4500 Kubikmeter stürzen in die Ostsee – Rügens Kreideküste bricht wieder ab, Warnung für Touristen
Gefahr für Wanderer: Kreideküste auf Ostsee-Insel bricht plötzlich ab – nicht zum ersten Mal
Stand: 07.08.2026, 17:41 Uhr
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An der Steilküste im Nationalpark Jasmund auf Rügen sind 4500 Kubikmeter Geschiebemergel ins Meer gerutscht – Behörden warnen eindringlich.
Rügen – Rügen gilt als eine der meistbesuchten Inseln Deutschlands – und ihr bekanntestes Wahrzeichen ist die weiße Kreideküste im Nationalpark Jasmund. Was Millionen Touristen jährlich anzieht, ist gleichzeitig ein geologisch höchst aktiver Naturraum. Die Steilküste verändert sich unaufhörlich, mal langsam durch Erosion, mal abrupt durch massive Gesteinsabbrüche.

Wer hier unterwegs ist, bewegt sich in einer Landschaft, die sich nach eigenen Regeln gestaltet – und das ohne Ankündigung. Genau das hat sich erneut gezeigt: Im Nationalpark Jasmund auf Rügen ist es zu einem erheblichen Hangrutsch gekommen. Die Betreibenden haben den Vorfall offiziell bestätigt und nutzen ihn als Anlass, Besuchende mit Nachdruck auf die Gefahren an der Steilküste hinzuweisen.
Hangrutsch im Nationalpark Jasmund: 4500 Kubikmeter Geschiebemergel rutschen in die Ostsee
Nördlich des Kollicker Ortes im Landkreis Vorpommern-Rügen löste sich ein Hangabschnitt von rund 45 Metern Länge. Dabei kamen etwa 4500 Kubikmeter Material in Bewegung – ein Gemisch aus Ton, Schluff, Sand, Kies und Steinen, das Fachleute als Geschiebemergel bezeichnen. Der entstandene Schuttkegel erstreckt sich bis zu zehn Meter in die Ostsee hinein und erreicht eine Höhe von etwa fünf Metern. Das abgerutschte Material zieht sich zudem bis zu 20 Meter den Hang hinauf.
Bemerkenswert an diesem Ereignis ist, was in Bewegung geriet: Nicht die namensgebende Kreide selbst, sondern die darüberliegende Deckschicht löste sich vom Hang. Diese Schicht, die sich nach den letzten Eiszeiten über dem rund 70 Millionen Jahre alten Kreidegestein gebildet hat, variiert in ihrer Zusammensetzung und Mächtigkeit erheblich. Als Ursache für den Rutsch gilt Wasser, das sich in den Sedimentschichten angesammelt hat und diese destabilisiert.
„Die Dynamik der Küste ist einfach nicht berechenbar“, erklärt Geologe Ingolf Stodian vom Nationalparkamt. Warnhinweise seien für jeden sichtbar – und sollten auch von jedem ernst genommen werden, der sich an der Küste aufhält. Besuchende sollten ausschließlich den ausgewiesenen Hochuferweg nutzen und diesen nicht verlassen. Der Weg verläuft auf rund zwölf Kilometern von Lohme bis Sassnitz entlang der Steilküste und bietet sichere Ausblicke auf die Kreidefelsen – ohne das Risiko, von einem plötzlichen Abbruch erfasst zu werden. Unterhalb der Steilküste zu laufen, ist schlicht lebensgefährlich.
Zweiter großer Abbruch in diesem Jahr – nach dem Rekordereignis im März 2026
Der aktuelle Vorfall ist nicht der erste in diesem Jahr. Im März 2026 hatte sich nördlich von Sassnitz ein noch massiverer Abbruch ereignet: Rund 9000 Kubikmeter Kreide stürzten damals ins Meer – nach Angaben von Experten der größte Abbruch an der Rügener Kreideküste seit 15 Jahren. Damals war es Tauwetter nach einer längeren Frostperiode, das die Kreide destabilisiert hatte. Gefrierendes Wasser in den Felsspalten entfaltet beim Auftauen eine sprengähnliche Wirkung, die das Gestein von innen heraus aufbricht.
Weder Jahreszeit noch Wetterlage schließen ein Abbruchereignis aus. Die Region rund um den „Kollicker Ort“ gilt laut einem Geogefahrenkataster des Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie ohnehin als besonders gefährdet. Erst im vergangenen Jahr musste dort der historische Leuchtturm nach 120 Jahren wegen drohender Absturzgefahr abgebaut werden. (Quellen: dpa, Nationalparkamt) (jaka)