Christina Block: Prozess um Kindesentführung nähert sich dem Urteil

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Der Prozess um die entführten Kinder Klara (heute 16) und Theo (12) gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block (53), Ex-Moderator Gerhard Delling (67) sowie fünf Mitangeklagte hat eine Schattenwelt offenbart, in der Berater und Aufschneider wohlhabende Auftraggeber umgarnen. Und Verzweifelte wie Christina Block und Vater Eugen Block (86), Firmenpatriarch einer katholisch-streng erschaffenen Holding mit Steakhäusern, Fünf-Sterne-Hotel, Fleischfabrik und Immobilien.

  • Sorgerechtsstreit: Psychologin über Fall Block – „Kinder stehen vor einem Dilemma“
  • Gericht: Anwältin über Block-Prozess – „Kindesentführung passiert häufiger“
  • Betroffene erzählt: Entführt von der Mutter– „Konnte nicht mal den Teddy mitnehmen“
  • Block-Fall: Privatdetektiv packt über Methoden aus – „Observationen beginnen bei 500 Euro“

Familienzerwürfnis und Schuldzuweisungen im Block-Prozess eskalieren

Der Prozess neigt sich nach 14 Monaten und mehr als 75 Verhandlungstagen dem Ende zu. Es ist ein Gerichts-Drama unter Live-Bedingungen, das Deutschland noch nicht gesehen hat. In einer Art Ladenschluss-Mentalität kämpfen sieben Angeklagte mit allen Mitteln darum, eine Schuld an der Entführung der Kinder in der Neujahrsnacht 2024 von sich zu weisen.

Dabei böte die Block-Saga um eine zerbröselnde hanseatische Dynastie schon ohne Kidnapping seichten Hollywood-Stoff. Denn Übervater Eugen Block hat die Söhne erst fürs Unternehmen angeheuert, dann kühl abserviert. So, wie eine Zeit lang beinahe jährlich die Direktoren in seinem „Grand Elysée“. Tochter Christina, die Älteste, war immer an der Seite des Patriarchen. Lächelnd, gewinnend, besonnen. Sie nennt das „Contenance“. Der Prozess legt jetzt Verwundungen und ein tiefes Zerwürfnis zwischen beiden frei.

Sie und der hagere Hands-on-Hanseat stützten sich, als Eugen Blocks Frau Christa 2023 an Krebs starb. Da verzehrte sich die Familie bereits im Schmerz um die entgleiste Ehe Christinas mit Stephan Hensel, den der „Alte“ ebenfalls aus dem Family Business entfernt hatte. Christina und Eugen Block fielen immer tiefer in seelische Abgründe, seit Ex-Mann Hensel im Sommer 2021 die Jüngsten der vier Kinder in Dänemark behielt. Da hatte die Erstgeborene Johanna (heute 20) das Haus der Mutter gerade gen Norden verlassen. Sie wollte beim Vater leben.

Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung

Christina Block und Gerhard Delling verlassen am 22. September 2026 nach einem Verhandlungstag im Prozess um die mutmaßliche Entführung von Blocks Kindern den Gerichtssaal in Hamburg.© Marcus Brandt/dpa | Marcus Brandt

Hamburg: Detektive und Berater heizen den Sorgerechtsstreit an

Je tiefer die Depression, desto heftiger die Eskalation. Die Trennungsschlacht um die Kinder führte die Blocks in das Paralleluniversum von Einflüsterern, die mit Expertise im Sicherheitsbereich und Kontakten zu Polizei und Geheimdiensten prahlten. Bei all den Firmen und Fachleuten, die die Blocks für Unsummen bemühten, um Klara und Theo aus Dänemark nach Hamburg zu lotsen, konnte man den Eindruck gewinnen: Das ist kein Familienclan. Das ist eine Clanfamilie.

Ganz so simpel ist es nicht. Aber all die Berater verdienten am Hochschaukeln des Kriegs um die Kinder. Keiner am Frieden. Mehrere Detektive machten sich auf den Weg, um das Leben von Ex-Mann Hensel und dessen neuer Familie mit drei Block-Sprösslingen auszuspähen. Einer flog gleich am ersten Tag auf.

Staatsanwaltschaft schleust verdeckten Ermittler ein

Blocks engagierten den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning. Er saß im Aufsichtsrat einer Sicherheitsfirma (System 360), die je nach Lesart im November 2022 die Kinder entführen oder nur einen Kontakt zur Mutter herstellen sollte. Hanning weist alle Vorwürfe von sich. Die Staatsanwaltschaft hat sogar einen verdeckten Ermittler bei Hanning eingeschleust, einen Spion bei Deutschlands einstigem Top-Spion unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der Fall Block macht Unmögliches möglich.

