Ganz in weiblicher Hand

Stand: 01.08.2026, 00:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Bayreuther Festspiele 2026 - Richard Wagner: Rienzi - Die Bayreuther Festspiele werden 2026 mit Richard Wagners früher Oper "Rienzi" eroffnet. 3sat sendet am 01. August im Rahmen des "3sat-Festspielsommers".

Bayreuther Festspiele 2026 - Richard Wagner: Rienzi - Die Bayreuther Festspiele werden 2026 mit Richard Wagners früher Oper "Rienzi" eroffnet. 3sat sendet am 01. August im Rahmen des "3sat-Festspielsommers". © ZDF / BR, Markus Konvalin

Die Bayreuther Festspiele eröffnen mit Richard Wagners früher Oper „Rienzi“ ihre Saison zum 150. Jubiläum. 3sat liefert das Spektakel als Aufzeichnung nach Hause.

Wagners dritte Oper „Rienzi“, von ihm selbst als „Jugendsünde“ bezeichnet, wurde im Nationalsozialismus gern aufgeführt. Sie soll Hitlers Lieblingsoper gewesen sein, nachdem er sie in Linz zum ersten Mal gesehen hatte. „In jener Stunde begann es!“, soll er gar der Festspielleiterin und Freundin Winifred Wagner eingestanden haben. Kein Wunder, dass die 1842 in Dresden uraufgeführte Wagner-Oper nach dem Krieg kaum gespielt wurde, auch wenn die Handlung weit zurückführt ins spätmittelalterliche Rom des 14. Jahrhunderts. 3sat sendet die Bayreuther Neubearbeitung in seinem „Festspielsommer“-Programm zeitversetzt nach der Premiere vom 26. Juli 2026.

Bayreuther Festspiele 2026 - Richard Wagner: Rienzi - Die Büste von Richard Wagner, die von Arno Breker 1986 gestaltet wurde, im Vorgarten des Festspielhauses in Bayreuth.

Bayreuther Festspiele 2026 - Richard Wagner: Rienzi - Die Büste von Richard Wagner, die von Arno Breker 1986 gestaltet wurde, im Vorgarten des Festspielhauses in Bayreuth. © ZDF / BR, Markus Konvalin

Cola di Rienzi, päpstlicher Notar und Literat, wird in Rom, wo die Adelsfamilien Colonna und Orsini die Stadt terrorisieren, zum Volkstribun ernannt. Er will die Stadt von der Tyrannei der Adeligen befreien, während sich der Papst in Avignon befindet. Mithilfe seiner Schwester Irene und deren Liebhaber Adriano will er die Freiheit und das Recht für Rom zurückgewinnen. Doch die Adelsfamilien bereiten ein Attentat auf ihn vor. Als dieses scheitert, verzeiht er ihnen auf Bitten von Irene und Adriano. Noch einmal kommt es zum Kampf, den Rienzi unter schweren Verlusten gewinnt. Als Rienzis Idealismus in Größenwahn umschlägt, wendet sich das Volk von ihm ab, während Irene bis zum selbstgewählten Untergang zu ihm hält.

Die Bayreuther Inszenierung ist ganz in weiblicher Hand. Am Pult steht Nathalie Stutzmann, die Inszenierung und Ausstattung besorgten das ungarische Team Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Die Titelrolle singt Andreas Schager, dessen Schwester ist Gabriela Scherer. - In Bayreuth war man um eine Fassung der vielfach umgestalteten Oper bemüht, die die Überlieferungsgeschichte „ebenso sorgfältig in Betracht gezogen“ habe wie die Rezeptionsgeschichte. Darüber hinaus habe das Team versucht, „neue Quellen zu erschließen und verloren geglaubte Teile der Partitur zu rekonstruieren“.

Im Vorfeld der Premiere am 26. Juli war es zu einigen Querelen gekommen. Eine Gedenkveranstaltung für jüdische Musiker zum 150. Festspieljubiläum, bei der Michel Friedmann eine Rede über Wagners Antisemitismus halten sollte, wurde zunächst abgesagt, die Absage dann aber von Festspielleiterin Katharina Wagner persönlich widerrufen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)