Graham geht, zwei Kriege bleiben: Trump trifft bei Trauerfeier sein politisches Schicksalsduo
Graham geht, zwei Kriege bleibenTrump trifft bei Trauerfeier sein politisches Schicksalsduo
28.07.2026, 18:54 Uhr
Von Roland Peters, New York
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Lindsey Graham war einer, wenn nicht der wichtigste außenpolitische Berater Donald Trumps. Am Tag der Beisetzung des Senators setzt Trump sich mit Schlüsselfiguren in den beiden großen Kriegen seiner bisherigen zweiten Präsidentschaft zusammen.
Lindsey Graham ist begeistert von sich selbst. "Das ist das Beste, was ich je getan habe", lacht er in seinem Büro in Washington. "Ich musste fast weinen." Im Fernsehen ist im Februar der US-Präsident zu sehen, wie er Fragen zu den Angriffen Israels und der USA auf den Iran äußert. "Er ist begeistert", so Graham im Beisein eines Dokumentarfilmers. "Er liebt es einfach, Dinge in die Luft zu jagen." Für den Republikaner ist es einer der wichtigsten Tage seiner politischen Karriere. "Trump und Bibi sind wie Roosevelt und Churchill", erklärt er. "Sie sind die beiden Richtigen, um sich diesem Bösen entgegenzustellen."
Graham war mittendrin bei der Entscheidung, die Islamische Republik anzugreifen. Jahrelang, sagt der Senator, habe er darauf gedrängt. Wenige Monate später stirbt Graham plötzlich. Nun wird ihm in Washington die letzte Ehre erwiesen. Die Kriege, bei denen er seine Finger im Spiel hatte, kommen in Person von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu - das erste Mal seit Kriegsbeginn - und Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Washington. Es ist ein bemerkenswerter Höhepunkt in Trumps zweiter Präsidentschaft, der zeigt, wie sich Außen- und Innenpolitik ineinander verschränken. Eine Schicksalsbeziehung.
Die Umfragen sind ein überdeutliches Signal an den selbstbetitelten "Friedenspräsidenten", der seit fünf Monaten einen Krieg im Nahen Osten führt: Nie haben so viele US-Amerikaner den Iran-Krieg abgelehnt. Nie sagte ein größerer Anteil, 63 Prozent, er laufe schlecht für die Vereinigten Staaten. Und zugleich sagten 78 Prozent, Donald Trump fokussiere sich nicht genug darauf, die Verbraucherpreise zu senken, und 60 Prozent, er beschäftige sich zu sehr mit Zöllen. Entsprechend schlecht sind durch die Bank die Zustimmungswerte des Republikaners. Seiner Partei schlottern angesichts der nahenden Kongresswahlen im November die Knie.
Graham drängte auf Sanktionen
Graham, der Senator aus South Carolina, war 2016 ein erklärter Gegner Trumps. Bis der ihn nach seiner erfolgreichen Präsidentschaftswahl zum Essen einlud. Seither kam Graham kein kritisches Wort mehr über die Lippen. Über die Jahre wurde er laut US-Medien zum wichtigsten außenpolitischen Berater Trumps, sogar zu einem Freund, soweit das in dessen Weltsicht möglich ist. Graham war ein sogenannter Falke, ein Verfechter von außenpolitischer Hard Power und ein entschiedener Gegner Russlands. Immer wieder versuchte er, Trump zu Sanktionen gegen Moskau zu bewegen.
Einen entsprechenden parteiübergreifenden Beschluss wollte er bis kurz vor seinem Tod im Senat durchdrücken. Seither wurde das Gesetz zweimal überarbeitet. Nun wird es ''Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026'' heißen, noch diese Woche soll die Kongresskammer darüber abstimmen. Die größten fünf Importeure von russischem Öl und Gas könnten dadurch härter bestraft werden - mit Zöllen von bis zu 100 Prozent. Auch sieht das Paket weitere Strafmaßnahmen gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und andere hochrangige Verantwortliche vor, sowie für den Energie- und Finanzsektor des Landes, das seit viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Auf Trumps Wunsch wurden dem Sanktionspaket auch Schritte gegen den Iran hinzugefügt.
"Ich hoffe, diesen Krieg auf diplomatischem Wege beenden zu können. Und je mehr Einfluss wir auf Putin haben, desto besser", hatte Graham kurz vor seinem Tod gesagt. Für die Anti-Kriegsfraktion in Trumps Wählerbasis war der Senator jedoch ein Dorn im Auge; ein Befürworter neuer Waffengänge, der dem Präsidenten permanent mit seinen Ansichten in den Ohren lag. Zugleich agierte er als ein Übersetzer Selenskyjs gegenüber Trump, als womöglich wichtigster Verbündeter Kiews im politischen Haifischbecken Washingtons, in dem der US-Präsident die größten Zähne hat.
Richtungweisende Treffen?
Am Morgen vor der Trauerfeier in der Kathedrale von Washington traf sich Selenskyj mit Trump im Weißen Haus. Der ganze Tag ist ein Belastungstest ihrer Beziehung, die 2025 denkbar schlecht mit dem Eklat im Oval Office begonnen hatte, als die beiden im öffentlichen Streit auseinandergingen, und die Graham danach zu kitten half. Können Trump und Selenskyj sich auch ohne den Vermittler mit jahrzehntelanger Erfahrung in transatlantischen Beziehungen arrangieren? Der ukrainische Präsident sagte danach, es sei ein gutes Treffen gewesen.
Danach hat sich der US-Präsident auch mit Benjamin Netanjahu beraten; das erste Mal persönlich, seit Israel und die USA im Februar gemeinsam den Iran angegriffen hatten. Trump ist nicht immer mit der Vorgehensweise seines Verbündeten einverstanden gewesen, aber er muss sich mit Netanjahu arrangieren. Ohne den ist im Nahen Osten für das Weiße Haus kaum Frieden zu erreichen. Der ist trotz aller gezeigten militärischen Härte das öffentlich erklärte Ziel Trumps. "Er ist ein großartiger Kriegspräsident", hatte Graham im Februar über den "Commander in Chief" gesagt. Wie lange noch?
Netanjahu und Selenskyj sind so etwas wie Trumps politisches Schicksalsduo. Zwei Kriege, in denen sich die geopolitische Zukunft der Welt mit entscheidet. In beiden spielen die Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle. Aber im eigenen Land, da haben die Menschen ganz andere Sorgen. Die dürften sie nicht nur in Umfragen, sondern in knapp drei Monaten auch an den Wahlurnen ausdrücken.
Quelle: ntv.de