Kann der Zeekr 9X mit Rolls-Royce mithalten?
Gelingt Zeekr mit diesem SUV der Vorstoß in die Luxusklasse?

Der aufstrebende Hersteller Zeekr will mit dem neuen Flaggschiff 9X Käufer betören, die Bentley Bentayga oder Rolls-Royce Cullinan kaufen. AUTO BILD konnte in dem 897-PS-SUV Platz nehmen – auf allen drei Sitzreihen.
Bild: Jamie Asher
- Matthias Brügge
04. Oktober 2026, 06:07 Uhr
Zeekr strotzt vor Selbstbewusstsein. Seit einem Jahr sind Autos der aufstrebende Tochter aus dem chinesischen Massenhersteller Geely auf dem Markt. Nun bringt Zeekr mit dem 9X einen Super-Hybrid nach Europa. Der hat Großes vor: Nichts weniger, als ganz nach oben ins Luxussegment vorzustoßen. Dort sind bislang
Rolls-Royce Cullinan,
Bentley Bentaygaund
Range Roverzuhause. Und nun auch dieses sechssitzige China-SUV mit Allradantrieb?
Um vorne mitzufahren, drängt der Zeekr 9X in drei Disziplinen nach vorn: Er bietet mit 897 PS die größte Power im Luxus-Segment, er ist in dieser Klasse als erstes elektrisch konzipiertes Modell (mit zusätzlichem Verbrenner) unterwegs, und er liefert maximalen Luxus. AUTO BILD hatte die Gelegenheit, bei der Deutschland-Präsentation im Nobel-Plug-in-Hybrid Platz nehmen.
Aufstieg ins Luxus-Cockpit des Zeekr 9X
Ein leichtes Ziehen am klassischen Türgriff, und die massive Fahrertür schwingt langsam auf, voll elektrisch, versteht sich. Man steigt nicht ein, sondern auf: Auf die elegante, polierte Zierleiste im Türrahmen tritt man keineswegs, aber einen Griff auf der Innenseite der A-Säule sucht man vergebens. Das Flair eines Pick-ups soll der 9X keinesfalls ausstrahlen, verrät Zeekr-Designexperte Charles Trelogan.

Wer hier sitzt, ist von feinsten Materialien und ausgefeilter Technik umgeben – greift in ein Lenkrad, das mit zweifarbigem Leder bezogen ist und hat drei teils massive Displays im Blick,
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
So nimmst du also Platz hinter dem Volant, das mit zweifarbigem Nappaleder bezogen ist – dessen milchkaffeebrauner Bezug sich auf allen Sitzen, Lehnen und auch dem Armaturenbrett wiederfindet. Ansonsten sind alle Bedienelemente, also alles, worauf man mit den Händen drücken oder dran ziehen kann, aus gebürstetem Aluminium. Mit Ausnahme des Dreh-Drückschalters für die Audio-Anlage, der ist aus K9-Kristall gearbeitet und leuchtet in magischem Blau.

Eine souveräne Fahrerposition in einem Cockpit aus feinsten Materialien. Die großen Türen öffnen und schließen elektrisch.
Bild: Christian Brinkmann

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Die Materialien: alle erlesen. Neben dem gesteppten Nappaleder und Alu ist echtes, grau gebeiztes Holz verbaut, die Maserung ist gut zu spüren. Der Blick nach oben fällt durch Glas. Alle Türen sind elektrisch, die Sitze ebenfalls. Alles fasst sich wertig an. Das ganze Auto atmet die Idee von Wohlstand, Luxus und der Gelassenheit, viel wertvolle Zeit und viel Geld zu haben.

