US-Notenbank Fed erhöht Zinsen erstmals seit drei Jahren
Tut er es oder tut er es nicht? Das war die alles entscheidende Frage, die sich an den Finanzmärkten und in Washington schon seit Tagen sehr viele stellten. Erhöht der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh die Zinsen? Oder lässt er alles beim Alten und vermeidet so einen Konflikt mit US-Präsident Donald Trump? Jetzt ist klar: Warsh tut es. Die Federal Reserve hat am Mittwoch beschlossen, den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt heraufzusetzen. Er liegt damit nun zwischen 3,75 und vier Prozent.
Es ist die erste Zinserhöhung in den USA seit mehr als drei Jahren und somit auch die erste in der Amtszeit von Warsh, der seinen Job erst seit Mai macht. Zuletzt hatte die Fed im Dezember 2025 am Leitzins gedreht, damals allerdings in die umgekehrte Richtung. Sie senkte die Zinsen. Die Notenbanker begründeten ihren Schritt am Mittwoch mit der hartnäckigen Inflation. Das Fed-Direktorium folgt damit dem Kurs der Europäischen Zentralbank. Sie hatte den Leitzins in Europa vor einer Woche erhöht.

Geldpolitik
:EZB hebt Leitzins auf 2,5 Prozent anDie Energiekrise treibt die Inflation in der Euro-Zone. Benzin und Diesel sind so teuer wie lange nicht. Daher sehen sich die Notenbanker zu einer Reaktion gezwungen. Sie wollen nicht wieder den gleichen Fehler machen wie 2022.
Der ausschlaggebende Grund für die Entscheidung der US-Notenbank dürften die neuesten Inflationszahlen gewesen sein. Im August stiegen die Preise in den USA um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie vergangene Woche bekannt wurde. Besonders die Benzin- und Energiepreise heizen die Inflation an. Spätestens nach dieser Meldung war klar, dass sich die erhoffte Trendwende nicht abzeichnet. In den ersten Sommermonaten war die Inflation nur noch moderat gestiegen und teils sogar zurückgegangen. Doch das war offenbar nur eine kurzfristige Entspannung.
Erhöhung kündigte sich an
Notenbankchef Warsh hatte schon Ende August, noch vor Veröffentlichung der neuesten Inflationszahlen, Erwartungen für eine Zinserhöhung geweckt. In seiner Rede beim Notenbankertreffen in Jackson Hole in Wyoming zeigte er sich besorgt über die „zu hohe“ Inflation und sagte, dass die Fed „Arbeit zu tun“ habe. Die Finanzmärkte interpretierten das als Ankündigung, dass die Fed die Zinsen erhöhen würde.
Das Treffen der Notenbanker im September galt deshalb vielen Beobachtern als wichtigste, weil richtungsweisende Zusammenkunft der Fed-Gouverneure in diesem Jahr – und als Glaubwürdigkeitstest für Warsh. Denn auch wenn die wirtschaftliche Lage und Warshs Aussagen auf eine Zinserhöhung deuteten, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass die Fed am Ende doch noch einen Rückzieher machen würden.
Das tat sie nicht. Warsh und seine Kollegen haben sich damit gegen Donald Trump gestellt. Der US-Präsident wünscht sich niedrige Zinsen, um die Aussichten seiner Partei vor den Midterms im November zu verbessern. Er hatte Warsh im Januar nicht zuletzt deshalb als Fed-Chef nominiert, weil er sich von ihm eine lockere Geldpolitik erhoffte. Nach Warshs Antritt hielt sich Trump mit Kommentaren von der Seitenlinie zurück und lobte den neuen Notenbankchef. Warsh sei „fantastisch“, sagte Trump noch im Juli.
Doch Anfang September, wenige Tage nach Warshs Rede in Jackson Hole, änderte Trump seine Rhetorik. In einem Post auf seiner Plattform Truth Social forderte er die Notenbank mehr als deutlich auf, die Zinsen zu senken. Die Mitglieder des Fed-Direktoriums mit ihrem „großartigen Anführer“ müssten „Patrioten“ sein, schrieb Trump. Er verband das mit einer Drohung: Er werde „nicht zulassen“, dass hohe Zinsen die USA gegenüber anderen Ländern in eine unfaire Wettbewerbslage manövrieren würden.
Trump dürfte nicht erfreut sein
Es ist wahrscheinlich, dass Trump umso verärgerter auf die Entscheidung der Notenbank vom Mittwoch reagiert. Bislang vermied er jedwede Attacken auf Warsh, seinen „Wunschkandidaten“ für das Amt des Fed-Chefs. Stattdessen insinuierte er, dass Warshs Kollegen im Fed-Direktorium „politisch“ seien und höhere Zinsen gegen den Willen ihres Vorsitzenden durchdrücken würden. Allerdings traf das Gremium seine Entscheidung nun einstimmig. Auch Warsh unterstützte sie.
Die Frage ist, ob die Zinserhöhung einen Kurswechsel der Fed bedeutet. Auf eine Zinserhöhung folgt normalerweise oft bald die nächste, weil die Notenbanker sich entscheiden, die Geldpolitik langfristig restriktiver zu gestalten. Auch im umgekehrten Fall ist das so. 2025 etwa senkte die Fed dreimal hintereinander die Zinsen.
Diesmal ist das weitere Vorgehen der US-Notenbank allerdings überhaupt nicht sicher. Zum einen findet die nächste Fed-Sitzung im Oktober nur wenige Tage vor den Midterms statt. Zum anderen ist Warsh ein heftiger Gegner der bisherigen Praxis, bei der die Fed-Gouverneure voraussagen, wie sich die Leitzinsen aus ihrer Sicht entwickeln werden. Dieser sogenannte Dot-Plot dient den Finanzmärkten als Orientierung. Warsh entschied nach seinem Antritt, dass er sich nicht an den Prognosen beteiligen will und trifft auch sonst keine öffentlichen Aussagen, die in die Zukunft reichen.
Neben dem möglichen Konflikt mit Trump stand die Fed-Sitzung auch noch im Zeichen der anhaltenden Verwerfungen an den Märkten für US-Staatsanleihen. Die Rendite für US-Schuldpapiere mit zehnjähriger Laufzeit war am Montag zeitweise auf mehr als fünf Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 2007. Für die USA ist Schulden machen damit so teuer geworden wie seit fast 20 Jahren nicht. US-Finanzminister Scott Bessent versuchte gegenzusteuern, indem er Staatsanleihen im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar zurückkaufte. Erfolgreich war das nicht.
Der wichtigste Treiber für die hohen Renditen für US-Staatsanleihen ist der Ölpreis, der aktuell noch einmal stark gestiegen ist. Allerdings hat auch der Leitzins der US-Notenbank indirekt Auswirkungen auf die Renditen. Erfahrungsgemäß bewegen sich beide Werte in dieselbe Richtung: Höhere Zinsen bedeuten meist auch, dass die Renditen für Schuldpapiere eher noch weiter steigen. Noch ein Grund also, warum Trump mit seinem neuen Fed-Chef Kevin Warsh nicht mehr allzu lange glücklich sein dürfte.