Goldminen, Silberminen: Goldene Zeiten voraus?

Goldminen Silberminen Goldene Zeiten voraus
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Die erst kürzlich veröffentlichte Analyse des Gold- und Silbermarktes zeigte eine auffällige Dissonanz zwischen medialer Euphorie bei Gold und Silber und der tatsächlichen Positionierung am Optionsmarkt. Minen-Aktien sind High-Beta-Werte auf die Edelmetalle – Junior-Minen sogar noch stärker. Wie sich das Smart Money am Optionsmarkt bei den maßgeblichen Goldminen- (GDX und GDXJ) und Silberminen-ETFs (SIL und SILJ) für die Verfallsmonate August und September positioniert, ist Inhalt dieser Analyse.

Goldminen, Silberminen: Goldene Zeiten voraus?

Optionen auf einen ETF sind niemals eine isolierte Wette, sie sind direkt mit den real enthaltenen Werten verschweißt (Creation/Redemption-Prozess). Alle Optionsdaten stammen von www.barchart.com.
Goldminen (GDX): Kursrakete oder Heißluftballon?

Ein Blick auf den Chartverlauf der letzten Handelswochen zeigt einen steilen Anstieg von ca. 70 USD bis über 92 USD in knapp vier Wochen. Das ist zweifelsfrei ein impulsiver Anstieg – wie es auch der auf Finanzmarktwelt regelmäßig analysierende Elliott-Wellen-Spezialist Rüdiger Born bezeichnen würde –, der Beginn einer möglichen ersten Welle. Eine klassische Elliott-Welle 1 markiert den Start eines neuen, nachhaltigen Trends. Sie ist das Fundament des neuen Zyklus und baut sich in der Regel dicht gestaffelt auf. Die im Chart eingekreiste Welle ist aber alles andere als das, ihr Hauptmerkmal sind offene Breakaway-Gaps.

Auch wenn das Kursbild des GDX davor wie eine fertige ABC-Korrektur aussieht, so mahnt doch der lückenhafte Anstieg und macht es hochgradig unwahrscheinlich, dass die Korrektur mit der einfachen ABC-Struktur bereits ihr endgültiges, stabiles Ende gefunden hat. Dieser Frage nachzugehen, ist elementar, denn eine Zwischenrally in einem Abwärtstrend mag kurzfristig interessant sein, führt aber – in the long run – zu tieferen Tiefs bei den Goldminen.

Elliott-Wellen-Mechanik: Welle 1 vs. X-Welle

Solche rasanten, von Gaps durchsetzten Anstiege sind eher das klassische Kennzeichen einer sogenannten X-Welle innerhalb einer komplexen Korrektur (wie einem Double-Zigzag). Der schnelle Anstieg schafft Momentum und treibt den Kurs lückenhaft nach oben, nur um später wieder in sich zusammen zu brechen.

Selbst wenn man dies als extrem dynamische Welle 1 klassifiziert, wäre die unausweichliche Welle 2 anstehend. Um eine tragfähige Basis für einen echten Bullenmarkt zu schaffen, müssen diese Gaps geschlossen werden. Der Markt muss zurückkehren und den Boden verdichten, sonst bricht der Trend bei der nächsten kleinen Krise zusammen.

Die Kursspanne, in der die offenen Gaps liegen, reicht von 70,70 USD (20./21. Juli) bis 93,95 USD (14./15. Mai). Mit dem gestrigen Hoch bei 92,66 USD und dem anschließenden Abverkauf unter 91 USD (vorbörslich sogar unter 90 USD) sendet der Markt bereits erste Warnsignale. Ob dieser Ausbruch bei den Goldminen tragfähig ist oder lediglich eine spekulative Zwischenrally, zeigt ein detaillierter Blick auf den Optionsmarkt des GDX – und dort hinterlässt das Smart Money eine eindeutige Spur.

Optionsmarkt-Kernzahlen für den GDX-ETF

Über alle drei Verfallstermine hinweg liegt das Put/Call-Ratio nach Volumen drastisch unter der kritischen Marke von 0,50. Der Markt ist sehr einseitig optimistisch positioniert und befindet sich zudem in einem positiven Gamma-Umfeld. Der Gamma Flip liegt beim nahenden August-Verfall bei 85,83 USD, das Max Pain bei 79 USD. Die größte Gamma-Exposure liegt auf dem 90-, 95- und 100-USD-Call-Strike. Auf diesen Niveaus ist der Gegendruck der Market Maker am größten, da sie antizyklisch hedgen.

Ein detaillierter Blick auf die T&S-Listen der letzten Handelstage bei den wichtigsten Call-Strikes kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Analyse zu Gold und Silber. Das Smart Money nutzt den Ausbruch und die Volatilität gezielt, um am Optionsmarkt Prämien zu gewinnen. Exemplarisch sei hier der 90-USD-Call: Von den am 12. August exakt 2.707 gehandelten Kontrakten floss nur ein Bruchteil in das klassische, aggressive Ask-Sweeping. Die absolute Dominanz der Mid-Ausführungen mit großen Blocktrades zeigt, dass diese Optionen nicht isoliert gehandelt werden. Hier greifen Preisbildungs-Algorithmen für komplexe Konstruktionen – keine Panikkäufe, sondern komplexe Spreads (wie Iron Condors oder vertikale Call-Spreads). Die großen Adressen rollen, strukturieren und betonieren diese Linie, um ihr Risiko zu nullen und die extrem hohen Prämien einzustreichen. Jeder Intraday-Ausbruch (wie gestern auf 92,66 USD) wird durch diese Absicherungsgeschäfte unweigerlich wieder an der 90-USD-Marke gepinnt.

