Fußball und Politik: Werkzeug des Monarchen
Marokko ist einer der drei Hauptgastgeber der Weltmeisterschaft 2030. Der Fußball im Land ist traditionell eng verwoben mit dem Staatswesen.
Foto: Anadolu/imago
Die marokkanische Nationalmannschaft hatte gerade ihr Achtelfinale gegen Kanada 3:0 gewonnen. Die Spieler feierten. Da erhielt einer ihrer Funktionäre einen Anruf. Der marokkanische König, Mohammed VI. persönlich wollte Nationaltrainer Mohamed Ouahbi und Kapitän Achraf Hakimi gratulieren. Der gab den Dank auf Instagram zurück. „Der König setzt sich sehr für den marokkanischen Fußball ein“, sagte er in einer Videobotschaft. „Er hat viel in die Infrastruktur investiert. Für uns Spieler macht es das leichter, das Beste zu geben.“
Die taz bei der Fußball-WM
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Wie sehr mischt sich die Politik in den Fußball ein? Diese Frage wurde intensiv diskutiert bei diesem Turnier. Dabei gehören enge Verbindungen von Staat und Sport in Dutzenden Ländern zum Alltag – auch in Marokko, einem der drei Hauptgastgeber der WM 2030, neben Spanien und Portugal.
Über den Fußball befeuert die Monarchie den Nationalstolz
Der König genießt in der marokkanischen Gesellschaft traditionell einen großen Rückhalt. Aber die Monarchie benötigt auch Themen, um Nationalstolz zu bewahren und zu schüren. Den Fußball zum Beispiel. Stadien und Nachwuchsakademien sind nach Mitgliedern der königlichen Familie benannt. Im Fußballverband ist das Prädikat „Königlich“ verankert. Der Vereinspokal wird rundum das Thronfest ausgespielt.
Mohammed VI. besucht aus Sicherheitsgründen selten die Stadien. Aber er erwähnt den Fußball in offiziellen Reden und Mitteilungen. Mehrfach hat der König die Nationalspieler im Palast empfangen, zuletzt nach der heimischen Afrikameisterschaft Anfang des Jahres.
Ausfahrt im Nationaltrikot
Das Protokoll in der marokkanischen Monarchie ist äußerst streng. Doch zu besonderen Anlässen dehnt Mohammed VI. diese Regeln aus, etwa nach dem Achtelfinal-Sieg Marokkos bei der WM 2022 gegen Spanien. Der König steifte sich das Nationaltrikot über, setzte sich in ein Auto und fuhr eigenhändig durch die Straßen der Hauptstadt Rabat. Viele Marokkaner konnten nicht glauben, was sie da sahen. Mit Hilfe des Fußballs kann sich das Königshaus als volksnah zeigen.
1956 erlangte Marokko die Unabhängigkeit von den Kolonialmächten Frankreich und Spanien. In den Sportverbänden und Fußballklubs hatten nun Marokkaner das Sagen. Als Förderer erwies sich König Hassan II., der von 1961 und 1999 herrschte. Hassan II. gründete in Rabat den Fußballklub ASFAR und verknüpfte ihn mit der Armee. Er führte ein strenges Regime. Er selbst segnete er die Verpflichtung neuer Trainer ab und erstellte Listen für Spielertransfers. Mitunter ordnete er von der Tribüne aus die Auswechslung von Spielern an.
Hassan II. übertrug die Verantwortung im Fußball auf Verbündete aus Militär, Geheimdienst und Wirtschaft. Und er hatte ein Gespür für Symbolik. In den ersten Jahren der Unabhängigkeit hatte die marokkanische Hymne noch keinen Text. Dann sah Hassan II. bei der WM 1966, wie die Teams stolz ihre Hymne sangen. Vier Jahre später, 1970 in Mexiko, nahm Marokko zum ersten Mal teil. Zuvor hatte der König einen Schriftsteller beauftragt, der einen patriotischen Text zu komponieren sollte.
Auch Mohammed VI. nimmt direkten Einfluss auf den Fußball. Fouzi Lekjaa, ein Vertrauter des Königs, ist seit 2014 Präsident des Marokkanischen Fußballverbandes. Er ist zugleich im Finanzministerium für Haushaltsfragen zuständig. Als Vorsitzender des Organisationskomitees für die WM 2030 soll Fouzi Lekjaa die marokkanische Fortschrittserzählung vorantreiben. Über einen Fußball, der Infrastruktur und Tourismus stärken soll.
Aber diese Erzählung wird in der Gesellschaft, die von sozialer Ungleichheit geprägt ist, auch kritisch gesehen. In einigen Regionen Marokkos liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 20 Prozent. Im Oktober 2025 protestierten Tausende vorwiegend junge Menschen gegen die Regierung, die dagegen zum Teil mit Repression reagierte.
Staat und Fußball sind in Marokko also enger verbunden als in den USA. Es ist eine politische Nähe, die die Fifa eigentlich untersagt. Doch für den Weltverband ist Marokko von strategischer Bedeutung. In ihrer Niederlassung in Rabat soll die Professionalisierung des afrikanischen Fußballs vorangetrieben werden. Überdies bestreiten etliche afrikanische Nationalteams, die über kein taugliches Stadion verfügen, ihre Heimspiele in Marokko. Und schließlich möchte sich Infantino 2027 ein letztes Mal als Verbandschef wiederwählen lassen, auf dem Fifa-Kongress in Rabat.
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