GNOME 51 ist da: Viel Neues vom und für den Linux-Desktop
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GNOME 51 ist da: Viel Neues vom und für den Linux-Desktop
Performance-Verbesserungen am Kernsystem treffen auf neue Features bei den zentralen Programmen. Die wichtigsten Neuerungen unter der Lupe
Andreas Proschofsky
GNOME zählt nicht nur zu den am längsten bestehenden Desktop-Projekten für Linux, es nimmt bis heute eine zentrale Rolle in diesem Umfeld ein. Immerhin bildet es bei zahlreichen Distributionen die Default-Option – von Ubuntu über Debian bis zu Fedora. Zweimal im Jahr gibt es dabei größere Funktions-Updates für GNOME – und nun ist es wieder einmal soweit.
GNOME 51 ist da und es bringt erneut eine ganze Reihe von Updates – von Verbesserungen am Kern-Desktop bis zu allerlei neuen Features für die mitgelieferten Programme.
Was gibt es Neues?
Beginnen wir mit den strukturellen Verbesserungen: GNOME 51 bringt eine Überarbeitung der fraktionellen Skalierung der Anzeige. Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann: Dabei geht es vor allem um die Darstellung auf hochauflösenden Bildschirmen. Bei ungeraden Skalierungsfaktoren verspricht die neue Version jetzt eine deutlich bessere Darstellungsqualität als frühere Versionen.
Ebenso zentral für die Desktopnutzung ist das Thema Performance. Durch Änderungen am von GNOME genutzten Fenstermanager Mutter soll die Desktop-Performance merklich konsistenter sein. Anders gesagt: Gerade, wenn der Rechner stark belastet wird, sollte es deutlich weniger Hänger geben, Animationen aber auch sonst weicher laufen.
Leistungssteigerungen gibt es auch beim Screen Recording, wovon nebenbei auch der integrierte Remote-Desktop-Support profitiert. Wenn wir schon beim Thema sind: Smartcards können jetzt auch bei einer Remote-Verbindung genutzt werden. Und beim Login-Manager werden jetzt Web-basierte Zugänge unterstützt.
Strukturelles
Weitere relevante strukturelle Verbesserungen: Der für das Speichern von Passwörtern und Schlüsseln zuständige GNOME Keyring wird durch oo7 abgelöst. Dieses ist nicht nur sicherer, es funktioniert Desktop-übergreifend, wird also auch von anderen Oberflächen unterstützt. Zudem entledigt sich GNOME wieder mal mühsam zu wartenden Altlasten. In diesem Fall geht es um den Support für sehr alte Versionen des proprietären Grafiktreibers von Nvidia.
In den Systemeinstellungen wurden die Dialoge zum Einrichten von Fingerabdrücken komplett neu gestaltet – was sie offen gesagt auch notwendig hatten. Ebenfalls interessant ist, dass die Bildschirmdarstellung nun automatisch zwischen Porträt- und Querdarstellung wechseln kann, wenn ein entsprechender Sensor verbaut ist. Das Ganze zielt logischerweise vor allem auf mobile Linux-Versionen ab.
Von Mäusen und Dateien
Eine weitere nützliche Einstellung befindet sich in den Touchpad-Einstellungen: Dieses kann nämlich automatisch deaktiviert werden, wenn man eine Maus mit dem eigenen Rechner verbunden hat. Wer oftmals unterwegs am Laptop arbeitet, dabei aber lieber eine Maus nutzt, könnte das zu schätzen wissen. Die Monitorhelligkeit wird jetzt gespeichert, der gewählte Wert beim nächsten Rechnerstart also automatisch wiederhergestellt. Die Unterstützung für grob veraltete – und notorisch unsichere – WLAN-Netze mit WEP-Verschlüsselung wurde komplett gestrichen.
Der Dateimanager der Desktops zeigt jetzt an, wie viele Dateien bei einem Drag-und-Drop-Vorgang gerade ausgewählt sind. Dazu kommen allerlei Performance-Verbesserungen, etwa beim Laden von großen Verzeichnissen oder durch das Entfernen blockierender Aktivitäten.
Softwareblockade
Bei der Softwarezentrale des Desktops gibt es zwar nur eine kleine aber relevante Änderung, weil sie auch anzeigt, wo die Reise bei vielen Linux-Distributionen hingeht. So wird nun explizit vor Programmen gewarnt, die nicht mehr aktiv gewartet werden.
Das ist hauptsächlich mit dem Blick auf moderne, distributionsübergreifende Paketformate wie Flatpak gedacht. Zugehörige App Stores wie Flathub gehen mittlerweile deutlich schärfer gegen veraltete Apps vor, immerhin stellen diese auch ein Sicherheitsrisiko dar, wenn sie nicht mehr gewartet werden. So wird eben zuerst davor gewarnt, bis sie irgendwann aus dem Angebot geschmissen werden. Und genau diese Warnungen werden nun eben in GNOME Software übernommen.
Die Markierung von GNOME Software ist dabei ohnehin noch ein recht sanfter Vorgang. Alternative Softwarezentralen wie Bazaar blenden solche nicht gewarteten Programme mittlerweile komplett aus. Das wäre wahrscheinlich auch bei der offiziellen GNOME-Lösung der bessere Weg, erhöht das doch den Druck auf die Entwickler, sich auch um die Wartung ihrer Programme zu kümmern.