Als diese 360-Truppe in Dänemark festgesetzt wurde, übernahm ein israelisches Kommando. Es lebte von der Aura eines Ex-Mossad-Mannes und dessen rechter Hand, Typ „Mutti“. Sie wickelten die Blocks ein, schwadronierten von Plänen wie „Golden Eyes #5“, von Navy Seals für eine Hauruck-Aktion. Dazu lebten sie monatelang kostenfrei im Fünf-Sterne-Ambiente und flogen Experten ein, die mit Überwachungstechnik und Drohnen Ex-Mann Hensel bespitzelten. Am Ende fischten sie die Kinder gewaltsam ab, verletzten den Vater, informierten Christina Block und flohen nach Israel. Wer hat sie beauftragt?

Politiker und Polizei greifen in Entführungsfall ein

Es wäre ein privater Feldzug am Rande der Legalität geblieben und kein Skandal mit Anleihen an eine Staatsaffäre, wenn nicht der Prozess und Christina Block in ihrer verzweifelten Offenheit selbst die Kontakte der Familie offengelegt hätten. Sie sah sich von der Justiz alleingelassen.

FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki sollte und wollte helfen. Hamburgs Hafenchef vermittelte einen Sicherheitsmann. Und der die Israelis. Hamburgs Polizeipräsidenten hat man wegen der „wie vom Erdboden verschwundenen Kinder“ kontaktiert. Dessen Dienstherr, Innensenator Andy Grote (SPD), sollte unterstützen. Was er nicht tat. Nach der Entführung erwogen die Chefermittler im LKA sogar, ihren obersten Boss Grote zu befragen.

Grotes Name tauchte in Chats auf beschlagnahmten Handys auf. Auch der des damaligen Finanzministers Christian Lindner (FDP). Trotz freundlicher Worte tat Lindner nach eigener Aussage: nichts.

Patriarch übernimmt Kontrolle – Tochter belastet Familie Block

Die Blocks unterhielten einen Beraterkreis mit Anwälten, einem öffentlichkeitsbeflissenen Psychologen und ihrem Hausanwalt. Bis dem Patriarchen das alles zu lang dauerte. Er habe die Kinder in Hamburg sehen wollen. So stellten es mehrere israelische Zeugen dar.

Und so schilderte es Christina Block auf den letzten Metern des Marathon-Prozesses. Sie sagte: Ihr Vater wisse sowieso immer alles besser. Und irgendwann vor der Entführung Ende 2023 habe er gesagt, dass er die Sache jetzt in die Hand nehme. Die Angeklagte schwächte das zwar noch ab. Sie beschuldige ihren Vater nicht. Doch genau das tat sie. Und den angeklagten Familienanwalt gleich mit. Ende Oktober könnten jetzt Urteile fallen. Sogar Freisprüche sind möglich. Jede Prognose wäre unseriös.

Belehrungsfehler beim LKA: Anklage wankt

Gerhard Dellings Anwalt David Rieks hat mit einem Perlentaucher-Gen für Details herausgearbeitet, dass sein Mandant kurz nach der Entführungsnacht in den Wirren erster Ermittlungen von den LKA-Beamten möglicherweise nicht korrekt als Verdächtiger belehrt wurde. Was Delling vorgeworfen wird an Beihilfe, könnte schwinden. Wie dünn ist das Eis der Anklage hier?

Und seine Lebenspartnerin, deren Kinder ihn „Gernhard“ nannten, weil sie ihn so gern hatten? „Ich wurde öffentlich hingerichtet“, sagte Christina Block über eine mutmaßliche Vorverurteilung, die ihr Leben belastet. Die Schar der Berater habe sie „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“.

Bei allem finanziellen Einsatz für Anwälte und Ratgeber fragt man sich, warum Christina und Eugen Block nicht auf die Idee kamen, alle Brandherde mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel mit Geldspritzen zu löschen? Schon um der Kinder willen. Und hatte das Block-Lager nicht selbst Hensel als „einzigen Profiteur der Entführung“ gebrandmarkt? Liebe lässt sich nicht einfach kaufen. Doch wie groß müssen Wut und Hass sein, wenn man sie mit Euro aufwiegen könnte und es nicht tut?