Gilt für Einheimische und Urlauber: Nachbarland plant Maut für alle
Stand: 11.07.2026, 14:00 Uhr
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Belgien will Autofahrer stärker an den Kosten für Straßen beteiligen. Schon ab 2027 soll eine Vignette Pflicht werden.
Brüssel – Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen sollen auf belgischen Autobahnen ab dem 1. Januar 2027 Maut zahlen. Wie viel genau, hängt vom Schadstoffausstoß und dem Fahrzeugmodell ab. Los geht es bei 90 Euro pro Jahr für „emissionsfreie“ Fahrzeuge. Bis zu 125 Euro pro Jahr für ältere Modelle mit mehr Ausstoß nach den Abgasnormen Euro 0 bis 3. Darüber hinaus soll es auch ein 24-Stunden-Modell, sowie eine Zehn-Tages-Vignette und eine Option für zwei Monate geben.

Sowohl Ausländer als auch Belgier und Belgierinnen will Brüssel zur Kasse bitten. „Jeder, der unsere Straßen nutzt, muss einen fairen Beitrag zu deren Unterhalt leisten“, erklärte der wallonische Minister für Infrastruktur und Mobilität, François Desquesnes, bei der Vorstellung der Pläne am Freitag (10. Juli), wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Autofahrer sollen die Vignetten im Internet kaufen können. Die Einhaltung werde mit einem Videosystem überwacht, bei Verstößen können Bußgelder von 70 Euro fällig werden, hieß es weiter.
Maut in Belgien: Die Kosten sollen am Ende Ausländer tragen
Die drei Landesteile Belgiens – die Hauptstadtregion rund um Brüssel, Flandern und Wallonien – einigten sich auf die neue Regelung. Allerdings muss die Entscheidung noch von den europäischen Behörden bestätigt werden. Der Vorsitzende der liberalen Partei Mouvement Réformateur (MR), Georges-Louis Bouchez, teilte im Onlinedienst X mit, die Autobahnvignette sei dazu gedacht, „Menschen, die nicht in Belgien wohnen, für die Nutzung unserer Autobahnen zahlen zu lassen.“
Für Belgier gebe es „keinen Grund zur Sorge: Wir werden andere Steuern senken, damit dies keine Auswirkungen auf Ihre Geldbörse hat. [...] Es ist logisch, dass die Millionen Ausländer, die auf unseren Straßen fahren, für ihre Nutzung zahlen. Keine Auswirkungen für Belgier und besser finanzierte Straßen“, so der Politiker weiter. Auch der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont vertrat diese Meinung. In Wallonien wird beispielsweise die Idee diskutiert, die Kosten durch eine Überprüfung der Kfz-Steuersätze auszugleichen, wie die Luxembourg Times berichtete.
Die Europäische Union verbietet allerdings eine Ungleichbehandlung aufgrund der Nationalität. Deutschland hatte bereits versucht, ein ähnliches System zu etablieren und deutsche Autohalter über die Kfz-Steuer zu entlasten. Der Europäische Gerichtshof beurteilte das als diskriminierend, da die „wirtschaftliche Belastung faktisch ausschließlich von den Haltern und Fahrern von Fahrzeugen getragen wird, die in anderen Mitgliedstaaten zugelassen sind“, wie es in dem Urteil von 2019 hieß. (Quellen: Europäischer Gerichtshof, AFP, Luxembourg Times, X) (bme)