Israelische Armee zerstört Medizinlager im Gazastreifen
Krater nahe dem Krankenhaus in Deir al-Balah am Samstag Foto: Mahmoud Issa / REUTERS
Das israelische Militär hat am Samstag erneut den Gazastreifen angegriffen. Palästinensische Gesundheitsbehörden gaben bekannt, dass zwei Palästinenser bei einem israelischen Luftangriff im Stadtteil Sheikh Radwan von Gaza-Stadt getötet worden seien. Das israelische Militär erklärte, bei den Opfern habe es sich um Hamas-Kämpfer gehandelt.
Bei einem weiteren Luftangriff wurden zwei Lagerhallen zerstört, in denen Medikamente des Al-Aqsa-Märtyrerkrankenhauses in Deir al-Balah im südlichen Gazastreifen gelagert wurden. Das teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mit. Laut dem israelischen Militär galt der Angriff einem Waffenversteck der Hamas – ebenso wie mehrere weitere Angriffe im Gazastreifen. Man habe unter der Leitung des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet gehandelt. Das Militär legte keine Belege vor, dass die Hamas dort Waffen gelagert hatte.
Palästinenser beim Einsammeln verstreuter Wasserfilterpatronen
Foto: Mahmoud Issa / REUTERS
Zwei weitere Lagerhallen mit Medikamenten und die Ambulanz des Krankenhauses wurden bei dem Angriff beschädigt. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Fotos von dem Ort zeigen einen tiefen Einschlagkrater und verstreutes Material, darunter offenbar medizinisches Zubehör. Laut Krankenhausangaben wurden in den Lagerhallen wichtige medizinische Verbrauchsmaterialien für die Behandlung von Dialysepatienten mit Nierenversagen aufbewahrt, außerdem etwa Verbandsmaterial für die Wundversorgung und Materialien für Routinebehandlungen.
Angriff mitten in der Nacht
»Die israelische Besatzungsmacht hat ein abscheuliches Verbrechen begangen«, sagte Khalil al-Daqran, ein Arzt des Krankenhauses, der Nachrichtenagentur Reuters. »Mitten in der Nacht nahm das Militär ein Lagerhaus ins Visier, das medizinische Vorräte für das Krankenhaus enthielt, und die Besatzung zerstörte es vollständig.«
Zeugen sagten, das Militär habe vor dem Angriff eine Evakuierungswarnung für das Gebiet herausgegeben.
Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen sind durch das humanitäre Völkerrecht geschützt, dieser Schutz kann jedoch entfallen, wenn sie militärisch genutzt werden. Das israelische Militär gibt an, dass die Hamas und andere bewaffnete Gruppen aus zivilen Gebieten und Einrichtungen heraus operierten.
Frau in einer benachbarten Zeltstadt
Foto: Eyad Baba / AFP
Eine vertriebene Palästinenserin, die in einem Camp in der Nähe der Lagerhallen Schutz gesucht hatte, sagte, dass viele Menschen nahe dem Krankenhaus campierten, um an medizinische Versorgung zu kommen. »Der Angriff begann, dann kehrten wir ins Lager zurück – es gab kein Lager mehr«, sagte sie.
Minister weist Trump-Deal zur Entwaffnung der Hamas zurück
Seit Oktober 2025 gilt eine von den USA vermittelte Waffenruhe im Gazakrieg. Dennoch hat Israel in den vergangenen Monaten weiterhin Angriffe auf den Gazastreifen durchgeführt und dabei 1222 Palästinenser getötet. Palästinensischen Gesundheitsbehörden zufolge handelt es sich bei den meisten Getöteten um Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Die Hamas veröffentlicht nur selten Zahlen zu ihren Opfern.
Am Donnerstag verkündete US-Präsident Donald Trump einen Durchbruch in seinem 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges. Die Hamas habe zugestimmt, ihre Waffen niederzulegen, sagte Trump. Der von ihm eingesetzte Friedensrat veröffentlichte einen Fahrplan mit den abschließenden Schritten zur Umsetzung. Dazu zählt, dass Israel seine Militäroperationen einstellt. Allerdings ließen Reaktionen von beiden Seiten Zweifel aufkommen, ob der Deal umgesetzt wird .
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Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu hat sich noch nicht öffentlich geäußert. Sein Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, bezeichnete das Abkommen als »inakzeptabel«. Ben-Gvir erklärte, Israel müsse seine Politik der Tötung von Hamas-Führern fortsetzen.
ahh/Reuters