Drei Monitore hat die Person am Steuer im Blick: Hinterm Steuer ein 13-Zoll-Instrumenten-Display. Daneben ein bündig, in Alu eingefasstes Doppeldisplay, eines von 47, das andere von 16 Zoll Größe.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Ein Innenraum zum Verbleiben
Vollmundig auch das Versprechen für den gesamten Innenraum: "Niemand reist 2. Klasse im 9X", sagt Design-Experte Charles Trelogan bei der Deutschland-Präsentation. Das gilt vor allem für den voluminösen Sessel hinten rechts: Dort erwächst der – durchaus gewollte – Eindruck, man würde im Flugzeug Business Class reisen. Der auf der Rückseite des Beifahrersitzes eingepasste, solide Klapptisch ermöglicht das Arbeiten. Wenn eher Ruhe angesagt ist, fährt man die Rückenlehne aus und die Beinlehne hoch, es entsteht ein Liegesessel. Oder man lässt sich von belüfteten und beheizbaren Sesseln massieren.

Bild: Jamie Asher
Die Technik spielt im Innenraum eine zentrale Rolle: Das aufwendige Soundsystem vom britischen Spezialisten Naim arbeitet mit 32 Lautsprechern, darunter acht Basslautsprecher. Allesamt haben eine Systemleistung von 3868 Watt. Und beim Soundcheck hört sich die Anlage überwältigend an. Das System arbeitet zudem mit aktiver Geräuschunterdrückung, die allerdings nicht zu testen war.

Bild: Mika Lehr
Für die Passagiere im Fond gibt es ein 17-Zoll-OLED-Display, das sich in einen Kinomodus versetzen lässt. Es lässt sich auf einem im Autodach angebrachten Riegel verschieben – und vor den Passagieren herunterklappen. Gleich drei Glasdächer lassen Licht ins Auto, ein doppeltes vorn, ein kleineres für die dritte Reihe.

Bild: Mika Lehr
In der Mittelkonsole ist von der Rückbank aus ein Fach zu öffnen, das es in sich hat: ein wahlweise kühlendes oder wärmendes Fach, der Temperaturbereich erstreckt sich von minus drei bis 50 Grad Celsius. Ob Champagner oder warmes Gericht, beides hält im 9X die Temperatur.

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Luxus auf drei Sitzreihen
Doch nicht nur in der zweiten Reihe sitzt man exzellent – auch die beiden Einzelsitze der dritten Reihe fühlen sich nicht nach Gepäckabteil an: Das gleiche, gut geformte, luxuriöse Nappaleder, die gleiche Sitz- und Kopfhöhe. Die Beinfreiheit hängt vom Platzbedarf der zweiten Reihe ab: Für den Reporter von 1,80 Metern ist ausreichend Abstand in alle Richtungen da.
Das ist hier nicht der Rücksitz, es ist die zweite Sitzreihe – auf der man sich ebenso luxuriös aufgehoben fühlt, wie eine Reihe davor.
Bild: Christian Brinkmann
Kofferraum und Heckklappe
Noch einen halben Meter weiter hinten wartet ein Gepäckabteil von 377 Liter, die sich durch Umklappen der beiden Sitzreihen bei Bedarf auf enorme 2148 Liter erhöhen lassen, falls nötig. Spektakulär fällt auch das Öffnen der zweigeteilten elektrischen Heckklappe aus.