Kaum Put-Fallschirme unter 90 USD im GDX

Während der Widerstand bei 90 USD massiv verteidigt wird, fehlt auf der Unterseite eine zeitnahe Absicherung. Im nahenden August-Verfall zieht das Max Pain-Level bei 79 USD den Kurs nach unten, da Market Maker ein Interesse daran haben, Optionen wertlos verfallen zu lassen.

Die tatsächliche Positionierung des Smart Money bei den Goldminen zeigt sich im September-Verfall: Das Put/Call-Ratio nach Open Interest springt auf einen deutlich bärischen Wert von 1,45. Die institutionellen Eindeckungszonen liegen tief: bei 80 USD (über 62.000 Put-Kontrakte) und vor allem bei 70 USD (fast 90.000 Kontrakte). Hier schließt sich der Kreis zur Charttechnik: Die massivste Optionsunterstützung bei 70 USD deckt sich exakt mit dem Niveau des untersten offenen Breakaway-Gaps (70,70 USD). Oben werden Ausbrüche abverkauft, unten bei 70 bis 80 USD liegen die Zielzonen für eine Korrektur.

Goldminen, Silberminen: Goldene Zeiten voraus?

Zufall oder Forward-Engineering? Fibonacci trifft auf Max Pain

Legt man ein Fibonacci-Retracement vom Tief bis zum anvisierten Gap-Close bei 93,95 USD an, zeigt sich eine bemerkenswerte Symmetrie: Das 61,8%-Retracement liegt in diesem Fall bei 78,99 USD. Zeitgleich taxiert der Optionsmarkt das „Max Pain“-Level für den August-Verfall bei den Goldminen auf exakt 79 USD.

Analytisch betrachtet spricht vieles für ein gezieltes Forward-Engineering. Die komplexe Options-Architektur wird häufig präzise um etablierte charttechnische Projektionsmarken herum konstruiert. Das 61,8%-Retracement – ausgehend von einem potenziell geschlossenen Gap – dient in diesem Szenario als kalkuliertes Ziel. Sollte der GDX das Gap bei knapp 94 USD in einer finalen Bewegung tatsächlich noch schließen, oder aufgrund der massiven Options-Widerstände bereits im aktuellen Bereich um 90 bis 92 USD endgültig scheitern, stellt die 79er-Marke das magnetische Rücklaufziel dar. Auf diesem Niveau würde ein Großteil der spekulativen Call-Prämien profitabel für die Stillhalter verfallen.

Ein Bruch der 86-USD-Marke im GDX wäre höchstwahrscheinlich der Startschuss für eine tiefe Korrektur, da die Market Maker unter diesem Niveau keinen Widerstand mehr leisten, sondern selbst zu Verkäufern werden, um sich zu hedgen.

Junior-Goldminen (GDXJ): Hohes Rückschlagspotenzial

Beim volatileren GDXJ zeigt sich am Optionsmarkt ein ähnliches, aber noch extremeres Bild. Für den September-Verfall markiert das Put/Call-Ratio nach Volumen mit 0,38 eine starke spekulative Euphorie. Die Market Maker positionieren sich entsprechend: Im August liegen die massiven Call-Positionen bei 115 USD und 120 USD, im September konzentriert sich die Call-Wall auf das Band zwischen 110 USD und 120 USD.

Gleichzeitig fehlen nennenswerte Unterstützungen in Kursnähe. Die größten Put-Volumina liegen weit entfernt bei 100 USD und 90 USD.

Silberminen (SIL und SILJ): Extreme Schieflage im Orderbuch

Noch deutlicher ist die Diskrepanz bei den Silberminen. Beim Global X Silver Miners ETF (SIL) fällt das Put/Call-Ratio nach Open Interest für September auf 0,29. Starken Call-Widerständen bei 90 USD und 100 USD steht insgesamt kaum Put-Absicherung gegenüber (ca. 6.200 Calls vs. nur 1.800 Puts im gesamten Kontrakt). Die wenigen signifikanten Unterstützungen liegen erst bei 75 USD und 64 USD.
Beim Junior Silver Miners ETF (SILJ) akkumuliert sich im August ein enormes Call-Open-Interest von über 221.000 Kontrakten mit starken Hürden bei 35 USD und 40 USD. Im September-Verfall erreicht das Put/Call-Ratio nach Volumen mit 0,04 ein absolutes Extrem – auf jeden gehandelten Put kommen 25 Calls. Die Stillhalter verriegeln den Kurs nach oben bei 30 bis 32 USD (über 36.000 Kontrakte), während nennenswerte Eindeckungszonen erst bei 22 USD und 23 USD zu finden sind.

Fazit: FOMO-Rally ohne Substanz

In allen vier Minen-ETFs zeigt sich dasselbe Muster: Eine extreme Euphorie (FOMO) aufseiten der spekulativen Call-Käufer trifft auf professionelle Stillhalter, die Ausbrüche nach oben systematisch deckeln. Da nennenswerte Put-Absicherungen erst deutlich unter den aktuellen Kursniveaus liegen, ist das Rückschlagspotenzial bei einer ausbleibenden Fortsetzung der Rallye bei Gold und Silber erheblich.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (12. August).

Thomas Hartz

Über den RedakteurThomas Hartz

Gastautor

Politik, Finanzmärkte, Geopolitik und greifbare Anlagestrategien

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