Gaspreis: Verbraucherschützer warnen vor Anstieg wegen niedriger Speicherstände
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop, vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. »Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter. Die Einkaufspreise für Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich«, sagte Pop der »Rheinischen Post«.
»Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten«, erklärte Pop.
Gaskunden riet sie zur Vorsicht: »Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht«, sagte Pop. Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.
Die deutschen ebenso wie die europäischen Füllstände liegen aktuell deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Laut jüngsten Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lag der Füllstand am 17. August bei 61,37 Prozent. Vor einem Jahr waren es knapp 74 Prozent. Die deutschen Gasreserven sind deutlich geringer: Hier meldete die GIE für den 17. August einen Füllstand der Speicher von 50,06 Prozent, nachdem sie vor einem Jahr zu knapp 67 Prozent gefüllt waren.
Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen. Der Branchenverband Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB-Gas) warnt, dass dies kaum noch zu erreichen sei , »selbst bei einer Einspeicherung von bis zu 1,2 TWh pro Tag – dem höchsten Wert, der im Markt je beobachtet wurde«. Aktuell liegen die Einspeicherungen deutlich niedriger.
Die wegen des Irankriegs blockierte Straße von Hormus erschwert den internationalen Transport von Gas und Öl, was die Preise in die Höhe treibt. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf deshalb derzeit wenig attraktiv.
Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur sehen die Wirtschaft in der Pflicht. Die Füllung der deutschen Speicher sei »sehr gering«, räumte eine Sprecherin des Ministeriums ein. »Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf, einzuspeichern.« Netzagentur-Chef Klaus Müller nimmt ebenfalls die Händler in die Pflicht. »Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat«, sagte er »T-Online«. »Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen.«