„Gar nicht erst kontrolliert“: DB-Zugbegleiterin packt über Problem-Fahrgäste aus
Stand: 15.08.2026, 21:49 Uhr
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Eine ehemalige Zugbegleiterin berichtet, warum sie wegen bestimmter Fahrgäste den Job gekündigt hat. Die Bahn nennt Maßnahmen, um Personal zu schützen.
Hamburg – Die Deutsche Bahn steht regelmäßig in der Kritik – wegen Verspätungen, technischer Probleme und überfüllter Züge. 2025 erreichte die Pünktlichkeit einen Tiefstand. Nur knapp 60 Prozent der Züge im Fernverkehr kamen pünktlich am Ziel an. Wenn die Klimaanlage nicht funktioniert oder der Schienenersatzverkehr nicht kommt, entlädt sich der Frust häufig bei den Bahnmitarbeitenden, die für die Fahrgäste sichtbar sind: den Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern.

Im Onlineforum Reddit schildert eine Person, offenbar ehemalige Zugbegleiterin, wie sie ihre Zeit bei der Deutschen Bahn erlebt hat und wieso sie ihren Job letztlich aufgegeben hat. Sie beschreibt teils extreme Szenen: „Ich wurde von einer Frau mit einem offenen Joghurt beworfen, weil ich ihr nicht sagen konnte, wann es aufgrund eines Waldbrandes endlich weitergeht.“
Zugbegleiterin berichtet: Sie wurde bedroht und beworfen
Zu ihren „schlimmsten Erfahrungen“ gehöre eine Situation, in der ein Fahrgast sie bedroht habe – „dass er ‚mich abknallt‘, wenn ich mich nicht ‚verpisse‘.“ Zuvor habe sie ihn auf das Alkoholverbot in den Zügen hingewiesen. Das sei direkt in ihrer ersten Schicht passiert: Sie habe sich in einem Schockzustand befunden und es „nicht mal mehr geschafft, die Bundespolizei zu rufen“.
Die ehemalige Zugbegleiterin berichtet, dass es ihr im Arbeitsalltag geholfen habe, mehr Personal an Bord der Züge dabei zu haben – egal, ob zusätzliche Zugbegleiter oder Security. In den Regionalzügen sei sie meist allein gewesen. Bei der Fahrkartenkontrolle habe sie deswegen die Tickets einiger Fahrgäste, darunter auch Fußballfans, nicht geprüft. „Ich muss aber ehrlich sagen: Zumindest bei meiner Dienststelle hatten wir nicht den Auftrag, uns zu Helden zu machen. Fahrkarten habe ich da gar nicht erst kontrolliert, vor allem bei den aggressiveren Fan-Clubs.“
Mittlerweile arbeite die Reddit-Nutzerin nicht mehr als Zugbegleiterin. Ihre Begründung: „Ich hatte keine Lust mehr, Therapeutin für irgendwelche Leute zu sein. Allein, wie oft ich mahnen musste, die Füße vom Sitz zu nehmen. Ständig, auch friedliebende Leute erinnern zu müssen, dass Alkohol an Bord verboten ist.“
Auch die ständige Angst vor Übergriffen habe sie letztlich zum Gehen bewegt. Sie beschreibt, wie sie schon vor Schichtbeginn grübelte, besonders nach dem tödlichen Angriff auf einen Kollegen. Eines Tages habe sie sich gefragt, ob die Vorteile bei der DB es wert seien, „am Ende nie wieder ein normales Leben führen zu können aufgrund eines Angriffs“. Dabei stellt sie klar: „Ich habe aber zu 85 bis 95 Prozent immer nur nette Fahrgäste gehabt. Das Ding ist nur, dass die Negativbeispiele dir sehr schnell den Tag versauen können.“
Fast 1000 Übergriffe auf Bahn-Personal im ersten Halbjahr 2026
Die Übergriffe auf Bahnmitarbeitende nehmen zu. Im ersten Halbjahr 2026 kam es zu 989 Übergriffen auf das Personal der DB Regio – darunter 781 Fälle einfacher Körperverletzung und 185 Fälle versuchter Körperverletzung. 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlitten schwere Körperverletzungen; der Zugbegleiter Serkan Çalar wurde im Februar getötet. „Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt kontinuierlich“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Bahn sieht mehrere Maßnahmen vor, um das Personal besser zu schützen.
Unter anderem testet die DB Tonaufzeichnungen bei Bodycams. „Im ersten Schritt wird die Tonaufzeichnung in der Region Rhein-Neckar-Pfalz ab spätestens 1. Oktober für zwei Monate getestet.“ Nach der Pilotphase sei eine „sukzessive, bundesweite Umsetzung“ vorgesehen. Zudem sollen ab sofort auch Service-Mitarbeitende an Bahnhöfen Bodycams tragen.
Der Sprecher geht auf den Bericht der ehemaligen Zugbegleiterin ein, die berichtet, einzelne Fahrgäste aus Sorge um ihre eigene Sicherheit nicht mehr kontrolliert zu haben. Er bestätigt: „Bei DB Regio gilt bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung.“ Seit März 2026 liege es im Ermessen des Personals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen müsse oder nicht. (Quellen: Reddit, DB, eigene Recherche)