Große Feier und volles Programm: 40 Jahre Theater im Viertel – was die Besucher beim Geburtstagsfest erwartet

Große Feier und volles Programm 40 Jahre Theater im Viertel – was die Besucher beim Geburtstagsfest erwartet

Saarbrücken · Wer da mitfeiern will, sollte Zeit mitbringen: Das Theater im Viertel zelebriert seinen 40. Geburtstag mit vielen Freunden und einem Freiluft-Blick in die Zukunft.

12.07.2026 , 19:37 Uhr

 Das Theater im Viertel ist seit rund 15 Jahren am Saarbrücker Landwehrplatz zu Hause.

Das Theater im Viertel ist seit rund 15 Jahren am Saarbrücker Landwehrplatz zu Hause.

Foto: TIV/Jutta Roth

So eine lange Strecke, das halten nicht viele durch. 40 Jahre schon gibt es das Theater im Viertel (TiV). Als 1986 ein junger Mann namens Jürgen Wönne aus Berlin nach Saarbrücken kam und in einem kleinen Ladenlokal im Nauwieser Viertel eine Bühne herrichtete, war Helmut Kohl erst vier Jahre Bundeskanzler, und in der DDR regierte Erich Honecker hinter einer Mauer, die noch recht weit von ihrem Fall entfernt war.

Die Welt war eine andere, als das heutige TiV, damals unter dem Namen Studiotheater, gegründet wurde. Ob es eine bessere Welt war? Für das TiV bräuchte man für solche Nostalgie schon eine sehr rosarote Brille. Denn das einstige Studiotheater hat sich enorm verbessert. Es residiert heute nicht mehr in einem Ladenlokal, sondern in einem richtigen, kleinen Theater, am Landwehrplatz, gleich neben der Alten Feuerwache. Und auch das Programm hat sich im Laufe der Jahre professionalisiert.

Im TiV ist Raum für alle Kunstformen. Hier zeigt auch die Tänzerin Lucynda Zwolinska (links) oft ihre Produktionen, wie hier ihr Stück „Horizont“. Auch in der kommenden Spielzeit ist sie wieder dabei.

Im TiV ist Raum für alle Kunstformen. Hier zeigt auch die Tänzerin Lucynda Zwolinska (links) oft ihre Produktionen, wie hier ihr Stück „Horizont“. Auch in der kommenden Spielzeit ist sie wieder dabei.

Foto: Silvia Buss

Aber im Herzen ist trotzdem immer noch viel vom Geist der frühen Jahre. Nicht zuletzt wegen Jutta Roth, die hier seit sechs Jahren als Geschäftsführerin aktiv ist. Sie managt das Theaterchen mit massenhaft Herzblut. Und auch ein bisschen als Familien-Mission. Denn ihr im letzten Jahr verstorbener Vater Julius gehörte zu den Mitgliedern der ersten Stunde des Studiotheaters. Als Magier mit dem Künstlernamen Nemo stand er dort auch selbst oft auf der Bühne.

Seine Tochter hat nun, gemeinsam mit einem inzwischen deutlich verjüngten Team, ein Programm fürs Jubiläum gestrickt, das das schöne Gestern, aber auch das Morgen widerspiegeln soll. Am Samstag, 22. August, wird fast rund um die Uhr gefeiert. „Bis 18 Uhr zeigen wir das 'alte' TiV“, erläutert sie im SZ-Gespräch. Da werden im Theater viele alte Bekannte auftreten, die das TiV über Jahre geprägt haben. Gabi Bernstein etwa, Amei Scheib, Ralf Peter und Thomas Layes natürlich, Ruth Boguslawski, Bob Ziegenbalg, Eva Lajko und Liedermacher Sigi Becker.

 Hier fing alles an: Unter dem Namen Studiotheater begann die Geschichte des heutigen TiV als Zimmertheater in der Nauwieser Straße.

Hier fing alles an: Unter dem Namen Studiotheater begann die Geschichte des heutigen TiV als Zimmertheater in der Nauwieser Straße.

Foto: Julius C. Schmidt

Sogar Friedhelm Schneidewind, den manche noch aus ganz frühen Studiotheatertagen kennen, wird beim Jubiläum einen Beitrag leisten. Und viele, viele mehr. Es wird ein langer Tag. Das Programm ist so voll, dass man schon um 10.30 Uhr beginnen muss.

Nach 18 Uhr verlagert sich das Jubiläumsfest dann ins Freie – und geht in Richtung Zukunft. „Wir wollen zeigen, dass das TiV auch ganz anders sein kann“, sagt Jutta Roth. Unter dem Motto „Offstage“ wird der Hof des Theaters geöffnet und bespielt. Und zwar von drei Musik-Projekten, die „nicht auf glatte Unterhaltung setzen“, wie es TiV-Vorstandsmitglied Markus Brixius formuliert. Er hat sich um dieses neue TiV-Format im Hof gekümmert und die Gruppen Dorr, Liquid Lies und The Velvet Spiral Club eingeladen.

