Große Konzert-Reihe in Düsseldorf: Warum Deutschland die Backstreet Boys so liebt

Große Konzert-Reihe in Düsseldorf Warum Deutschland die Backstreet Boys so liebt

26.09.2026 · 19:01 Uhr

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Backstreet Boys zeigen sich vor dem Breidenbacher Hof

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Foto: Wolfgang Harste

Analyse | Düsseldorf · Seit dem 25. September spielen die Backstreet Boys Konzerte in Düsseldorf, insgesamt zehn an der Zahl. Für die fünf Musiker aus Orlando ist es eine Heimkehr, denn Deutschland feierte sie von Anfang an. Warum hält diese Liebesbeziehung seit mehr als 30 Jahren?

Fünf junge Männer in schwarzen Trenchcoats. Sehr langen schwarzen Trenchcoats. Es ist der 9. November 1996, die Backstreet Boys sind zu Gast bei „Wetten, dass..?“. Im Publikum wird gekreischt, als hinge vom Dezibel-Pegel die Zukunft der Popmusik ab. Thomas Gottschalk versucht es mit pädagogischen Mitteln. „Okay, wir machen einen Deal“, sagt er in Richtung der Fans. „Die Backstreet Boys bleiben so lange hier, so lange ihr brav seid.“

30 Jahre später sind die fünf noch immer da. Und Deutschland ist offenbar noch immer nicht brav. Zehn Konzerte spielen die Backstreet Boys zwischen dem 25. September und 7. Oktober in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena. Ursprünglich waren sechs geplant. Mehr als 400.000 Tickets sind verkauft. Wir berichten im Liveblog. Es sind ihre einzigen Europa-Konzerte 2026. „Into The Millennium – Homecoming: Live in Germany“ heißt das Ganze. Heimkehr also. Aber wohin kehrt man heim, wenn man aus Orlando in Florida kommt?

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Backstreet Boys in Düsseldorf – So gut war das erste Konzert

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Foto: Anne Orthen

Bei den Backstreet Boys ist die Antwort gar nicht so kompliziert. Deutschland gehörte zu den Ländern, die die fünf liebten, bevor ihre amerikanische Heimat so recht wusste, was sie mit ihnen anfangen sollte. Die erste Single „We've Got It Goin' On“ kam in den USA gerade einmal auf Platz 69. In Deutschland erreichte sie Platz vier. Bravo, Viva, Poster, Starschnitte: Die Teenager-Maschinerie lief. 1996 standen gleich vier ihrer Songs in den Bravo-Jahrescharts. Als sie im November bei Gottschalk auf dem Sofa Platz nahmen, musste er niemandem mehr erklären, wer da saß.

Die Backstreet Boys waren bis ins Detail konstruiert. Aber eben verdammt gut

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Das waren die Styles der Backstreet-Boys-Fans vor dem ersten Konzert

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Foto: Anne Orthen

Vielleicht liegt darin ein Missverständnis über Boybands. Man kann sie zusammenstellen. Man kann Rollen verteilen. Den Blonden. Den Dunklen. Den Frechen. Den Sensiblen. Den etwas Älteren. Man kann Choreografien einstudieren und Fotografen sagen, wer vorne stehen soll. Nur eines lässt sich schwer planen: dass die Songs 30 Jahre später noch immer funktionieren.

Holla die Waldfee, und wie sie bei den Backstreet Boys funktionieren. Daran ist ein Schwede nicht ganz unschuldig. Max Martin wurde spätestens beim 1999 erschienenen Album „Millennium“ beinahe zum sechsten Backstreet Boy. An sieben der zwölf Stücke war er beteiligt, darunter „Larger Than Life“ und ein Song, dessen Text bis heute nicht vollkommen logisch sein muss, weil ohnehin jeder den Refrain kennt: „I Want It That Way“.

Über Boybands wurde gern so gesprochen, als bestünde ihre Musik hauptsächlich aus Frisuren. Natürlich waren die Backstreet Boys bis ins Detail konstruiert. Aber sie waren eben verdammt gut konstruiert. Vor allem konnten die fünf singen. Mehrstimmig. Einer beginnt, der Nächste übernimmt, die Harmonien öffnen sich, schließlich kommt der Refrain. Pop nach Bauplan. Nur ein ziemlich guter Bauplan.

Die fünf wollten trotzdem irgendwann mehr sein als die Gesichter vor der Maschine. Schon auf „Millennium“ schrieben Bandmitglieder an Songs mit, später wurde ihr Anteil größer. Der Sound veränderte sich ebenfalls: weniger Teen-Pop, mehr Gitarren, Rock und Adult Pop. Aus fünf Sängern in einer perfekt geölten Popmaschine wurden Musiker, die zunehmend lernten, die Maschine selbst zu bedienen. Und manchmal gegen sie anzutreten. Ende der Neunziger stritten sie mit ihrem Manager Lou Pearlman um Geld und Kontrolle.

