Gauner holt bei Seniorin über 140.000 Euro ab – als falscher Polizist
Stand: 26.07.2026, 13:00 Uhr
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Eine 70-Jährige aus Kranzberg wurde Opfer einer Betrugsmasche, die mehrere Varianten kombinierte. Die Täter setzten sie über Stunden unter Druck und ließen sich Bargeld und Schmuck aushändigen.
Kranzberg – Mit einer raffiniert abgewandelten, perfiden Betrugsmasche haben Kriminelle eine über 70-jährige Seniorin aus Kranzberg um über 140.000 Euro gebracht. Die Täter kombinierten mehrere bekannte Varianten und setzten die Frau über Stunden massiv unter Druck. Die Kriminalpolizei Erding ermittelt und warnt vor der neuen Vorgehensweise.
Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilt, erhielt die Seniorin am Mittwochnachmittag gegen 14 Uhr einen Anruf von einer angeblichen Ärztin des Klinikums Großhadern. Die Frau behauptete, die Tochter der Rentnerin sei an Krebs im Endstadium erkrankt. Nur eine neue, sehr teure Behandlung könne ihr helfen – dafür seien fast 200.000 Euro Vorauszahlung nötig.
Die Seniorin erklärte, sie könne diese Summe nicht aufbringen, besitze aber ein Bankschließfach. Als die Anruferin sich auffällig nach Schmuck erkundigte, wurde die Frau misstrauisch und beendete das Gespräch. Sie versuchte anschließend, die Polizeiinspektion Freising zu erreichen, doch eine Verbindung kam nicht zustande.
Falscher Kommissar schaltet sich ein
Wenig später meldete sich ein Mann, der sich als Polizeibeamter ausgab. Er behauptete, eine organisierte Einbrecherbande sei im Landkreis unterwegs. Die Seniorin solle Türen und Fenster geschlossen halten, ihre Telefonleitung werde überwacht, und sie müsse weitere Anweisungen abwarten. Der falsche Polizist lenkte das Gespräch schließlich auf das Schließfach. Geld und Wertgegenstände müssten zu ihrer Sicherheit von einem Beamten abgeholt und verwahrt werden.
Kurz darauf erschien ein Mann an ihrer Haustür, stellte sich als Hauptkommissar Berg vor und zeigte einen Dienstausweis. Ohne ein Wort zu sagen, verließ er anschließend wieder das Grundstück. Ein weiterer Anrufer namens Krause forderte die Frau auf, mit ihrem Auto zur Bankfiliale nach Freising zu fahren und das Schließfach zu leeren. Während der Fahrt musste sie ihr Handy eingeschaltet lassen. Die Täter behaupteten, sie stehe unter ständiger polizeilicher Beobachtung.
Unterwegs sah die Seniorin den angeblichen „Herrn Berg“ in der Kirchbergstraße an einem größeren weißen Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen stehen. Auch dies fügte sich scheinbar nahtlos in das inszenierte Szenario ein. Gegen 16 Uhr leerte die Frau ihr Schließfach in der Bank an der Münchener Straße. Auf der Rückfahrt erzählte ihr der Betrüger, zwei Tatverdächtige seien inzwischen festgenommen worden. Ihnen wäre auch das weiße Auto zuzuordnen, das sie zuvor gesehen hatte. Bei ihnen habe man einen Zettel mit ihrem Namen und ihrer Adresse gefunden.
Polizei warnt und gibt Verhaltenstipps
Zu Hause wurde die Seniorin aufgefordert, den Inhalt des Schließfachs sowie weiteres Bargeld und Schmuck in einen mit Namen und Safenummer beschrifteten Schuhkarton zu packen. Gegen 18.30 Uhr erschien der bereits bekannte „Herr Berg“ erneut und nahm den Karton entgegen. Darin befanden sich Bargeld und Wertgegenstände im Gesamtwert von über 140.000 Euro.
Der Mann wird als 30 bis 40 Jahre alt, hellhäutig, mit kurzen bis mittellangen braunen Haaren beschrieben. Er trug eine Art Jogginganzug, hatte keinen Bart und keine Brille. Die Kriminalpolizei Erding bittet Zeugen, die im westlichen Bereich von Kranzberg verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder Hinweise zum Täter geben können, sich unter Tel. 08122/9680 zu melden.
Die Polizei warnt: Behörden verlangen niemals telefonisch Geld oder Wertsachen. Wer sich unter Druck gesetzt fühlt, sollte das Gespräch sofort beenden, Angehörige informieren und über den Notruf 110 die Polizei verständigen. Auch Gespräche im Familienkreis über Betrugsmaschen können helfen, weitere Opfer zu verhindern.