Für Irlands meistgesuchten Mann Daniel Kinahan endet ein Versteckspiel in aller Öffentlichkeit
Kopf des Tages
Für Irlands meistgesuchten Mann Daniel Kinahan endet ein Versteckspiel in aller Öffentlichkeit
In Dubai fühlte sich der mutmaßliche Chef von Irlands größtem Mafia-Kartell lange so sicher, dass er sich offen als Boxpromotor präsentierte. Nun hat sich das Blatt gewendet
Kopf des Tages
/
Manuel Escher
Manchmal sind es eben die kleinen Dinge: Er freue sich, jetzt endlich wieder ein Chips-Sandwich genießen zu dürfen, zubereitet mit echten irischen Tayto-Chips und dem charakteristischen, industriell gefertigten Batch Bread. Die irische und britische Spezialität war für Daniel Kinahan an seinem bisherigen Aufenthaltsort, einem Haus in der extranoblen Palm-Jumeirah-Siedlung auf aufgeschüttetem Sand in Dubai, nicht aufzutreiben.
Ob er sie nun wirklich genießen wird können, bleibt aber offen: Denn nach seiner erzwungenen Anreise in einem irischen Regierungsflieger ist er unmittelbar in den Block A5 des Hochsicherheitsgefängnisses Portlaoise gebracht worden.
Box-Domizil Dubai
Der 49-Jährige hatte, so jedenfalls der Vorwurf der Gerichte, bereits in zweiter Generation eine der bedeutendsten Mafia-Kartelle des Landes geleitet – und sich dabei wenig versteckt. Denn in seinem Domizil Dubai, das bis 2025 kein Auslieferungsabkommen mit Irland hatte, hatte sich Kinahan lange sicher gefühlt.
So sicher, dass der verheiratete Familienvater 2012 dort eine Box-Promotion-Firma gründete und sich in völliger Offenheit unter anderem als Berater des Champions Tyson Fury präsentierte. Wie die britische Times mehrfach berichtet hat, soll Kinahan die Nähe zu wichtigen Familien in den Emiraten gesucht und sie an seinem Reichtum beteiligt haben – im Gegenzug für Schutz.
Der Fleischer und Mr. Nobody
Dass die Organisation, die Vater Christopher Vincent "Christy" Kinahan in den 1990er-Jahren mit mutmaßlichem Drogen- und Waffenhandel groß gemacht hatte, durchaus auch mafiösen Anschein zeigte, muss dabei auch den Emiratis klar gewesen sein. Wichtige Figuren tragen Spitznamen wie Imre "The Butcher" Arakas (Vorwurf: Morde), Declan "Mr Nobody" Brady (Vorwurf: Waffenhandel) oder John "Johnny Cash" Morrissey (Vorwurf: Geldwäsche).
Langsam abwärts ging es für Kinahan ab 2016. Damals entkam er, angeblich durch einen Sprung aus dem Fenster, einem Mordanschlag der verfeindeten Hutch Gang. Getötet wurde allerdings ein Mitarbeiter, woraufhin ein wilder Bandenkrieg begann. Im Zuge der Auseinandersetzungen ermordeten einander über die Dauer mehrerer Jahre mindestens 18 mutmaßliche Mafiosi.
2023 vereitelten irische Behörden auch eine Drogenlieferung im Wert von rund zwei Millionen Euro, die das Kinahan-Kartell gemeinsam mit dem Iran und der libanesischen Hisbollah organisiert haben soll. Vielleicht trug auch das zu einem Nachlassen der Gastfreundschaft in den Emiraten bei. (Manuel Escher, 10.8.2026)
Forum: 30 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.