Gen Z rechnet mit Boomern ab: „Wurden ohne Illusion erzogen“

Stand: 31.08.2026, 20:56 Uhr

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Fast jeder Zweite in Deutschland glaubt, finanziell schlechter dazustehen als die eigenen Eltern. Viele können ihren Lebensstandard ohne Unterstützung nicht halten.

Frankfurt – „Im Gegensatz zu euch wurden wir ohne Illusion erzogen“, sagt Michéle Winchester in einem Video bei Instagram. Sie ist nach 1995 geboren und gehört damit zur Generation Z, über deren Faulheit sich ältere Generationen oft beschweren. Sie ärgert das: „Meine Generation hat den Wohnungsmarkt nicht so in die Höhe getrieben, hat nicht die Inflation verursacht“, wirft Winchester den Boomern vor, während sie sich schminkt.

Gen Z  Paar sitzt in Auto und fährt über eine Landstraße

In der Gen Z und Gen Alpha sind besonder viele auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Was macht das mit jungen Leuten? (Symbolbild) © Cavan Images/IMAGO

„Meine Generation hat nichts von alledem getan!“ Sie fährt fort: „Meine Generation kann sich kein Haus leisten. In meiner Generation sind beide Elternteile berufstätig. Einer oder beide haben zwei Jobs, nur um Lebensmittel zu kaufen und können sich nicht einmal jedes Jahr einen Familienurlaub leisten.“

Finanzielle Spielräume der Generation Z: „Sollte uns zu denken geben“

Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Soziallotterie freiheit+ ist Winchester mit ihrem Gefühl nicht alleine. Fast jede zweite Person (49,1 Prozent) glaubt heute, finanziell schlechter dazustehen als die Generation der eigenen Eltern. Am höchsten ist der Anteil mit 62 Prozent bei den 30- bis 39-jährigen Millennials, dicht gefolgt von 52 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen, also der Gen Z und der Generation Alpha.

„Die Dreißiger waren lange das Jahrzehnt, in dem finanzielle Spielräume größer wurden und Vermögensaufbau richtig begann. Dass gerade diese Altersgruppe heute besonders häufig das Gefühl hat, hinter der eigenen Elterngeneration zurückzubleiben, sollte uns zu denken geben“, sagt Kai Töpel, Geschäftsführer von freiheit+, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Finanzielle Freiheit entscheidet sich eben nicht nur am Einkommen, sondern daran, was davon nach den Kosten des Lebens übrig bleibt und ob daraus langfristig Vermögen entstehen kann.“

„Wir versuchen, in dieser kleinen, kaputten Welt, die uns hinterlassen wurde, so gut wie möglich zu leben“, sagt Winchester. Die Boomer-Generation bestünde aus Optimisten, denen grundlegende Prinzipien wie „Harte Arbeit führt zum Erfolg“ vermittelt wurden. „Unsere Generation hingegen wurde ohne Illusion erzogen. Wir sind bis zum Zynismus realistisch und wissen, dass keine Institution oder Regierung uns wirklich schützen wird“, sagt sie. „Sage mir also nicht, dass ich mir nur einen besseren Job suchen oder ich meine Kinder bloß auf eine gute Schule schicken muss. So funktioniert es schon lange nicht mehr.“

Generation Z benötigt besonders häufig finanzielle Unterstützung

Finanzielle Unterstützung innerhalb der Familie ist für viele Menschen in Deutschland Alltag: Insgesamt unterstützen 21,2 Prozent Angehörige finanziell, 15,8 Prozent erhalten selbst finanzielle Hilfe und weitere 8,1 Prozent erleben beides gleichzeitig. Oft unterstützen Eltern ihre Kinder (49,9 Prozent). Besonders häufig bekommen 18- bis 29-Jährige selbst finanzielle Unterstützung (36,6 Prozent). „Finanzielle Freiheit entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Gerade in jungen Jahren gibt es viele Übergänge – Ausbildung, Studium, Berufseinstieg oder die erste eigene Wohnung. Dass Familien in dieser Phase finanziell unterstützen, ist deshalb zunächst einmal Ausdruck von Zusammenhalt und kann jungen Menschen den nötigen Spielraum geben, ihren eigenen Weg zu finden“, sagt Töpel.

Unabhängig vom Alter wird das Geld dabei überwiegend für laufende Ausgaben verwendet. 42,4 Prozent aller Befragten finanzieren damit Lebensmittel, 29,6 Prozent Miete oder Wohnkosten und 24,8 Prozent Mobilität. Es folgen Reisen oder Freizeit (18,3 Prozent), Kleidung (18 Prozent) und Versicherungen (17 Prozent). Auch Schulden oder Kredite (14,5 Prozent) sowie Ausgaben für Kinder und Familie (12,9 Prozent) werden mithilfe der finanziellen Unterstützung bezahlt.

46,6 Prozent der Personen, die Unterstützung bekommen, geben an, ihren bisherigen Lebensstandard ohne die familiäre Hilfe nicht halten zu können. Sechs von zehn Unterstützenden verzichten aufgrund der finanziellen Belastung durch die Unterstützung zumindest manchmal auf eigene Wünsche oder größere Anschaffungen. (Quellen: Instagram, freiheit+, eigene Recherche)