FIFA WM 2026: „General“ Deschamps auf letzter Mission
FIFA WM 2026
Zwei Spiele noch, dann ist Schluss: Die Erfolgsära von Didier Deschamps als französischer Teamchef soll im besten Fall noch einmal mit dem großen Coup enden. Der Mann, der schon als Spieler 1998 Weltmeister geworden war, hat es während seiner 14 Jahre als Trainer von „Les Bleus“ geschafft, herausragende Einzelkönner zu einem stimmigen Starensemble zu formen. Zuletzt betonte der 57-Jährige vor allem eines: menschliche Nähe und Geschlossenheit.
Online seit gestern, 21.00 Uhr
„Ich bin stolz, dieses Team zu haben“, betonte Deschamps vor dem Halbfinal-Schlager gegen Spanien am Dienstag (ab 19.30 Uhr bzw. 20.15 Uhr, live in ORF1, Anpfiff: 21.00 Uhr) in Arlington nahe Dallas.
Der Coach bezog dabei bewusst alle ein: Spieler, Assistenten und Betreuer. „Alle kämpfen für die Gruppe“, sagte Deschamps. Der in Frankreich „General“ Gerufene lebt seinen Spielern das vor, was er von ihnen sehen möchte: Einsatz, Disziplin – auch Herz und Kameradschaft.
Wie er sich vor seinem Superstar und Kapitän Kylian Mbappe nach dessen Show gegen Schweden verneigte. Wie er Flügelspieler Desire Doue nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Marokko in den Arm nahm: Das sind die Bilder, die sich einbrennen, nicht nur bei Frankreichs Fans.
Deschamps schreibt jedenfalls weiter Geschichte
Seit 2012 ist der Ex-Spieler als französischer Nationaltrainer im Amt. Nach dieser WM wird er es abgeben, dem Vernehmen nach an Zinedine Zidane. Krönt er seine Erfolgsära vorher noch mit dem dritten WM-Titel seiner Karriere? 1998 holte Deschamps den goldenen Pokal als Spieler, 20 Jahre später als Trainer. Lediglich Franz Beckenbauer und Mario Zagallo gelang außer ihm ein solches Double. Gleich zwei WM-Titel als Coach holte bisher nur Vittorio Pozzo: 1934 und 1938 mit Italien.
Allein diese Statistiken zeigen, in welch elitärem Kreis sich Deschamps bewegt. Im Halbfinale – dem dritten nacheinander bei einer WM – wird er einen weiteren Rekord aufstellen. Die Partie gegen Spanien, die viele als das vorgezogene Finale dieses Turniers betrachten, wird das 26. WM-Spiel als Trainer für Deschamps. Aktuell teilt er sich die Bestmarke noch mit dem früheren deutschen Bundestrainer Helmut Schön. Ab Dienstag, an dem die Franzosen ihren Nationalfeiertag feiern, gehört sie dem Coach der „Equipe Tricolore“ dann allein.
Musterprofis statt zerstrittener Haufen
Talentierte Spieler hatten die Franzosen schon immer zuhauf. Doch dieses Team hat nichts mehr mit jenem zu tun, das sich etwa bei der WM 2010 mit Ex-Coach Raymond Domenech überwarf und zu einer Lachnummer entwickelte. Unvergessen dabei der Streik beim Training, die Mitteilung der Spieler las auch noch Domenech den Medien vor.
„Les Bleus“, die eine Zeit lang als untrainierbar galten, haben in der Ära Deschamps eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Die Spieler, die Frankreichs Trikot tragen, hätten eine Verpflichtung gegenüber den Fans und den Menschen in der Heimat, sagte Deschamps. Mbappe sei mit seinem Auftreten auf und neben dem Platz ein echtes „Vorbild“.
Tatsächlich verkörpert Mbappe bei diesem Turnier alles, was sich der Coach wünscht: den Torhunger und den Teamgedanken. Nachdem während der Gruppenphase Deschamps’ Mutter gestorben war, zeigte der Stürmer von Real Madrid – auch bei seinem Torjubel – großes Mitgefühl mit seinem Trainer. Schon vor dem ersten Auftritt der Franzosen in Nordamerika hatte er angekündigt, Deschamps zum Abschied „die beste WM aller Zeiten“ bescheren zu wollen. Gewinnt der zweimalige Weltmeister gegen Europameister Spanien und dann auch noch am Sonntag das Endspiel in East Rutherford, ist sie das.