„Solche Kommentare gibt’s bei Habeck und Merz nicht“: Baerbock teilt kurz vor UN-Ende aus – und dankt Merkel
Stand: 29.07.2026, 14:08 Uhr
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In ihrer Zeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung hat Annalena Baerbock auch viel Kritk abbekommen. Kurz vor ihrem Amtsende wehrt sie sich deutlich.
New York – Bis September ist Annalena Baerbock noch Präsidentin der UN-Generalversammlung. Dann endet ihre Zeit in New York. Bevor die Amtszeit aber ausläuft, will die ehemalige Außenministerin in der UN allerdings noch einiges bewegen. Vor allem, wenn es um die Nachfolge von Generalsekretär António Guterres geht.

Wenn es nach der Grünen-Politikerin geht, tritt die Guterres-Nachfolge in jedem Falle eine Frau an. Baerbock, die in ihrer Zeit als Außenministerin mit ihrem Ansatz der feministischen Außenpolitik für Wirbel sorgte, will, dass die Männerdominanz auf dem Posten gebrochen wird. Acht Jahrzehnte lang hatte das Amt ein Mann inne. „Es ist Zeit für eine Frau“, befindet Baerbock daher im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
Baerbock will Männerdominanz auf UN-Posten brechen – „gibt hervorragende Frauen“
Für Baerbock sei es unerklärbar für eine Institution, „die acht Milliarden Menschen vertritt und seit 80 Jahren für Menschenrechte einsteht“, wenn es erneut keine Frau an der Spitze geben würde. Dass es eine Generalsekretärin geben soll, hätten auch alle Mitgliedsstaaten 2025 bereits einstimmig erklärt. Sie selber will das Amt allerdings nicht bekleiden, verrät sie im Interview: „Nach den ungeschriebenen Rotationsregeln ist Lateinamerika dran. Es gibt hervorragende Frauen in dieser Region.“
Wie schwer es für eine Frau in einem derart hohen Amt sein kann, hat Baerbock in ihrer Zeit auch in der deutschen Spitzenpolitik regelmäßig mitbekommen. Immer wieder wurde sie Opfer von Anfeindungen, auch während ihrer Zeit als Außenministerin in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz. Sogar ihr Start bei der UN wurde kritisch beäugt. Besonders ihr Social-Media-Auftritt zu Anfangszeiten in New York stieß vielen sauer auf.
Baerbock äußert sich zu Kritik an ihr: „Solche Kommentare gibt es bei Habeck oder Merz nicht“
Konstruktive Kritik sei für sie „essenziell“, das kenne die Ex-Ministerin noch aus dem Leistungssport. Baerbock holte einst gar im Trampolinturnen die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften. Beim Thema Kritik sieht sie bei Frauen derweil sowohl im Sport, als auch in der Politik eine „zusätzliche Angriffslinie“.
„Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels. Bei Social Media gerne noch mit dem Zusatz: ‚Nutte‘ oder ‚F*tze‘“, erzählt Baerbock im Interview und führt weiter aus: „Solche Kommentare gibt’s bei Robert Habeck oder Friedrich Merz einfach nicht.“ Die zeige, dass „gut gelaunte Frauen in Machtpositionen“ für einige Männer „weiterhin keine Selbstverständlichkeit, sondern offensichtlich der schlimmste Trigger“ seien.
Kurz vor Ablauf ihrer UN-Zeit dankt Baerbock Ex-Kanzlerin Angela Merkel
Einen Dank für ihre politische Laufbahn richtete Baerbock noch an Angela Merkel, die ihr die Tür für den großen Schritt ins Auswärtige Amt geöffnet habe. Ohne die Ex-Kanzlerin wäre sie „wahrscheinlich niemals erste Außenministerin geworden“. Merkel hat sich längst aus dem politischen Wirken zurückgezogen. Ein ebenfalls denkbarer Schritt für Baerbock? Im SZ-Interview lässt sie ihre Zukunft offen.
Wenn ihre Zeit bei der UN endet, wolle sie „ein neues Lebenskapitel aufschlagen“, verriet die 45-Jährige. Ob in Deutschland oder in den USA, machte sie nicht klar. In den Vereinigten Staaten genießt sie demnach besonders ihre Anonymität, zugleich liebe sie aber auch ihr Heimatland. (Quellen: SZ, eigene Recherche) (han)