„Geben Würde zurück“ – Lebensmittelausgabe versorgt 300 Menschen pro Woche
Stand: 20.10.2026, 07:30 Uhr
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Der Hachinger Tisch+ versorgt jeden Freitag mehr als 300 Menschen mit geretteten Lebensmitteln. Über 100 Ehrenamtliche tragen die Einrichtung.
Hachinger Tal – Gerne erinnert sich Helga Dittrich an diesen Moment. Zu frühen Zeiten des Hachinger Tischs, bei dem sie ehrenamtlich hilft, wollte sie einer älteren Frau, „die gewiss schon bessere Zeiten gesehen hat“, aus Güte ein zweites Stück Kuchen zuschieben. Die Frau verneinte, „da andere sicherlich auch noch etwas wollen“, erzählt Dittrich. Dass man in einer solchen Situation noch so rücksichtsvoll sein kann, beeindruckte sie. Über die Jahre erlebte Dittrich viele solcher Geschichten in ihrer Zeit bei der Lebensmittelausgabe der Caritas. Als Gründungsmitglied freut es sie besonders, dass der „Hachinger Tisch+“ nun sein 20-jähriges Bestehen feiert.
Hachinger Tisch+ versorgt 300 Menschen pro Woche
Jeden Freitag verteilt der Hachinger Tisch+ gerettete und gespendete Lebensmittel an bedürftige Menschen aus den Gemeinden Taufkirchen, Unterhaching und Oberhaching – das „+“ steht für das kostenlose soziale Beratungsangebot. Alexandra Myhsok, Geschäftsleiterin der Caritas im Landkreis, weiß, welchen großen Stellenwert Einrichtungen wie diese für die Gesellschaft haben. „Sie sind einfach unverzichtbar geworden.“ Pro Woche versorgt der Hachinger Tisch+ mehr als 300 Menschen am Lindenring 56 in Taufkirchen. „Angefangen haben wir damals bei etwa 40“, sagt Myhsok.
Die Essensausgabe ist auf Spender angewiesen. 45 Betriebe aus den drei Kommunen spenden Lebensmittel, die etwa bis Ladenschluss nicht verkauft worden sind. Dazu gibt es noch einige Geldspenden, wodurch die Betriebskosten getragen werden, wie Strom oder der Lieferwagen zum Lebensmitteltransport. Das Herzstück des Hachinger Tisch+ sind jedoch die Ehrenamtlichen. „Die Helfer sind die tragende Säule“, sagt Myhsok. Insgesamt sind es 107 Freiwillige, die entweder Essen abholen, dessen Qualität prüfen, sortieren und an die Bedürftigen ausgeben. 39 von ihnen engagieren sich schon seit über zehn Jahren.

Helga Dittrich gründete die Ausgabe damals mit Edeltraud Kauffmann und Ursula Büchner. „Ich wollte einfach mal etwas zurückgeben“, sagt Dittrich. „Die Arbeit ist wunderbar, sie bringt uns sehr viel.“ Um das 20-jährige Bestehen des Hachinger Tischs zu feiern, sind Unterstützer, Spender, Ehrenamtliche und Gemeindevertreter im Oberhachinger Pfarrsaal St. Stephan zusammengekommen. Ein Videobeitrag, geschnitten von Stefan Braun vom katholischen Pfarrverband Oberhaching, gewährte Einblick in die Arbeit vor Ort.
„Ehrenamtliche geben Würde an Menschen zurück“
Darin berichtet eine Helferin, dass es bei der Ausgabe von tierischen Produkten kompliziert werden kann, wenn die Bedürftigen kein Deutsch verstehen. Sie hat sich deshalb eine Liste mit Tierarten auf unterschiedlichen Sprachen ausgedruckt. So muss sie nicht immer die Laute des jeweiligen Tieres vormachen. Ein Fahrer, der die Lebensmittel von den Spendern zur Ausgabe in den Lindenring bringt, erzählt von den amüsanten Fahrten mit seinem Beifahrer und einem guten Gefühl bei getaner Arbeit. Eine Bedürftige, die seit Beginn an dabei ist, schwärmt vom netten Personal.
Und auch die Politiker sind voll des Lobes für die Einrichtung. Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer (CSU) etwa nennt die „wertvolle Begegnung auf Augenhöhe“ mit den Bedürftigen als großen Pluspunkt. Taufkirchens Bürgermeister Sebastian Thoma (CSU) hebt die „vorbildlich gelebte Solidarität“ hervor und möchte dem Hachinger Tisch+ helfen, einen alternativen Standort zu finden, wenn das Bahnhofsquartier renoviert wird. Für Unterhachings Rathauschef Korbinian Rausch (CSU) ist es Handeln „aus tiefster persönlicher Überzeugung“, was den Tisch ausmacht. Ludwig Pichler, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Oberhaching (CSU), findet: „Die Ehrenamtlichen geben die Würde an Menschen zurück.“ Und auch die Pfarrei gehört zu den Unterstützern. In diesem Jahr sammelt sie wieder Spenden mit einer Adventsaktion.