„Froh, wieder frei zu sein“: Niger-Geiseldrama beendet - Frau aus Österreich freigelassen
Geiselnahme im Niger nach fast zwei Jahren beendet: „Froh, wieder frei zu sein“
Stand: 22.10.2026, 07:48 Uhr
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Nach fast zwei Jahren Geiselhaft im Niger sind eine Österreicherin und eine Schweizerin wieder frei. Sie trafen im libyschen Bengasi ein und bedankten sich.
Bengasi – Die Geiselnahme im Niger ist beendet: Die Österreicherin Eva Gretzmacher und die Schweizerin Claudia Abbt sind nach fast zwei Jahren Geiselhaft wieder in Freiheit. Wie libysche Medien am Donnerstag berichteten, trafen die Frauen in Bengasi im Osten Libyens ein. In einem Video des Senders Al-Masar TV bedankte sich Gretzmacher bei den Verantwortlichen: „Mein Name ist Eva Gretzmacher, ich bin 76 Jahre alt, und ich danke von ganzem Herzen Marschall Haftar und seinem Sohn Saddam, die uns freigelassen haben.“
Weiter erklärte sie, sie sei „ein Jahr und neun Monate lang als Geisel festgehalten worden“. Ihr Sohn, Christoph Gretzmacher, schrieb am Mittwochabend auf Facebook: „Sie verbrachte fast 21 Monate in Gefangenschaft. Eva und Claudia sind jetzt frei. Sie befinden sich derzeit in einem Flugzeug auf dem Weg nach Bengasi, Libyen.“ Auch die mittlerweile 69-jährige Abbt, die im April 2025 im Niger entführt wurde, äußerte sich und sagte, sie sei „froh, wieder frei zu sein“. Sie bedankte sich ebenfalls bei Marschall Haftar.
Eva G. 2025 aus ihrem Haus in Agadez/Niger entführt
Die aus Wien stammende Gretzmacher war am frühen Abend des 11. Januar 2025 von bewaffneten Männern in Agadez im Niger aus ihrem Haus verschleppt worden. Die Täter sollen den Wachmann des Hauses überwältigt haben: „Sie zwangen ihren Wächter unter Androhung einer Waffe, die Tür zu öffnen. Sie sind dann in das Haus eingebrochen und haben Eva G. entführt“, hieß es seinerzeit in Berichten lokaler Medien.
Brennpunkt Niger
Der Niger gilt seit Jahren als Brennpunkt in der krisengeschüttelten Sahelzone. Neben politischer Instabilität – im Juli 2023 hatte das Militär die Macht in der Hauptstadt Niamey übernommen – leidet das Land unter den Aktivitäten verschiedener bewaffneter Gruppen. Sowohl Ableger des Islamischen Staates (IS) als auch al-Qaida-nahe Netzwerke und kriminelle Banden operieren in den Wüstenregionen.
Entführungen westlicher Staatsbürger, Entwicklungshelfer und Touristen dienen diesen Gruppen immer wieder zur Erpressung hoher Lösegelder oder als politisches Druckmittel. Die Wüstenstadt Agadez, einst blühendes Zentrum für Tourismus und historischer Knotenpunkt des Transsahara-Handels, geriet durch die prekäre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck.
Eva G. in der Region bekannt für jahrzehntelanges Engagement in der Sahelzone
Gretzmacher lebt seit 28 Jahren in Agadez, im Fada-Bezirk am Rande der Sahara, und ist laut dem regionalen Informationsportal Air-Info Agadez für ihr soziales Engagement bekannt. Sie gründete die Vereinigung Amanay und baute 2010 ein Kompetenzzentrum auf, wo sie Projekte zu Bildung, Stärkung von Frauen, Ökologie, Kultur und Kunst organisierte. Zudem unterstützte sie lokale NGOs, gab Nähkurse für junge Mädchen und Musikunterricht für Jungen. Mit Schulen gestaltete sie Freizeitprogramme, Informatik- und Sprachkurse; dazu fanden auf ihre Initiative hin Konzerte, Open-Air-Filmabende und Kulturabende statt.
Politischer Hintergrund: gespaltenes Libyen und Rettung der Entführten im Osten
Libyen ist seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 gespalten. Die von der UNO anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah sitzt in Tripolis im Westen. Ihr steht in Bengasi eine Gegenregierung gegenüber, die vom mächtigen Befehlshaber Chalifa Haftar unterstützt wird. Dessen ostlibysche Streitkräfte kontrollieren den gesamten Osten und einen Großteil des Südens des Landes. (Quellen: AFP, OE24.at) (ktho)