Gaffer behindern in Wuppertal Retter: Wenn die Neugier zum Problem wird

Diesen Tag wird Miriam Jost nicht vergessen. Ende Juni wurde sie Zeugin, als ein Kleinkind in Wuppertal-Oberbarmen aus einem Fenster im vierten Stock eines Wohnhauses auf den Gehweg stürzte. Sie war eine der ersten am Unglücksort.

"Ich glaube, ein bisschen Gruppenzwang ist dabei, dass wenn einer nichts macht, die anderen auch untätig bleiben. Auch wegen der Angst, man könnte dem Opfer schaden. Aber wenigstens den Notruf absetzen, das sollte man schon können." Miriam Jost, Ersthelferin

Neugierige - Alltag für Retter

Für die Rettungsdienste sind Miriam Josts Erlebnisse Alltag. Mathias Schaub ist Notfallsanitäter bei der Wuppertaler Feuerwehr. Er fühlt sich von Neugierigen am Unfallort oft gestört und in seiner Arbeit behindert. Er erlebt, wie er und seine Kollegen zum Beispiel lebensrettende Maßnahmen einleiten wollen und Menschen im Weg stehen und mit dem Handy filmen.

"Es ist eine Verrohung der Gesellschaft, und das nimmt zu. Aber man muss lernen, damit umzugehen. Weiterhin professionell zu arbeiten, den Patienten zu schützen und seine Arbeit weiter fortzuführen." Mathias Schaub, Notfallsanitäter Feuerwehr Wuppertal

Zuschauer werden mit Handy zu "Reportern"

"Ich fürchte, es wird auch belohnt. Es wird belohnt, wenn ich erzählen kann, ich habe was Spannendes gesehen. Wenn ich dann noch Bilder habe, kann ich das beweisen. Im allerschlimmsten Fall bekomme ich sogar Geld dafür." Meinald Thielsch, Institut für Psychologie, Bergische Universität Wuppertal

Neugierde akzeptieren, Umgang mit Krisen lernen

Eine Lösung für das Problem der Gaffer? Der Psychologe Meinald Thielsch fordert mehr "Routine", auch für Schaulustige am Ort eines Unfalls. Vielleicht schon in der Schule darüber sprechen, wie man sich in schwierigen Situationen verhält.

Kurse zur Ersten Hilfe anbieten, damit Zeugen eines Unfalls reagieren statt nur dabeistehen können. Aber auch: Neugierde als typisch menschliche Reaktion auf Ungewohntes akzeptieren.