Später kamen andere Sollbruchstellen hinzu. AJ McLean kämpfte mit Suchtproblemen, die Band legte Pausen ein, Kevin Richardson stieg 2006 aus und kehrte sechs Jahre später zurück. Möglichkeiten, sich endgültig zu zerlegen, gab es genug. Aber: Sie taten es nicht. Vielleicht ist das eines ihrer größeren Geheimnisse. Irgendwann mussten die Backstreet Boys nicht mehr beweisen, dass sie noch immer Boys sind.

Die Boys sind gemeinsam mit ihrem Publikum älter geworden

Februar 2025. „NBC, ‚Today‘.“ Wieder sitzen dort dieselben fünf Männer. Diesmal keine schwarzen Trenchcoats. Die Backstreet Boys tragen Engelsweiß. Carson Daly, der schon Ende der Neunziger bei MTV dabei war, als die Teen-Pop-Welle durch Amerika schwappte, spricht das inzwischen offensichtliche Problem an: das Wort „Boys“. Die fünf hätten behauptet, sagt er, ‚Boy‘ könne schließlich auch Freund oder Kumpel bedeuten. Howie Dorough hat die bessere Antwort. Früher, scherzt er, habe es in den Clubs Bottle Service gegeben. Heute gebe es hinter der Bühne Baby Bottle Service.

Man könnte kaum schöner erklären, was mit dieser Band passiert ist: Sie ist älter geworden. Gemeinsam mit ihrem Publikum. Niemand erwartet ernsthaft, dass fünf Männer zwischen Mitte 40 und Mitte 50 noch so tun, als müssten sie nach dem Konzert heimlich zurück ins Elternhaus. Stattdessen machen sie den Widerspruch ihres Bandnamens selbst zum Witz. Und nehmen damit jedem anderen die Pointe weg.

Ein halbes Leben in drei Minuten

Brian Littrell sagt in demselben Interview einen Satz, der zunächst nach Musikerweisheit aus dem Handbuch klingt: „Alles beginnt und endet mit der Musik.“ Vielleicht hat er recht. Denn Nostalgie braucht etwas, woran sie hängen kann. Eine Frau, die 1999 ein Nick-Carter-Poster über ihrem Bett hatte, kann heute über die Frisur darauf lachen. Sobald die ersten Takte von „I Want It That Way“ laufen, ist die Sache komplizierter. Ein Song speichert drei Minuten Musik. Manchmal speichert er nebenbei ein halbes Leben.

Die Backstreet Boys haben verstanden, was sie da besitzen. Ihre aktuelle Show heißt nicht zufällig „Into The Millennium“. Seit Sommer 2025 spielen sie das Programm in der Sphere in Las Vegas. Inzwischen haben dort nach Angaben der Band mehr als 750.000 Zuschauer die Shows besucht. Viele erscheinen ganz in Weiß. Wie die fünf auf dem Cover von „Millennium“. Und nun Düsseldorf: zehn Stadionabende, mehr als 400.000 verkaufte Tickets. Natürlich ist das Nostalgie. Nick Carter sagt im „Today“-Interview selbst ziemlich unverstellt, dass das Ende der Neunziger für die Band die beste Zeit gewesen sei. Der Unterschied ist nur: Aus der privaten Erinnerung von Millionen Menschen ist wieder ein Massenereignis geworden.

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Backstreet Boys Pop-up-Fanshop in Düsseldorf öffnet – erste Fans stehen in der Schlange

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Foto: Michelle Tempels

Zurück an einen Ort, an dem Bravo-Poster an Wänden hingen

Vielleicht funktioniert das gerade deshalb, weil die Backstreet Boys ihre Vergangenheit nicht bekämpfen. Sie spielen „I Want It That Way“, statt so zu tun, als wollten die Leute unbedingt die dritte Single des vorletzten Albums hören. Sie tragen Weiß. Sie erzählen Witze über Babyfläschchen. Und sie lassen ihr Publikum für ein paar Stunden wieder an einen Ort zurück, an dem Bravo-Poster an Wänden hingen und Thomas Gottschalk noch glaubte, mit kreischenden Teenagern verhandeln zu können.

Am Ende des „Today“-Interviews passiert etwas Bemerkenswertes. Die Kamera schwenkt weg von Carson Daly und den fünf Männern, nach hinten ins Studio. Dort stehen Menschen. Viele Menschen. Mitarbeiter der Sendung haben sich versammelt, um das Interview zu verfolgen. In einem Fernsehstudio, durch das ständig Prominente laufen, stehen sie herum und schauen den Backstreet Boys zu. Fast drei Jahrzehnte zuvor hatte Thomas Gottschalk den kreischenden Mädchen versprochen, die fünf würden bleiben, wenn sie sich benehmen. Die Backstreet Boys sind geblieben. Brav war offenbar nicht nötig.

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