FUNKE Media Night: „Glaubwürdigkeit ist für die Demokratie unverzichtbar”

KI-Stimme. Info

Am Sonntag die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, wenige Wochen zuvor in Sachsen-Anhalt, und am Mittwochabend bei der FUNKE Media Night die Gelegenheit, all das in Ruhe zu besprechen. Genau dafür lädt die FUNKE Zentralredaktion einmal im Jahr in die Hauptstadt ein: Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien sollen miteinander ins Gespräch kommen, von Angesicht zu Angesicht. Gesprächsstoff gab es reichlich, von der Stimmung im Land über die Arbeit der Koalition bis zur Zukunft der Medien.

Neben Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) waren auch mehrere Kabinettsmitglieder zu Gast: Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und der erst seit Ende Juli amtierende Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Aus der Opposition kamen unter anderem Grünen-Chef Felix Banaszak und die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Lisa Paus (Grüne), sowie der Vorsitzende des Finanzausschusses, Christian Görke (Linke). Auch Botschafterinnen und Botschafter aus Israel, Großbritannien, Finnland, Schweden und Japan waren unter den Gästen.

FUNKE Media Night: Hotel „Das Stue“ wird zum Treffpunkt des politischen Berlins

Rund 240 Gäste folgten der Einladung ins Hotel „Das Stue“ im Herzen der Hauptstadt. Das Haus am Tiergarten wurde einst als dänische Botschaft errichtet, entworfen von Emil Schaudt, dem Architekten des KaDeWe, dessen Generalmanagerin Sandra Swiderski an diesem Abend ebenfalls unter den Gästen war. Seit 2012 ist es ein Hotel, an diesem Abend war es für einige Stunden der Treffpunkt des politischen Berlins. Abgeordnete standen neben Diplomatinnen, Kirchenvertreter neben Unternehmern, Chefredakteurinnen und Chefredakteure der FUNKE-Regionalmedien neben Menschen aus der Berliner Landespolitik.

FUNKE Media Night

Die Media Night im Hotel „Das Stue“: Chefredakteurin Melanie Amann, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), FUNKE Verlegerin Julia Becker und Chefredakteur Jörg Quoos (von links nach rechts). © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Den Auftakt machten Chefredakteur Jörg Quoos, der die Zentralredaktion vor elf Jahren gegründet hat, und Melanie Amann, die seit Januar als Chefredakteurin Digital mit ihm die überregionale Redaktion von FUNKE führt. Verbunden seien die beiden durch ein Ziel, sagte Quoos: „Ganz wichtig ist, dass wir ein gemeinsames Verständnis haben von dem, was wir tun. Nämlich davon, was guter Journalismus in der Zukunft können und leisten muss.“ Amann beschrieb es so: „Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf Distanz zu uns Journalisten gehen. Wir wollen in dieser Zeit nahbarer werden.“ Man wolle über das schreiben, was die Leserinnen und Leser wirklich interessiere, und nicht aus der Hauptstadt-Blase heraus. Quoos ergänzte: „Wir bilden uns eine eigene Meinung. Wir schreiben niemanden nieder.“

Anne-Christine Merholz wird stellvertretende Chefredakteurin der FUNKE Zentralredaktion

Die beiden verkündeten ebenfalls einen besonderen Neuzugang für die Zentralredaktion: Anne-Christine Merholz, bislang in der Chefredaktion von Ippen Media, wird ab November neue stellvertretende Chefredakteurin der FUNKE Zentralredaktion. Neu im Team sind außerdem unter anderem Doreen Reinhard als Reporterin für Ostdeutschland und die Investigativ-Reporterin Asia Haider. „Unsere Redaktion wächst, das ist etwas ganz Besonderes, und wir wissen sehr genau, dass es keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Quoos. 

FUNKE Media Night

Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, hält bei der FUNKE Media Night eine Rede.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, blickte in ihrer Begrüßung auf die jüngsten Wahlergebnisse, bei denen extremistische Parteien deutlich zugelegt hatten. Sie räumte ein, erschrocken zu sein. „Aber Erschrecken ist keine Strategie und Empörung ist eben auch keine Antwort“, so Becker. Eine Demokratie brauche eine gemeinsame Grundlage an Fakten, auf der sie streiten kann. „Und genau diese Grundlage zerfällt.“ Umso wichtiger sei unabhängiger, professioneller Journalismus. Quellen prüfen, Zahlen vergleichen, mit Andersdenkenden sprechen: Das sei manchmal langsam und nicht immer spektakulär, „aber es schafft etwas, das für eine Demokratie unverzichtbar ist. Und das ist Glaubwürdigkeit.“

Julia Becker verurteilt Anfeindungen auf Journalistinnen und Journalisten

Becker verurteilte Anfeindungen und Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten, ganz gleich, aus welcher politischen Richtung sie kommen. „Pressefreiheit ist nicht teilbar, Pressefreiheit ist nicht verhandelbar.“ Zum Schluss warb sie mit Verweis auf Dietrich Bonhoeffer für eine Haltung, die aus der Mode gekommen sei: „Optimismus bedeutet nicht, die Realität zu ignorieren. Optimismus bedeutet, sie zu sehen und trotzdem davon überzeugt zu sein, dass wir sie verändern können.“

FUNKE Media Night

Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, mit Melanie Amann, Chefredakteurin digital der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Bis in den späten Abend wurde im Stue über die Zukunft der Medien diskutiert und sich ausgetauscht. Und über die Frage, wo in diesen Zeiten Grund zur Zuversicht liegt.