Geschichtsträchtiger Mord im Schrebergarten
Stand: 17.07.2026, 00:00 Uhr

Ein zunächst harmlos erscheinender Todesfall entpuppt sich für „Tatort“-Kommissar Thiel (Axel Prahl) und den Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) im nun wiederholten Krimi aus 2024 als historisches Rätsel: Die Spuren führen bis zu den Anfängen der deutschen Wiedervereinigung zurück ...
Ein Mord im Schrebergarten beschäftigt Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Professor Boerne (Jan Josef Liefers) im 45. Münster-„Tatort“ aus dem Jahr 2024. Dabei deutet im Fall mit dem Titel „Unter Gärtnern“ (Regie: Brigitte Maria Bertele, Buch: Regine Bielefeldt) zunächst alles auf einen natürlichen Tod hin. Sabine Schmid (Sibylle Canonica) war schließlich nicht mehr die Jüngste. Erst als Thiel unweit der Leiche zwei tote Eichhörnchen entdeckt, wird der Rechtsmediziner skeptisch. Ehe man sich versieht, werden die drei Leichen (typisch Münster-„Tatort“) auf zwei getrennten Totenbahren abtransportiert.
Während Thiel und Schrader (Björn Meyer) die Nachbarn aus der Gartenanlage verhören, stellt die Obduktion der Leiche Boerne vor ein Rätsel: Die Tote wie auch die Eichhörnchen scheinen körperlich völlig unversehrt. Könnte sie durch Gift zur Strecke gebracht worden sein? Zur Überprüfung der These begibt sich Boernes Assistentin Haller (ChrisTine Urspruch) in die Gartenkolonie und macht schon bald eine ungewöhnliche Entdeckung ...
Nachhilfe in deutscher Geschichte
„Unter Gärtnern“ ist ein ungewöhnlicher Münster-„Tatort“, erzählt er doch eine auf den ersten Blick recht ernsthafte Geschichte. Ausflüge in die Zwischenwelt („Tatort: Limbus“, 2020) oder ins Millieu der Prepper und Reptiloiden („Tatort: Propheteus“, 2022) bleiben dem Publikum diesmal erspart. Stattdessen gibt es eine Nachhilfestunde in deutscher Geschichte frei Haus: Am 18. Juni 1990 trafen sich der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und sein sowjetischer Amtskollege Eduard Schewardnadse zu Verhandlungsgesprächen über die deutsche Einheit in Münster. Dieses Schlüsselereignis der jüngeren deutschen Geschichte spielt in den Ermittlungen zum Schrebergartenmord eine entscheidende Rolle.
Bei der Aufklärung der Todesursache, so viel sei an dieser Stelle verraten, erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer dann aber doch die für den Münster-„Tatort“ typische Überraschung: „Weil der Herr Professor sich sonst langweilt“, erklärt Drehbuchautorin Regine Bielefeldt: „Ich betrachte es als meine ganz persönliche Aufgabe, ihm komplexe Fälle zu geben, um seinen hochanspruchsvollen Geist auf Touren zu halten ...“ Die inzwischen 52-Jährige hatte bereits das Drehbuch zum Münster-„Tatort: MagicMom“ (2023) geschrieben.
„Ohne Risiko gibt es keine Entwicklung“
Auch Regisseurin Brigitte Maria Bertele ist mit den besonderen Ansprüchen der Krimi-Reihe bereits vertraut: Die gebürtige Ulmerin inszenierte 2021 „Tatort: Rhythm and Love“: „Was ich persönlich an den Tatorten aus Münster schätze, ist, dass immer wieder versucht wird, die Grenzen des bisher Dagewesenen ein kleines Stückchen weiter zu dehnen“, sagt sie: „Das Format war und ist ein Pionier in der Crime Comedy in Deutschland und hat sich immer wieder auf umstrittenes Terrain begeben. Ich denke, ohne Risiko gibt es keine Entwicklung.“
Die Weiterentwicklung gesellschaftlicher Normen macht indes auch vor dem Münster-„Tatort“ keinen Halt: Im August 2023 sorgte ein Interview mit ChrisTine Urspruch für Schlagzeilen. Demnach sollte der wenig schmeichelhafte Spitzname „Alberich“, den Boerne seiner kleinwüchsigen Assistentin in Anlehnung an den gleichnamigen Zwergenkönig aus der Nibelungensage gab, aus den Drehbüchern gestrichen werden.
Silke Haller hat jetzt eine Kasse für „miese Sprüche“
Es dauert nicht lange, da klärte die inzwischen 55-jährige Schauspielerin auf: „Was ich in einem Interview, das in Teilen leider offenbar falsch verstanden wurde, meinte: In den Drehbüchern steht - für das Publikum unsichtbar - über meinem Text inzwischen meist der Rollenname 'Silke Haller' und nicht mehr 'Alberich'.“
Im „Tatort: Unter Gärtnern“ nennt Boerne seine Assistentin also weiterhin ungeniert „Alberich“. Jedoch kommt ihm dieses Verhalten teuer zu stehen: Silke Haller hat jetzt eine Kasse für „miese Sprüche“, und Boerne zahlt im Verlauf des 90-Minüters mehrmals kräftig ein. Die Dreharbeiten zu den Fällen Nummer 49 und 50 sind bereits abgeschlossen: „Tatort - Narrentanz“ wird der erste ohne Mechthild Großmann als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm sein. Schauspielerin Lou Strenger übernimmt als Interims-Staatsanwältin Nikola König. Der Film dürfte noch dieses Jahr zu sehen sein. Ein Ausstrahlungstermin für den 50. Film unter dem Arbeitstitel „Tatort: Eine Frage der Zeit“ ist für Frühjahr 2027 geplant, (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)