Für Inklusion: Ehemaliges CDU-Mitglied Sascha Jansen tritt auf SPD-Liste an

Stand: 11.08.2026, 19:00 Uhr

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Sascha Jansen hat zur SPD gewechselt, die CDU auf Bundesebene und vor allem Bundeskanzler Merz hätten ihn zum Austritt bewogen.

Sascha Jansen hat zur SPD gewechselt, die CDU auf Bundesebene und vor allem Bundeskanzler Merz hätten ihn zum Austritt bewogen. © Lea Borner

Der Werke-Bewohner tritt für die SPD bei der Kommunalwahl für den Stadtrat Rotenburg an. Er ist neurodivergent, will Sichtbarkeit schaffen und setzte sich für eine stille Stunde in Supermärkten gegen Reizüberflutung ein.

Rotenburg – Die CDU hat ihn auf Bundestagsebene enttäuscht. Kanzler Friedrich Merz könne er als Mensch mit Behinderung nicht mehr unterstützen, da dieser sich nicht zu 100 Prozent gegen die AfD stelle. Der politikinteressierte Rotenburger Sascha Jansen wechselte deshalb bereits im Februar 2025 von der CDU zur SPD und erklärt heute: „Ich bin 2016 in die CDU eingetreten, da war Merkel noch da.“

Mit der CDU Rotenburg, dem Kreisverband oder der niedersächsischen CDU habe er ein gutes Verhältnis. „Die lokale CDU war gut zu mir. Es geht mir um die Bundesebene, deshalb bin ich zur SPD gewechselt. Die hat bereits in ihrem Grundsatzprogramm Inklusion stehen“, führt der Rotenburger-Werke-Bewohner aus, der bei der vergangenen Kommunalwahl vor 5 Jahren bereits angetreten war.

Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigung

2021 hatte Jansen, der ursprünglich aus dem Kreis Heinsberg bei Köln stammt, immerhin 66 Stimmen, also 0,8 Prozent aller Direktstimmen, auf sich vereint. „Mir ist auch jetzt klar, dass ich dieses Mal nur eine geringe Chance habe, direkt oder indirekt in den Rat gewählt zu werden“, bleibt der 38-Jährige mit seinem SPD-Listenplatz 13 realistisch. Er müsse erst einmal in seiner neuen Partei zeigen, wer er sei, und sich in der SPD finden. Trotzdem betont er auch, dass er weiterhin Henning Poppe sehr schätze, mit „seiner positiven Aura“.

Sein politisches Hauptziel sei es, für Menschen mit Einschränkungen einzustehen, zu sensibilisieren und für Sichtbarkeit zu sorgen. Er selbst ist neurodivergent, was bedeutet, dass sein Gehirn anders arbeitet als bei der Mehrheit der Menschen. Jansen hat gelernt, offen über seine Beeinträchtigung zu sprechen. „Das macht mein Leben schwerer, weil ich Grenzen habe, die andere manchmal nicht nachvollziehen können“, sagt er. Wenn er es in den Stadtrat schaffen sollte, sei sein nächstes Ziel „irgendwann“ der Landtag. „Es gibt zu wenige Stimmen für Menschen mit Behinderung. Aber wir können nur mit politischem Engagement etwas erreichen.“

Es gibt zu wenige Stimmen für Menschen mit Behinderung. Aber wir können nur mit politischem Engagement etwas erreichen.

Deswegen setze er sich auch für eine stille Stunde in Rotenburger Supermärkten ein. „Die Reizüberflutung ist für neurodivergente Menschen oft sehr anstrengend und wird zur unüberwindbaren Hürde für manche“, erklärt er. Jansen selbst habe damit große Probleme. „Dann fange ich an zu zittern. Das ist, als würde ich mich innerlich überschlagen.“ Er könne aber ganz gut damit umgehen und fühle sich deshalb bereit für die Aufgaben im Stadtrat.

Rotenburg soll „behindertenfreundlicher“ werden

Seit 2002 lebt Jansen in den Rotenburger Werken. Er engagierte sich dort 17 Jahre in der Bewohnervertretung, 5 davon als Vorsitzender. Der 38-Jährige arbeitet in den Werken im Bereich Partizipation. Von November 2024 bis Februar 2026 nahm er außerdem an einem Kurs einer Hochschule in Hamburg zum Thema Inklusion und Teilhabe teil, weswegen er aus Zeitgründen sein Amt in der Bewohnervertretung niederlegte. Bei den Neuwahlen Ende 2027 wolle er in den Werken aber wieder dafür kandidieren. Aktuell bekleidet er noch andere Ehrenämter, wie die Mitgliedschaft im Behindertenbeirat der Stadt und die Organisation des Rotenburger Festivals „Laut und Draußen“. Hinzu komme natürlich noch der Wahlkampf, sein Terminkalender sei trotz Urlaub in der vergangenen Woche voll gewesen. Ihm sei bewusst, dass seine Kernwähler in den Werken wohnen. Dort will er noch mehr für sich werben.

Seine Freizeit verbringt Jansen neben der Politik mit Kochen und Backen, er probiert gerne neue Rezepte aus. Er fahre auch gerne nach Hamburg und spaziere dort durch die Außenbezirke. „Oder ich mache einen Ausflug auf Sylt, das ist meine Lieblingsinsel.“ Außerdem sei Jansen gerne in Gesellschaft. „Leider fällt mir in der heutigen Zeit sehr stark auf, dass eine faire Behandlung keine Selbstverständlichkeit ist.“ Was wiederum dazu führe, dass er sehr schüchtern und zurückhaltend werde. Doch der Werke-Bewohner betont: „Die Unsicherheit ist da, klar. Nicht immer bekomme ich positive Reaktionen, davon lasse ich mich aber nicht von meinem Herzenswunsch für mehr Sichtbarkeit abhalten.“

Er wolle ehrliche Politik machen. Statt leerer Versprechen möchte er formulieren, was er realistisch versuchen wird zu erreichen. Bereits als Bewohnervertreter in den Rotenburger Werken habe er den Wunsch gefasst, eine Partei zu gründen, welche die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt rückt. „Mir ist schon bewusst, dass das aufwendig ist und nicht von heute auf morgen klappt“, sagt der 38-Jährige. Doch dies wäre ein wichtiger Schritt für sein Ziel. Er erläutert: „Ich möchte erreichen, dass Rotenburg die behindertenfreundlichste Stadt wird.“