Gefängnisausbruch in Duisburg: Häftling sägt Gitterstab durch und flieht übers Dach

Publiziert30. August 2026, 17:20

Häftling in Duisburg«Gitterstab verschwindet nicht von allein»: Filmreife Flucht

Ein 35-Jähriger ist aus der JVA Duisburg-Hamborn ausgebrochen. Er entkam aus seiner Zelle im dritten Stock und kletterte offenbar über die Fassade aufs Dach.

Karin Leuthold

Deutsche Presse-Agentur

Darum gehts

  • Ein 35-jähriger Untersuchungsgefangener ist in der Nacht aus der JVA Duisburg-Hamborn ausgebrochen.
  • Der Mann sägte offenbar einen Gitterstab durch, kletterte die Fassade hoch und floh über das Dach.
  • NRW-Justizminister Benjamin Limbach nennt den Ausbruch «absolut inakzeptabel».

Mit einem hollywoodreifen Ausbruch ist ein 35 Jahre alter Untersuchungsgefangener am frühen Morgen gegen 3.20 Uhr aus der JVA Duisburg-Hamborn entkommen. Das teilte das Justizministerium NRW mit. Von dem Mann gab es am frühen Vormittag keine Spur, wie ein Sprecher der Duisburger Polizei bestätigte. Die Fahndung laufe.

Der wegen Diebstahlverdachts inhaftierte Mann habe einen der Gitterstäbe vor dem Fenster seiner Zelle im dritten Stock des Gebäudes auf bisher unklare Art entfernt – möglicherweise durchgesägt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Dann habe er die weitere Feinvergitterung vor dem Fenster beiseitegedrückt, sei durch den sehr schmalen Spalt geklettert und offensichtlich über das Dach geflohen. Zuvor müsse er aussen über die Fassade vom dritten in den vierten Stock geklettert sein und auch noch die Sicherung der Dachkante überwunden haben, sagte der Sprecher.

Ein Tattoo auf dem Arm des Gesuchten, das die Polizei zur Identifikation veröffentlichte: Ende Mai war der Mann wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden – das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Ein Tattoo auf dem Arm des Gesuchten, das die Polizei zur Identifikation veröffentlichte: Ende Mai war der Mann wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden – das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.Polizei Duisburg

Häftling wurde zu sechs Jahren verurteilt

Der Mann sass laut Ministerium wegen des Diebstahlsvorwurfs seit dem 10. Februar in Untersuchungshaft. Ende Mai sei er wegen zwei Wohnungseinbrüchen mit hohem Schaden zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

«Der heutige Ausbruch ist absolut inakzeptabel. Die oberste Priorität hat jetzt die schnelle Ergreifung des flüchtigen Untersuchungshäftlings», erklärte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Bündnis 90/Die Grünen). Parallel müsse der Vorfall umfassend aufgeklärt werden.

Justizminister in Erklärungsnot – Opposition übt Kritik

Ein Sicherheitsexperte des Ministeriums sei bereits vor Ort in der Anstalt und habe die Ermittlungen aufgenommen. «Wir werden lückenlos aufklären, wie diese Sicherheitslücke entstehen konnte, um aus den Ergebnissen umgehend die notwendigen Konsequenzen zu ziehen», kündigte der Minister an.

Die rechtspolitische Sprecherin der oppositionellen SPD-Landtagsfraktion, Sonja Bongers, verlangte Antworten. «Bei seiner Flucht aus der JVA Duisburg-Hamborn soll der Häftling einen Gitterstab vor seinem Zellenfenster durchgesägt oder sonst wie entfernt haben. Ein Gitterstab verschwindet aber nicht von allein. Justizminister Limbach muss erklären, wie der Mann an das nötige Werkzeug gelangen konnte und weshalb die baulichen und technischen Sicherungen seine Flucht nicht verhindert haben», erklärte sie.

Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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