Party beim Voltigier-Team: Fünf Medaillen am Reit-WM-Samstag

Der Voltigier-Sport hat es auch bei der Reit-WM nicht ganz leicht. Die Konkurrenz- und Olympiasportarten Dressur, Springreiten und Vielseitigkeit dominieren in Aachen die Aufmerksamkeit von Zuschauern und Medien. Wer aber die ersten Medaillenentscheidungen der Voltigierwettbewerbe im "Stadion 3" miterlebte, kam in den Genuss von Weltklasse-Sport und einer elektrisierenden Atmosphäre.

Der ein oder andere Platz im 6.300 Menschen fassenden Rund blieb zwar mitunter frei, der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Gerade in den entscheidenden Phasen war es ohrenbetäubend laut. Bei den Frauen, den Männern und den Gruppen wurden am Samstag Medaillen vergeben, bei allen drei Wettbewerben räumte Deutschland ab.

Layher übertrumpft Meyer noch

Den Anfang machten am Vormittag die Frauen - und wie: Alice Layher behauptete ihre Führung aus den vorherigen Prüfungen und sicherte sich den WM-Titel. Zweite wurde Kathrin Meyer, die ihre Karriere nach dem Championat beendet. Annemie Szemes konnte sich dank einer starken Kür noch von Position fünf auf drei vorarbeiten, sodass das Podium komplett in deutscher Hand lag.

"Ich kann es noch gar nicht richtig realisieren", sagte die sichtlich beeindruckte Layher nach ihrem Titelgewinn am WDR-Mikrofon. "Die Stimmung war verrückt. Ich würde sagen, so viel Atmosphäre hatte ich noch nie."

Große Emotionen bei zweitplatzierter Meyer

Bei der packenden Medaillenentscheidung hatte Meyer als vorletzte Starterin mit einer hervorragenden Kür vorgelegt. Unmittelbar nach dem Abgang brach die 25-Jährige in Tränen aus, als die Anspannung nach dem gelungenen Auftritt von ihr abfiel. Mit ihrer bis dahin besten Wertung der Konkurrenz (9,116) durfte sich Meyer durchaus Hoffnungen auf den Sieg machen.

Doch die 24-jährige Layher hielt dem Druck unter dem Jubel der zahlreichen deutschen Fans stand und ließ sich die Führung aus den Vortagen nicht mehr nehmen. Auch in der Kür übertrumpfte Layher die gesamte Konkurrenz und durfte mit einer Wertung von 9,357 die Goldmedaille bejubeln.

Weitere Entscheidungen im Lauf des Tages

Wenig später legten dann die Männer nach, aus deutscher Sicht vor allem Bela Lehnen. Der 21-Jährige aus Moers konnte in der Kür seinen dritten Platz in der Gesamtwertung verteidigen und ließ sich für den Gewinn der Bronzemedaille feiern. "Es ist so viel passiert in den letzten Wochen, ich bin erstmal dankbar, hier zu sein", sagte Lehnen. "Dass dann noch eine Medaille rausspringt, ist natürlich mega."

Noch etwas lauter wurde es aber, als der Franzose Quentin Jabet seine Performance zeigte und "Rang 1" auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Die mitgereisten französischen Fans machten mächtig Lärm - vor allem, als der bis dahin Führende Niederländer Sam Dos Santos an Jabet nicht mehr herankam und so der Titel für Frankreich feststand.

Weitere Medaillen im Gruppen-Wettbewerb?

Am Abend zeigte schließlich die deutsche Gruppe noch ihr Können. Als führendes Team lief das für Deutschland startende "Team NORKA" aus Köln-Dünnwald in das Stadion ein. Doch auch den sechs Sportlern und Sportlerinnen machte der Druck offenbar nicht zu schaffen. Mit 8,477 Gesamtpunkten setzte sich Deutschland vor Frankreich und Österreich durch.

Schon beim Einlauf der Gruppe gaben die Fans mächtig Gas, am Ende der Kür erhoben sich die Zuschauer und jubelten ausgelassen. Mit Ergebnisverkündung war schließlich klar: Der Voltigier-Sport und vor allem das deutsche Voltigier-Team haben die große Bühne in Aachen für sich genutzt.