Gast zeigt Wirtshaus-Rechnung von 1966: Ein Bier kostete 50 Pfennig – wie viel teurer es heute wirklich ist
Stand: 18.09.2026, 14:24 Uhr
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Eine Rechnung von 1966 sorgt für Staunen. Doch wie stark sind Preise wirklich gestiegen? Der Vergleich mit Kaufkraft, Löhnen und Steuern zeigt die Unterschiede.
München – Steigende Preise gehören inzwischen zu den ständigen Begleitern des Alltags: Ob beim Wocheneinkauf, an der Zapfsäule oder beim Blick auf die Nebenkostenabrechnung – in nicht wenigen Situationen heutzutage kommt das Thema auf, wie teuer alles geworden ist.

Wie berechtigt dieses Gefühl tatsächlich sein kann, zeigt eine historische Rechnung, die derzeit in einem Beitrag in den sozialen Medien kursiert – und auf den ersten Blick genau das zu bestätigen scheint. Doch ist es auch wirklich so? Der historische Vergleich ist komplizierter – besonders, wenn man nicht nur Preise, sondern auch Kaufkraft und Einkommen betrachtet.
Bier-Rechnung von 1966: Haben sich die Preise wirklich verzwanzigfacht?
Auf Facebook kursiert derzeit ein Foto, das eine Rechnung aus dem Jahr 1966 zeigt. Abgerechnet wurde ein „Beerdigungskaffee am 13.12.66“. Der Beitragsersteller schreibt: „Das waren noch DM-Preise, vor sechzig Jahren!“. Sein Fazit: „Das meiste hat sich locker zwanzigfach verteuert in den vergangenen sechzig Jahren.“
Ob diese pauschale Einschätzung zutrifft, lässt sich anhand der allgemeinen Preisentwicklung und der Lohnentwicklung einordnen. Die historische Rechnung bietet dafür einen anschaulichen Ausgangspunkt. Aufgeführt sind 95 „Kaffeegedecke mit allen Zutaten“ für jeweils 4,20 D-Mark. Hinzu kamen unter anderem 47 Asbach, 39 Steinhäger und 15 Gläser Bier. Ein Bier kostete laut Rechnung 50 Pfennig – umgerechnet damit rund 25 Cent. Die Glasgröße des Bieres ist jedoch nicht vermerkt.
Also lohnt sich ein Blick auf vergleichbare Rechnungen. Der amtliche Preisbericht des Statistischen Bundesamts für Dezember 1966 führt die Rubrik „Getränke beim Verbrauch in Gaststätten“, nennt aber keinen einzelnen Bierpreis. Regionale Belege geben deshalb einen genaueren Einblick: Die Stadt Dachau nennt für ihr Volksfest 1966 2 DM pro Maß, also 1 DM für 0,5 Liter. In Schongau kostete im August 1967 ein Bier 60 Pfennig. Im Vergleich zu heute: Eine Auswertung für größere Städte in Baden-Württemberg kam 2025/26 auf 3,86 bis 4,88 Euro für einen halben Liter Bier, wie die Zeit berichtete.
Bei den Zigaretten nennt die Rechnung von 1966 einen konkreten Preis: Zehn Päckchen kosteten jeweils 1 DM. Der Deutsche Zigarettenverband nennt für eine 20er-Packung der Premiumpreislage im Januar 2026 9,40 Euro. 1 DM entspricht 0,51 Euro; nominal ist der Preis damit 18,4-mal so hoch. Doch ist es auch in der Praxis so viel teurer geworden?
Kaufkraft 1966 und heute: Was Bier und Zigaretten heute wert wären
Die Deutsche Bundesbank setzt 1 DM aus dem Jahr 1966 mit rund 2,36 Euro Kaufkraft im Preisstand 2025 gleich. Das allgemeine Preisniveau ist seitdem also etwa auf das 2,36-Fache gestiegen. Damit entsprechen 50 Pfennig heute rund 1,18 Euro, 20 DM etwa 47 Euro und 100 DM etwa 236 Euro. Grundlage dafür ist der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts, der die durchschnittliche Preisentwicklung der privaten Konsumausgaben abbildet. Einzelne Produkte können sich dabei deutlich anders entwickelt haben.
Ein halber Liter Bier kostet heute je nach Ort und Gastronomie etwa drei- bis viermal so viel wie 1966. Auf den Preis fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Hinzu kommt die Biersteuer: Beim üblichen Vollbier beträgt sie laut Zoll 1,9 Cent für ein 0,2-Liter-Glas. Sie macht jedoch nur einen kleinen Teil des Endpreises aus; den größeren Anteil bestimmen unter anderem Einkauf, Personal, Miete und weitere Betriebskosten.
Auch Zigaretten sind heute deutlich teurer als 1966. Der Preis einer heutigen Packung entspricht kaufkraftbereinigt etwa dem Vierfachen des damaligen Preises. Einen erheblichen Anteil machen dabei Steuern aus: Bei einem Preis von 9,40 Euro entfallen nach Angaben des Branchenverbands 4,32 Euro auf die Tabaksteuer und 1,50 Euro auf die Mehrwertsteuer – zusammen fast 62 Prozent.
Lohnniveau im Vergleich: Wie viel teurer ist ein Bier heute wirklich?
Wichtig bei einem Vergleich ist aber auch der Blick auf das Lohnniveau. Das Statistische Bundesamt weist für 1966 im früheren Bundesgebiet einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 429 Euro in der rückgerechneten Euro-Zeitreihe aus. Das entspricht beim amtlichen Umrechnungskurs rund 839 DM. Für 2024 nennt Destatis beim Bruttojahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten einen Median von 52.159 Euro einschließlich Sonderzahlungen, also rund 4.347 Euro im Monat.
Der Monatsverdienst ist damit nominal gut zehnmal so hoch wie 1966. Über alle Arbeitsmodelle hinweg – also auch Minijobs und Teilzeit mit einberechnet – liegt das heutige Durchschnittseinkommen bei rund 3.860 Euro brutto und knapp 2.700 Euro netto im Monat. Das sind rund 7.550 DM brutto.
Gegenüber den 839 DM von 1966 ist das Durchschnittsbrutto nominal etwa neunmal so hoch. Beim Bier ist der tatsächliche Unterschied jedoch deutlich kleiner: 50 Pfennig entsprachen 1966 etwa 0,06 Prozent des Monatsbruttos, 4 bis 5 Euro heute etwa 0,09 bis 0,12 Prozent des Vollzeit-Medians. Gemessen am Einkommen nimmt ein Bier heute also einen ähnlichen, höchstens etwas größeren Anteil ein.
Der tatsächliche Vergleich zeigt: Ein Bier in der Gastronomie ist heute nominal deutlich teurer, und einzelne Waren oder Dienstleistungen können sich wesentlich stärker verteuert haben als das allgemeine Preisniveau. Spürbar ist das derzeit zum Beispiel bei Spritpreisen. Auch Wohnen, Immobilien und einige Dienstleistungen sind im Verhältnis zum Einkommen deutlich teurer geworden, während viele Konsumgüter heute relativ erschwinglicher sind.
Eine zwanzigfache Preissteigerung in der Gastronomnie lässt sich de facto jedoch nicht belegen. Die allgemeine Kaufkraftentwicklung seit 1966 liegt – gemessen an der Bundesbank-Umrechnung – deutlich unter diesem Faktor. Trotzdem dürfte bei vielen das Gefühl bleiben: Früher war es deutlich billiger. Quellen: statistischebibliothek.de, bundesbank.de, destatis.de, dachau.de, zeit.de (bk)