„Ganz andere Zeit“: CDU-Spizenkandidat lehnt Brandmauer vor Wahl in Sachsen-Anhalt deutlich ab
„Ganz andere Zeit“: Schulze weicht Brandmauer-Frage aus – droht CDU die Koalitionsfalle?
Stand: 22.08.2026, 20:02 Uhr
In Sachsen-Anhalt geht der Wahlkampf in die heiße Phase. Sven Schulze lehnt die Zusammenarbeit mit der AfD ab – von einer Brandmauer will er aber auch nichts wissen.
Magdeburg – Die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem bezeichnete AfD liegt in dem Bundesland in jeder Umfrage deutlich vorn. Sogar eine absolute Mehrheit gilt nach dem 6. September als realistisch. Eine Insa-Umfrage im Auftrag der Bild sieht die AfD bei 42 Prozent (Stand: 10. August). Pollytix sieht die Partei in einer Erhebung im Auftrag von Campact sogar bei 43 Prozent (Stand: 12. August).

Die CDU, die bislang mit Sven Schulze den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellt, verliert derweil immer mehr an Boden. Insa sieht die Unionspartei noch bei 22 Prozent. 2021 kam sie noch auf 37,1 Prozent – die AfD damals auf 20,8 Prozent. Bei Pollytix sieht es mit 23 Prozent nur leicht besser aus. Während die AfD immer größere Erfolge feiern kann, stellt sich in der heißen Phase des Wahlkampfes die Frage: Hält die viel beschworene Brandmauer der CDU gegen die AfD?
Brandmauer-Debatte vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Schulze will Begriff nicht verwenden
Die Brandmauer gilt als Bekenntnis der CDU, sich von teils extremistischen Parteien wie der AfD abzugrenzen. Doch mit Blick auf die gravierenden Umfrageergebnisse auf Landes- und Bundesebene, fordern immer mehr Politiker aus den Reihen der Union, Abstand von dem Begriff zu nehmen. Innerhalb der AfD wird bereits lange eine Zusammenarbeit gefordert. Bernd Prange, CDU-Politiker und Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe in Sachsen-Anhalt, hatte zuletzt offen zur Wahl der AfD aufgerufen und 10.000 Euro an die Partei gespendet. Ein Parteiausschlussverfahren wird Berichten zufolge geprüft.
Schulze tritt bei der Wahl im September erneut als Spitzenkandidat für seine Partei an. Er lehnt eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Auf einer Veranstaltung des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) im Juli sagte er, er lehne eine Koalition mit der AfD, aber auch mit der Linkspartei ab. Mit dem Begriff der Brandmauer hat Schulze aber wohl seine Probleme. Er selbst weigert sich, diesen zu nutzen.
Im Podcast „Berlin Playbook“ von Politico sagte er: „Ich denke schon, dass manche Themen und die Brandmauer-Debatte, so wie sie teils geführt wurde, für uns echt nicht hilfreich waren.“ Er fürchtet demnach, dass sich die Debatte um die Brandmauer negativ auf das Ergebnis im September auswirken könnte.
„Ganz andere Zeit“ – Schulze über Brandmauer zur AfD vor Wahl in Sachsen-Anhalt
Der Brandmauer-Beschluss wurde von der CDU im Jahr 2018 in Hamburg getroffen. Als man sich damals gegen eine Zusammenarbeit ausgesprochen hatte, konnte die AfD aber noch nicht die aktuellen Erfolge feiern. Auch Schulze erinnert daran, dass es damals „eine ganz andere Zeit“ gewesen sei. Die Thematik habe sich seither verändert.
In dem Beschluss heißt es: „Die CDU Deutschlands lehnt Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der Alternative für Deutschland ab.“ Bereits mehrfach wurde aus der CDU heraus versucht, den Beschluss zu kippen.
So hatte etwa die Landesspitze der CDU-Mittelstandsunion in Brandenburg einen Antrag aus den eigenen Reihen auf ein Ende der Brandmauer gegen die AfD im Juli entschärft. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtete, soll in dem Antrag festgehalten worden sein, dass eine Zusammenarbeit erst erfolgen könne, wenn die AfD „ihre nationalistischen Flügel“ eindämme. „Wir können diese Wähler nicht ausgrenzen“, sagte Frank Goral, Vizelandeschef der Mittelstandsunion und Mitverfasser des Antrags, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir können die nicht alle in die rechte Ecke stellen.“
Wahl in Sachsen-Anhalt 2026: AfD-Alleinregierung oder Minderheits-Koalition?
Abseits der Debatte um Begriffe, könnte eine Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt nach der Wahl schwierig werden. Die AfD beansprucht angesichts der Umfrageergebnisse die Regierungsspitze für sich. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund legte bereits radikale Pläne für eine von ihm geführte Regierung vor. Dem Stern erklärte er, er wolle auch den umstrittenen Begriff „Remigration“ weiter nutzen. Das sei ein „ganz normales, positives Wort“, das eine „Abkehr von der bisherigen irregulären und illegalen Einwanderung“ bedeute.
Eine Minderheitsregierung lehnt Siegmund ab. Eine Koalition wäre ohne die Union ebenfalls unmöglich, sollte das BSW den Sprung über die 5-Prozent-Hürde nicht schaffen – oder einer Zusammenarbeit widersprechen. Auch die CDU blickt wohl mit wachsender Sorge auf die Umfragen. Laut aktuellem Stand würde es ohne eine Beteiligung der Linken nicht für eine Mehrheitskoalition reichen. Weil Schulze das aber bislang ablehnt, dürfte es auch hier auf eine Minderheitsregierung hinauslaufen. (Quellen: Politico, RND, RBB, dpa, Stern) (nhi)