„Es ist enttäuschend“: Gold-Traum geplatzt – WM-Drama um deutsche Reiter

Stand: 23.08.2026, 19:49 Uhr

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Drei Deutsche im Einzel-Finale, Deußer sogar als Führender – und am Ende kein Edelmetall. Das Springreiten bei der WM in Aachen hält ein bitteres Kapitel für Deutschland bereit.

Aachen – Es hätte das perfekte Märchen werden können: Mannschafts-Gold am Freitag, Einzel-Gold am Sonntag. Doch beim Abschluss der Reit-Weltmeisterschaften in Aachen erlebten die deutschen Springreiter einen jähen Absturz. Vor 40.000 frenetischen Zuschauern im Hauptstadion verpassten Daniel Deußer, Marcus Ehning und Sophie Hinners die Medaillenplätze – und das, obwohl alle drei noch am Morgen in aussichtsreicher Position lagen.

Gold-Favorit Daniel Deußer versagten beim Finale der Reit-WM die Nerven.

Gold-Favorit Daniel Deußer versagten beim Finale der Reit-WM die Nerven. © Rolf Vennenbernd/dpa

Was dann folgte, war ein Drama in zwei Akten. Dabei war die Ausgangslage kaum besser hätte sein können. Deußer war punktgleich mit dem Schweizer Steve Guerdat in den Finaltag gestartet – beide hatten in den drei Vorrunden zusammen nur 0,86 Strafpunkte gesammelt. Ehning lag auf Rang vier, Hinners auf Rang fünf. Drei Deutsche mit echten Medaillenchancen – das hatte es bei einer WM lange nicht gegeben.

Springreiten-WM Aachen: Deutsche Hoffnungsträger patzen reihenweise

Doch ausgerechnet im ersten Finaldurchgang versagten alle drei die Nerven. Bei Deußer fiel eine Stange am letzten Hindernis, Ehnings Wallach Coolio verlor sogar ein Hufeisen – ein bitteres Pech für den Routinier aus Borken. „Das ist kein gutes Gefühl, wenn man Fußball mit nur einem Schuh spielt, ist es auch schwierig“, sagte Ehning. Hinners kassierte am allerletzten Sprung vier Strafpunkte. Damit war die Hoffnung auf Gold bereits erheblich gedämpft, die Ausgangslage für den zweiten Umlauf denkbar schwierig.

Guerdat hingegen blieb mit seiner 13-jährigen Stute Dynamix de Belheme eiskalt. Der Olympiasieger von 2012 ritt fehlerlos durch den Parcours und das nicht zum ersten Mal in Aachen – die Reit-WM gilt auch Brenn-Punkt der Klima-Widersprüche. „Meine Stute ist in einer unglaublichen Verfassung“, hatte der Schweizer noch vor dem Finaltag gesagt. Im zweiten Umlauf durfte er sich sogar einen Abwurf erlauben und hätte trotzdem Gold gewonnen – er brauchte ihn nicht.

Guerdat krönte sich zum Weltmeister, Silber ging überraschend an den erst 25-jährigen Belgier Thibeau Spits mit Impress, Bronze sicherte sich der Brite Harry Charles. Die deutschen Paare kamen auch im zweiten Durchgang nicht ohne Fehler durch. Deußer landete am Ende auf Rang sechs, Ehning auf Platz sieben, Hinners auf Rang neun. „Das ist natürlich ein bisschen enttäuschend“, sagte Deußer. „Der letzte Sprung wäre definitiv möglich gewesen.“ Ehning fasste es so zusammen: „Das Glück, das wir an den ersten Tagen hatten, das hatten wir heute nicht.“

Noch bitterer verlief der Tag für Richard Vogel. Der 29-jährige Einzel-Europameister, der im Mai noch den Großen Preis von Aachen gewonnen hatte und als einer der Topfavoriten in die WM gegangen war, erlebte ein Desaster. Sein Hengst United Touch S verweigerte in der ersten Finalrunde an der Mauer – Rang 22 am Ende. „Mega-ärgerlich“, sagte Vogel. „Ich habe diese Woche nicht mein glückliches Reiten ausgepackt.“

Bundestrainer Otto Becker versuchte, das Beste aus dem bitteren Abschluss zu ziehen. „Vielleicht hat nach dem Teamspringen, wo wir super abgeliefert haben, heute das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte der 67‑Jährige. Es sei sehr eng, „und dann ist jeder Fehler einer zu viel“, sagte Becker. „Aber insgesamt haben wir am Ende drei Paare in den Top Ten – das ist stark.“

Trotz Patzern beim WM-Finale: starke Medaillen-Ausbeute der deutschen Springreiter

Und tatsächlich: Die Gesamtbilanz der zweiwöchigen WM in Aachen bleibt beeindruckend. Drei goldene, eine silberne und zwei bronzene Medaillen in den drei olympischen Disziplinen – das hatte Deutschland zuletzt lange nicht geschafft. „Wir wollten hier unser Sommermärchen im Pferdesport schreiben“, sagte Verbandschef Dennis Peiler. „Und das Fazit ist, dass das geglückt ist.“ Allerdings gab es im Vorfeld großen Ärger um den degradierten Reit-Olympiasieger Christian Kukuk.

Der Traum vom achten deutschen WM-Einzeltitel – nach Simone Blums Gold 2018 – bleibt vorerst unerfüllt. Doch mit dem Mannschafts-Gold im Rücken und drei Reitern in den Top Ten des Einzels darf die deutsche Springreiter-Equipe mit breiter Brust auf die nächsten Großereignisse blicken. Ob Deußer, Ehning oder Hinners beim nächsten Anlauf das Quäntchen Glück auf ihrer Seite haben werden, das ihnen in Aachen fehlte, wird sich dann zeigen. (ck)