelseas Moisés Caicedo, Liverpools Alexis MacAllister und Arsenals Ben White sind nur drei Namen auf einer längeren Liste von Spielern, die in Brighton mit guten Leistungen auffielen und dann für sehr viel Geld transferiert wurden.

Parker glaubt, dass auch Brightons Trainer irgendwann zum heiß begehrten Transferobjekt werden könnte. Er sieht Hürzeler langfristig als einen Kandidaten für den FC Bayern: "Er hat selbst gesagt, dass er Bayern-Fan ist und den Klub als Maßstab für die Standards nennt, die er anstrebt. Ich könnte mir vorstellen, dass er dort in ein paar Jahren gut hineinpassen würde. Eher Bayern als Liverpool oder Chelsea."

Doch noch sieht sich Hürzeler in Brighton bestens aufgehoben. Erst kürzlich verlängerte er seinen Vertrag bis 2029. Ben Parker und den übrigen Fans von Brighton & Hove Albion soll es recht sein: "Wenn er derjenige ist, der uns den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte bringt, dann wird er als der Größte in die Vereinsgeschichte eingehen."

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Football: German coach Hürzeler flying high in Premier League" adaptiert.