Hinter der geteilten, elektrisch öffnenden Heckklappe ist ein mit Alcantara ausgeschlagener Laderaum mit 377 Liter Volumen. Wenn man beide Sitzreihen (elektrisch) umklappt, bieten sich 2148 Liter Stauraum.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Technische Daten
Der Zeekr 9X kombiniert einen 2,0-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren an der Hinterachse – und kommt auf 897 PS Systemleistung sowie 935 Nm Drehmoment, die auf alle vier 22-Zoll-Räder wirken. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt das große SUV in markanten 4,1 Sekunden. Die rein elektrische Fahrt ermöglicht ein
Akkuvon 55 kWh Kapazität, der sich extern aufladen lässt. Ungewöhnlich für einen Plug-in-Hybriden ist die 900-Volt-Architektur. Sie soll Ladeleistungen von bis zu 330 kW ermöglichen. Zeekr nennt rund 9,5 Minuten für einen schnellen Ladevorgang und bis zu 350 Kilometer nachgeladene
Reichweitein zehn Minuten. Rein elektrisch soll der 9X bis zu 179 Kilometer schaffen, die Gesamtreichweite mit voller Batterie und 50-Liter-Tank liegt bei rund 737 Kilometern.
Bei einer Geländefahrt sollte man vermeiden, den Boden zu berühren: Die im Fahrzeugboden eingelassene Batterie war beim Präsentationsfahrzeug nicht mit einer Abdeckung versehen. Das dürfte bei Fahrzeugen der Serie sicher anders sein.
PHEV mit Fokus auf Elektroantrieb
Zeekr grenzt den "Super Hybrid" vom klassischen Range-Extender ab. Anders als viele herkömmliche Plug-in-Hybride soll der 9X einen großen Teil des Alltags tatsächlich rein elektrisch bewältigen können; der 2.0-Liter-Turbobenziner erweitert vor allem Reichweite für die Langstrecke. Ist der Akku leer, kann der Benziner Energie für den Elektroantrieb bereitstellen; auf längeren Strecken lässt sich anschließend einfach nachtanken. Der Verbrenner sucht bei hohem Leistungsbedarf den Kraftschluss zu den Rädern.
Mit dem Wagen zielt Zeekr auf Kunden, die elektrisch fahren wollen, aber noch nicht vollständig auf die Reichweitenreserve eines Verbrenners verzichten möchten. Zeekr bezeichnet den 9X als ersten Wagen dieser Art und hebt ihn zugleich über seine hohe Systemleistung von Wettbewerbern ab, die laut Hersteller mehr als 100 PS weniger leisten.
Die Plattform, so hat es den Anschein, ähnelt dem ebenfalls aus dem Geely-Konzern angebotenen
Volvo XC90.
OTA-Software soll das Auto laufend verbessern
Software spielt bei der Zeekr-Strategie generell eine zentrale Rolle. Die Marke spricht vom Software Defined Vehicle, kurz SDV. Neue Funktionen sollen regelmäßig per Over-the-Air-Update aufs Auto kommen – derzeit plant Zeekr Updates ungefähr alle acht bis zwölf Wochen. Beim kleineren Zeekr X wurde beispielsweise eine Fernparkfunktion nachgereicht. Solche Updates sollen zeigen, dass ein Auto nach dem Kauf funktional weiterentwickelt werden kann.
Markteinführung, Preis und Garantie
Dem Vernehmen nach hat Zeekr in China 20.000 Bestellungen für den Wagen erhalten. Für Deutschland, so ist zu vermuten, ist eine höhere dreistellige Zahl zunächst das Verkaufsziel. Das Auto ist ab Dezember 2026 bestellbar, erste Exemplare sollen im ersten Quartal 2027 ausgeliefert werden.
Der hier gezeigten Zeekr 9X Ultra AWD kostet in Deutschland 119.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer, das zweite Modell Black Line startet bei 126.500 Euro. Und anders als bei vielen deutschen Premiummarken soll es keine komplizierte Liste von Ausstattungspaketen geben: Die wesentlichen Luxus- und Technikfeatures sollen serienmäßig an Bord sein.

Bild: Christian Beckmann
Für das Auto gelten ungewöhnlich lange Garantien. Zeekr gewährt nach eigenen Angaben zehn Jahre beziehungsweise bis zu 200.000 Kilometer Garantie. Die Serviceintervalle liegen bei zwei Jahren oder 40.000 Kilometern. Ein abgeschlossenes Servicepaket bleibt beim Fahrzeug und geht beim Weiterverkauf auf den neuen Besitzer über. In Deutschland wird ein Servicepartnernetz von 100 Betrieben aufgebaut.
Mit dem Maximal-SUV Zeekr 9X dringt der Hersteller in die Reihen der Luxus-SUVs vor, die sonst eher Rolls-Royce Cullinan oder Bentley Bentayga heißen. Im stehenden Zustand schon mal sehr überzeugend: Hochwertige Verarbeitung, tolle Materialen, Luxusanmutung. Und das Versprechen der softwareseitigen Weiterentwicklung – mit Updates spätestens alle zwölf Wochen. Der Zeekr 9X dürfte eine echte Versuchung für Luxuskunden sein – die bereit sind, die Marke zu wechseln.
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