Offline-Karten und Echtzeitdaten
Kommen wir zu den Neuerungen an den bei GNOME mitgelieferten Apps und da sticht gerade die Karten-App heraus – also das freie Pendant zu Google Maps. GNOME Maps hat sich in den vergangenen Versionen von einem sehr simplen Tool zu einem immer mächtigeren gewandelt.
Mit GNOME 51 kommen nun einige weitere, wichtige Funktionen hinzu. So gibt es jetzt Offline-Support, also die Möglichkeit das Kartenmaterial für eine ausgewählte Region lokal zu cachen. Deutliche Fortschritte macht auch die Unterstützung für öffentliche Verkehrsmittel: Bei Stationen wird jetzt der Fahrplan angezeigt, also wann die nächsten Abfahrten der dort angebotenen Linien stattfinden. Stellt der Betreiber das zur Verfügung, gibt es sogar Echtzeitdaten, die Verzögerungen beinhalten. Bei gemischten Routen wird zudem jetzt angezeigt, wie viele Minuten ein zu Fuß zu bewältigendes Teilstück benötigt.
Kalender und andere Dinge
In eine ähnliche Kategorie fällt GNOME Calendar, also die Kalenderanwendung des Desktops, auch diese hat sich in den vergangenen Versionen ziemlich gemausert. Mit GNOME 51 widmet man sich wieder den Grundlagen, es wurden also Teile der Anwendung neu geschrieben, um die Darstellung zu beschleunigen. Zudem wurde der Event-Editor neu gestaltet, es gibt eine neue Darstellungsoption mit hohem Kontrast und Ortsangaben verlinken direkt auf GNOME Maps.
Fehlt eigentlich nur noch ein modernes E-Mail-Programm für den GNOME-Desktop. Das altehrwürdige Evolution wirkt mittlerweile eigentlich nicht mehr sehr ehrwürdig, sondern nur noch alt. Rund um den Ersatz Geary hat sich ebenfalls schon länger nichts mehr getan. Derzeit sind allerdings einige neue Projekte in diese Richtung im Laufen – mal sehen, welche davon sich langfristig als tragfähig herausstellen, und welche nur einem vorübergehenden Vibe-Coding-Interesse entspringen.
Unterschriften und eine Portion Sushi
Weitere vermischte Neuerungen: Der Dokumentanzeiger des Desktops kann jetzt handschriftliche Unterschriften in Dokumente einfügen. Das Bildanzeigeprogramm Loupe zeigt in der neuen Version erheblich mehr Metadaten an – etwa zu Farbprofil, Kamera und Autor. Beim GNOME-eigenen Browser Web ist die Möglichkeit zur Erzeugung von sicheren Passwörtern hinzugekommen. Passend dazu wurde auch der integrierte Passwortmanager überarbeitet.
Modernisiert wurde ein Bestandteil des Desktops, den manche wohl schon wieder vergessen haben: Sushi heißt jenes Tool, das über einen Druck auf die Leertaste im Dateimanager eine schnelle Vorschau von Bildern oder Dokumenten liefert. Dieses wurde auf die aktuelle Generation des von GNOME genutzten UI-Toolkits – also GTK4 – portiert.
Vermisste Neuerungen
Ebenfalls auf GTK4 portiert und mit einer komplett neuen Oberfläche ausgestattet wurde GNOME Disks, das Tool zur Bearbeitung von Datenträger. Leider schafft es das aber trotzdem (noch) nicht in die neue Version, bleibt zu hoffen, dass man dies bei GNOME 52 nachholt.
Noch ärgerlicher ist, dass der anvisierte Wechsel des angegrauten GNOME System Monitor auf das moderne Resources vorerst entfällt. Immerhin bietet letzteres erheblich mehr Möglichkeiten und schaut noch dazu auch nicht so aus als wäre es dem den frühen 2000er-Jahren entsprungen. Bleibt zu hoffen, dass die GNOME-nutzenden Distributionen in diesem Fall auf die Empfehlungen des Desktop-Projekts pfeifen und diese Wechsel von selbst vorziehen. Ubuntu hat das bei Resources ohnehin bereits vor einigen Monaten vorgemacht.
Download
GNOME 51 steht wie gewohnt zunächst einmal in Form des Quellcodes zur Verfügung. Als nächster Schritt wird es in die Entwicklungsversionen vieler Distributionen Einzug halten. So werden die für die kommenden Wochen erwarteten Ubuntu 26.10 und Fedora 45 diese Desktop-Generation als Basis verwenden.
Wer nicht so lange warten will, der kann auch in GNOME OS hineinschnuppern, eine für Testzwecke gedachte Distribution des Desktop-Projekts selbst. Dieses gibt es bereits in neuer Version zum Download, das Ganze kann dann wahlweise in einer virtuellen Maschine oder auf echter Hardware getestet werden. Zudem sollten die meisten GNOME-Programme – also alles jenseits des Kerndesktops – in den kommenden Tagen auch in aktualisierten Versionen bei Flathub Einzug halten. (Andreas Proschofsky, 16.9.2026)
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