 Klein und fein: so putzte sich das TiV heraus, als das neue Theater am Landwehrplatz eröffnet wurde.

Klein und fein: so putzte sich das TiV heraus, als das neue Theater am Landwehrplatz eröffnet wurde.

Foto: Iris Maurer

Diese drei öffnen zum Geburtstag das neue Draußen des TiV. Der Hof nämlich soll künftig stärker genutzt werden. Eine variable Bühne hat das Theater inzwischen angeschafft, auch sonst ist alles da, von Bänken bis Sonnensegel. Und in unseren allzu warmen Sommern bietet es sich ja an, öfter mal im schattigen Hof zu spielen, statt im heißen Theater.

Das Geburtstagsfest beendet die diesmal recht kurzen Theaterferien. Danach geht es gleich wieder richtig los. Der Spielplan nach der Sommerpause ist bereits gut gefüllt. Viele „alte“ Bekannte, auch aus dem Netzwerk freie Szene, werden in den kommenden Monaten im TiV auftreten.

 Der aktuelle Vorstand des TiV: Jutta Roth und Hanna Sofie Schäfer (sitzend von links) und Bernd Hassel, Meike Degand, Manuel Sattler und Markus Brixius (von links).

Der aktuelle Vorstand des TiV: Jutta Roth und Hanna Sofie Schäfer (sitzend von links) und Bernd Hassel, Meike Degand, Manuel Sattler und Markus Brixius (von links).

Foto: Zimmermann/Zippo Zimmermann

Ralf Peter ist mit seinen überaus erfolgreichen Musik-Salons dabei, das Liquid Penguin Ensemble führt eine Live-Hörspiel-Performance auf. Die Tänzerin Lucynda Zwolinska feiert Ende Januar Premiere mit ihrem neuen Tanzstück „Art.Ificial“. Auch die Reihe „Ziemlich beste Chansons“ mit Gastspielen ausgesuchter französischer Musikerinnen und Musiker geht weiter.

Es gibt Lesungen, Konzerte, Kleinkunst. Und ganz zum Anfang der Saison sogar ein Gastspiel, das Freunde des literarischen Kabaretts freuen dürfte: Johannes Kirchberg, viele Jahre Stammgast im leider geschlossenen Theater Leidinger, kommt am 6. September mit seinem Kästner-Programm „So groß war die Zeit noch nie“.

Zum Saison-Auftakt wird manchem das TiV außerdem auch noch spanisch vorkommen. Mit gutem Grund. Das Theater hat die neue Reihe „Protagonistas“ mit Aufführungen in spanischer Sprache eingeführt. „Das ist ein Experiment“, sagt Jutta Roth. Der Grund für dieses Experiment hat einen Namen: Cecilia Paladines. Die aus Venezuela stammende Saarbrücker Theaterfrau hat zuletzt mit ihren dokumentarischen Theaterprojekten mit eingewanderten Pflegekräften viel Aufmerksamkeit erregt und hat sich seit einiger Zeit dem TiV angeschlossen. Hier zeigt sie im September auch ihr eigenes neues Stück, „Hola, Heimweh“, in dem wieder echte Biografien zu Theater werden.

Viel, viel mehr gibt es noch im TiV – da sind etwa die überaus erfolgreichen Kinder- und Jugendclubs. „Die Nachfrage ist so groß, ich könnte noch drei machen“, sagt Jutta Roth. Im Juli gibt es auch noch ein Theater Kids Camp zum Thema Computerspiele. Es gibt ein Liedermacherfestival, Weihnachtsshows, das Festival Loostik gastiert im November. Dazu gibt es jede Menge Konzerte, darunter die Jazzreihe von Cordula Hamacher und das Solo-Jubiläum von Zippo Zimmermann im November.

Nur ein Erfolgsprodukt des TiV, Roths Herzensprojekt „Schule und Bildung“ ist leider noch nicht weiter gesichert. Bei den Schulen kam das Konzept, eine Mischung aus Theaterbesuch und Workshop zu gesellschaftlich relevanten Fragen, zwar gut an, aber die weitere Finanzierung ist nicht klar, „wir sind da noch auf Geldsuche“, meint Roth.

Aber wahrscheinlich werden die TiVler auch dafür eine Lösung finden. Die nächsten 40 Jahre, sie fangen jetzt an. (oli)

Das Jubiläumsfest des TiV ist am 22. August, ab 10.30 Uhr. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Es sind aber Spenden hoch willkommen. Denn das TiV knabbert immer noch an den Folgen des verheerenden Wasserschadens vor ein paar Monaten. Infos unter www.dastiv.deFür Kinder ab 8 Jahre gibt es noch in den Sommerferien ein Theater-Kids-Camp vom 20. bis 24. Juli, mit Stückentwicklung und Aufführung. Anmeldung hierzu unter [email protected]