Geheimdienst-Bericht: Putins Soldaten-Rekrutierung vor immer größeren Problemen
Stand: 14.07.2026, 14:15 Uhr
Laut ukrainischem Geheimdienst verfehlt Russland seine Ziele. Migranten und ferne Regionen sollen die Lücken füllen.
Moskau – Russlands Versuch, Zehntausende Studenten für den Krieg gegen die Ukraine anzuwerben, bleibt nach Angaben des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes weit hinter dem Ziel zurück. Nur einer von 400 angesprochenen Studenten sei bereit, einen Vertrag mit den russischen Streitkräften zu unterschreiben. Rechnerisch würden dem Kreml damit fast 50.000 der eingeplanten Rekruten fehlen.
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Das russische Verteidigungsministerium und das Bildungsministerium hätten Hochschulen und Berufsschulen in die Anwerbung einbezogen. Trotz intensiver Werbung und administrativem Druck lehne die große Mehrheit den Militärdienst ab, berichtet der ukrainische Auslandsgeheimdienst SZRU.

„Russlands Jugend will nicht kämpfen“, heißt es in dessen Mitteilung. Unabhängig überprüfen lassen sich jedoch weder die Zielvorgabe noch die genannte Erfolgsquote.
Jahresziel ist noch nicht zur Hälfte erreicht
Auch die gesamte russische Anwerbekampagne bleibt laut dem Geheimdienst hinter den Vorgaben zurück. Bis Anfang Juli seien etwa 195.000 Vertragssoldaten aufgenommen worden. Das entspreche knapp 48 Prozent des Jahresziels von 409.000 neuen Soldaten.
Der Vergleich mit dem Zwischenziel fällt weniger deutlich aus. Für die erste Jahreshälfte waren rechnerisch 204.500 Rekruten vorgesehen. Mit 195.000 abgeschlossenen Verträgen hätte Russland dieses Soll zu rund 95 Prozent erfüllt. Die Lücke beträgt demnach etwa 9.500 Soldaten – nicht mehr als die Hälfte des Zwischenziels.
Pro Tag schließen derzeit zwischen 1.070 und 1.090 Menschen einen Vertrag ab. Dieses Tempo reiche laut SZRU nicht aus, um die Jahresvorgabe vollständig zu erreichen. In den Jahren 2024 und 2025 seien täglich im Schnitt rund 1.200 Menschen angeworben worden, wie das ukrainische Nachrichtenportal United24Media berichtet.
Kiew nennt angebliche Verlustzahlen
Russland habe zugleich die medizinischen und körperlichen Anforderungen für Bewerber gesenkt. Damit solle der Kreis möglicher Rekruten wachsen. Neue Soldaten könnten außerdem schneller registriert und an die Front geschickt werden, heißt es in der Geheimdienstmitteilung.
Der SZRU führt diese Maßnahmen auf hohe russische Verluste zurück. Im ersten Halbjahr seien insgesamt rund 196.700 Soldaten ausgefallen. Davon seien 115.300 getötet worden. Weitere 80.400 seien wegen Verwundungen oder Krankheiten ausgefallen, etwa 1.000 gerieten demnach in Gefangenschaft.
Diese Zahlen stammen ausschließlich von ukrainischer Seite und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Auch die Schlussfolgerung aus Kiew, dass Russland mit den neuen Vertragssoldaten kaum mehr als seine Verluste ersetze, beruht auf diesen Angaben.
Druck auf Migranten und ausländische Rekruten
Besonders hohe Rekrutierungsziele gelten laut dem Geheimdienst für Zentralrussland und die Wolgaregion. Dort sollen zusammen 182.000 Menschen angeworben werden. Auf Baschkortostan entfielen 12.900 Verträge, auf Tatarstan 12.000. Ob diese Vorgaben tatsächlich beschlossen wurden, ist nicht unabhängig belegt.
Russland plane außerdem, rund 7.900 Bewohner besetzter ukrainischer Gebiete für den Krieg einzuziehen. Die Zahl der vorgesehenen ausländischen Rekruten solle von 16.000 auf 18.500 steigen. Arbeitsmigranten würden teils mit Stellenangeboten gelockt oder durch Behörden unter Druck gesetzt, behauptet der SZRU. Belege für konkrete Fälle nennt die veröffentlichte Mitteilung nicht.
Viele ausländische Rekruten stammen offenbar aus wirtschaftlich schwachen Regionen Afrikas, Asiens und Südamerikas. Kritiker werfen Russland vor, dort gezielt Menschen aus besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen anzuwerben, wie der US-Thinktank Atlantic Council berichtet.
Häufig würden soziale Netzwerke genutzt, um Interessenten mit gut bezahlten zivilen Jobs, Aussicht auf die russische Staatsbürgerschaft oder Tätigkeiten fern der Front nach Russland zu locken.
Nach ihrer Ankunft würden manche Betroffene jedoch zum Militärdienst gedrängt oder mit bereits abgeschlossenen Verträgen konfrontiert. Überlebende hätten berichtet, nur eine kurze militärische Ausbildung erhalten zu haben. Anschließend seien sie häufig in besonders umkämpfte Frontabschnitte geschickt worden.
Das führe zu hohen Verlusten unter den ausländischen Soldaten, heißt es beim Atlantic Council. Die genaue Zahl der Betroffenen lässt sich nicht unabhängig feststellen. Quellen: SZRU, United24Media, eigene Recherche