Nach Schiffsunglück: Traditionsreiche Werft muss Insolvenz anmelden – Zukunft bleibt ungewiss
Gesunkene Superjacht beschäftigt Gerichte – und treibt renommierte Werft in die Pleite
Stand: 14.08.2026, 07:06 Uhr
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Das mysteriöse Unglück der 2024 gesunkenen Superjacht Bayesian ist noch immer ungeklärt. Sieben Menschen kamen ums Leben. Jetzt muss die Werft Insolvenz anmelden.
Marina di Carrara, Italien – Der tragische Untergang der Luxusyacht „Bayesian“ im August 2024 vor der Küste Siziliens hat nun auch an Land wirtschaftliche Konsequenzen. Wie die renommierte italienische Werftengruppe The Italian Sea Group (TISG) bekannt gab, ist das Unternehmen zahlungsunfähig und hat offiziell Insolvenz angemeldet. Die traditionsreichen Werfthallen stehen damit ab sofort zum Verkauf. Das Verkaufsverfahren für das Unternehmen, das weltweit als fünftgrößter Anbieter für Superyachten gilt, ist bereits angelaufen, wie das Manager Magazin berichtete.

Schiffstragödie mit wirtschaftlichen Folgen – Werft ist insolvent
Der beispiellose Niedergang des Luxusherstellers ist untrennbar mit der Nacht vom 19. August 2024 verbunden. Damals sank die 56 Meter lange „Bayesian“ in einem heftigen Sturm. Bei dem Unglück ertranken sieben Menschen, darunter der britische Tech-Milliardär Mike Lynch und seine Tochter. Das Schiff war 2008 von der Traditionswerft Perini Navi gebaut worden, welche TISG im Jahr 2021 für 80 Millionen Euro aus einer vorherigen Pleite übernommen hatte.
Obwohl TISG-Gründer Giovanni Costantino stets betonte, das Schiff sei im Kern „unsinkbar“ gewesen, kollabierte das Kundenvertrauen nach der Katastrophe vollständig. Berichten zufolge ging nach dem Unglück keine einzige neue Bestellung mehr bei Perini Navi ein. In einem verzweifelten Versuch, den massiven Reputationsschaden abzuwenden, verklagte TISG die Eignerin und die Besatzung auf 456 Millionen Euro Schadenersatz. Doch die britische Untersuchungsbehörde MAIB äußerte öffentlich Zweifel am Design der Yacht, wie t-online berichtete.
Tiefrote Zahlen und Bilanzmanipulationen bei TISG
Die gerichtlichen Auseinandersetzungen dauern an, doch für eine Rettung aus eigener Kraft fehlte TISG letztlich die Zeit. Neben dem Auftragsstopp kamen gravierende interne Probleme ans Licht. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, litt der Konzern nicht nur unter massiven Kostenüberschreitungen, sondern auch unter gefälschten Dokumenten und umgangenen Kontrollsystemen im Management.
Die wirtschaftliche Schieflage ist verheerend. Die bereinigte Jahresbilanz weist einen Verlust von 157 Millionen Euro sowie ein negatives Eigenkapital von 376 Millionen Euro auf, wie t-online berichtete. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres summierten sich die Nettoverluste um weitere 16 Millionen Euro. Gründer Costantino trat im Juli zurück, nachdem er sich von den eigenen Managern hintergangen fühlte.
Ungewisser Ausgang für die Schadenersatzforderungen
Mit dem Eröffnen des Insolvenzverfahrens schwindet auch die Hoffnung der Hinterbliebenen der Bayesian-Opfer auf schnelle Entschädigungen. Lynchs Witwe, Angela Bacares, fordert Millionensummen. Ob und in welcher Höhe diese Ansprüche aus der Insolvenzmasse bedient werden können, ist noch nicht bekannt.
Trotz des finanziellen Bankrotts könnte der Schiffsbauer, der unter anderem mit Edelmarken wie Armani und Lamborghini kooperierte, in Teilen überleben. Große italienische Konkurrenten wie Sanlorenzo und Feretti haben bereits großes Interesse an einer Übernahme angemeldet, um sich die begehrten Produktionskapazitäten zu sichern. (Quellen: FAZ, Manager Magazin, TISG, T-online) (sts)