Geldanlage in Indien: Wie die Deutsche Bank Sparer nach Indien locken will
Wenn Investoren auf der Suche nach Wachstumspotenzial ihren Blick über den Globus streifen lassen, dann bleiben sie derzeit oft am indischen Subkontinent hängen. Indien ist ein Schwellenland mit vielen Wachstumsmöglichkeiten. Und was die Fantasie von Anlegern besonders beflügelt: Indien ist groß. Sehr groß sogar. 1,4 Milliarden Menschen leben dort. Viele sind jung und gut ausgebildet. Larry Fink, Chef von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, prophezeite im Februar bei einem Fernsehauftritt sogar eine „Ära Indiens“ für die kommenden 20 bis 25 Jahre. Der US-amerikanische Finanzriese ist nicht das einzige Unternehmen, das in Indien neue Anlagemöglichkeiten sucht.
Auch die Deutsche Bank und ihr Vermögensverwalter DWS zum Beispiel wollen an dem aufstrebenden Wachstumsmarkt teilhaben. Die DWS hat darum eine strategische Partnerschaft vereinbart mit dem indischen Finanzunternehmen NAMI (Nippon Life India Asset Management). Die Partnerschaft soll zwei Ziele erreichen: Zum einen werden Produkte des indischen Partners über DWS angeboten. Das soll Kunden etwa der Deutschen Bank mehr Möglichkeiten eröffnen, ihr Geld in Indien anzulegen.
Zum anderen soll NAMI beim Vertrieb von DWS-Produkten in Indien helfen. Um die Zusammenarbeit auf eine feste Basis zu stellen, hat die DWS 40 Prozent einer NAMI-Tochter erworben, die auf alternative Anlagen wie Private Equity spezialisiert ist. Über den Preis für die Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Die indischen Regulierungsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen, was DWS-Chef Stefan Hoops zufolge noch in diesem Jahr zu erwarten ist.
„Indien ist derzeit die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und wird in den kommenden Jahren an die dritte Stelle aufrücken“, sagte Sundeep Sikka, CEO von NAMI, vergangene Woche vor Journalisten in München. Gemeinsam mit Hoops hatte er einige deutsche Investoren getroffen, um sie für Investitionen in Indien zu gewinnen. Hoops sagte, der indische Markt sei einfach zu groß, um ihn zu ignorieren. Die DWS habe länger darüber nachgedacht, wie er sich am besten erschließen lasse.
Eigene Kapazitäten auf dem Subkontinent aufzubauen, sei wegen der Größe und Vielfalt des Landes aber schwierig, darum habe man sich für die Partnerschaft mit NAMI entschieden. Indien besteht aus 28 Bundesstaaten, es gibt mehr als 20 offiziell anerkannte Sprachen und eine Vielzahl von Religionen. Das kann schnell unübersichtlich werden. Auch andere Vermögensverwalter wie Blackrock oder Amundi sind deshalb Partnerschaften mit indischen Unternehmen eingegangen, um ihren Kunden Anlagemöglichkeiten zu bieten und Vertriebskanäle für eigene Produkte zu etablieren.
Hoops und Sikka rechnen damit, dass Investitionen in Indien in den kommenden Jahren zum Trend auch bei europäischen Privatanlegern werden können. Schließlich sei eine vertiefte Partnerschaft erklärtes Ziel der EU, auch um die Unabhängigkeit von China zu stärken. Wenn über solche Entwicklungen berichtet wird, suchen Privatanleger oft nach Anlagemöglichkeiten, um davon zu profitieren. Schon jetzt haben einige Fondsgesellschaften ETFs im Angebot, die etwa Indizes wie den MSCI India abbilden. Mit Anlageprodukten von NAMI könne man im Vergleich dazu aber einen besseren Zugang auch zu kleinen und mittelständischen Unternehmen in Indien bieten, sagt Hoops.
NAMI verwaltet derzeit ein Vermögen von insgesamt 90 Milliarden US-Dollar, was im Vergleich zur DWS klein ist – die Deutsche-Bank-Tochter gibt den Wert ihres insgesamt verwalteten Vermögens mit knapp 1,2 Billionen Euro an. Aber der Partner ist mit 21 Millionen individuellen Kunden im indischen Markt dennoch gut positioniert, etwa jeder dritte Fonds-Anleger in Indien steckt sein Geld in die Produkte von NAMI, zu denen auch ETFs zählen.
Insgesamt, sagt Sundeep Sikka, sei auch hier großes Wachstumspotenzial vorhanden. Denn derzeit seien nur etwa fünf Prozent der Inder am Kapitalmarkt investiert, viele sparen lieber konservativ, etwa mit Bargeld, auf Konten, populär ist auch die Anlage in Gold. „Aber die Einstellung beginnt sich zu verändern“, erzählt er. Gerade junge Leute seien immer häufiger bereit, in Aktien oder Fonds zu investieren. Meistens am heimischen Kapitalmarkt - aber der nächste Schritt sei sicher, dass indische Anleger auch nach Investment-Möglichkeiten im Ausland suchen.
Ob dann bald viel indisches Geld nach Europa fließt? Da wolle er den Entscheidungen indischer Anleger lieber nicht vorgreifen. Aber eines möchte der NAMI-Chef, der künftig auch DWS-Fonds in seinem Sortiment hat, schon sagen: „Deutsche Produkte sind sehr populär in Indien.“