Gobert: Kelten-Wall, gesprengtes Forsthaus und Hirsche als Attraktion
Stand: 29.08.2026, 17:54 Uhr
Kommentare

Der Höhenzug zwischen Hessen und Thüringen birgt Reste eines keltischen Walles aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. In den 1930er-Jahren strömten Touristen zur Hirschbrunft – bis das Forsthaus 1961 im DDR-Sperrgebiet gesprengt wurde.
Werra-Meißner – Wenn die Abendsonne die weißen Muschelkalkfelsen über dem Werratal zum Leuchten bringt, zeigt sich die Gobert von ihrer eindrucksvollsten Seite. Der bewaldete Höhenzug zwischen dem Werra-Meißner-Kreis und dem thüringischen Eichsfeld ist nicht nur ein beliebtes Wanderziel. Er erzählt auch von Kelten, Rittern, Förstern, Grenzern und vom ständigen Kampf der Menschen mit einer rauen Landschaft.
Frühe Nutzung der Gobert durch den Menschen

Mit ihren markanten Felsklippen, die Namen wie Silberklippe, Salzfrau oder Wolfstisch tragen, wird die Gobert oft als „Hessische Schweiz“ bezeichnet. Der Hohestein ragt mit 569 Metern über das Eschweger Becken hinaus und bietet weite Ausblicke über das Werratal.
Dass Menschen die Höhen der Gobert schon früh nutzten, belegen Relikte aus vorgeschichtlicher Zeit. Im Wald auf dem Hohestein sind noch Reste eines keltischen Walles erhalten, dessen Ursprung bis ins 8. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Ob Fliehburg, Siedlung oder Kultstätte: Die genaue Funktion bleibt bis heute ein Rätsel.
Auch im Mittelalter war die Gobert besiedelt. Die Herren von Coburge unterhielten hier eine Burg und ein kleines Dorf. Doch das Leben auf über 500 Metern Höhe war beschwerlich. Steinige Böden, ein raues Klima und vor allem Wassermangel machten den Bewohnern das Leben schwer. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurde die Siedlung aufgegeben, die Menschen zogen ins Tal nach Volkerode.
Bedeutende Territorialgrenze verlief entlang der Gobert
Über Jahrhunderte verlief über die Gobert eine bedeutende Territorialgrenze. Davon zeugen bis heute zahlreiche historische Grenzsteine im Wald, darunter Exemplare mit dem Mainzer Rad oder den Wappen des einstigen Kurfürstentums Hessen. Später kamen die Grenzzeichen der DDR hinzu, die heute gemeinsam mit ihren älteren Vorgängern unter dem Blätterdach verwittern.
Eine neue Blüte erlebte die Gobert im 19. Jahrhundert. Die Eisenacher Industriellenfamilie von Eichel-Streiber kaufte das Gut Goburg und begann mit umfangreichen Aufforstungen. Später übernahm der Großindustrielle Baron Carl-Ludwig von Knoop das Anwesen. Als passionierter Jäger ließ er ein großes Jagdgatter errichten und brachte Rotwild auf die Gobert zurück. Die Hirsche vermehrten sich prächtig. In den 1930er-Jahren entwickelte sich die Hirschbrunft sogar zu einer Touristenattraktion, die Besucher von weit her anzog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Bild erneut grundlegend. Das Gut wurde im Zuge der Bodenreform enteignet, das Jagdgatter aufgelöst. Mit der innerdeutschen Grenze geriet die Gobert zunehmend an den Rand der Geschichte. Das Forsthaus Goburg lag schließlich im Sperrgebiet der DDR und wurde 1961 gesprengt.
Geblieben sind die Spuren der Vergangenheit. Wer heute durch die Wälder wandert, stößt auf alte Grenzsteine, Mauerreste und die Grundmauern des einstigen Forsthauses. Sie erinnern an eine Landschaft, die über Jahrhunderte von Menschen geprägt wurde und diese zugleich immer wieder vor große Herausforderungen stellte.
Und manchmal zeigt sich die Gobert noch heute von ihrer ursprünglichsten Seite: wenn am Abend eine Hirschkuh mit ihrem Kalb vorsichtig aus dem Wald tritt und über eine stille Lichtung zieht. Dann wird spürbar, warum dieser besondere Höhenzug bis heute eine solche Faszination ausübt.
(von Dr. Jörg Brauneis)