Großer Arbeitgeber zieht in Neubau: Sozialversicherung hat für 23 Millionen Euro an Frankfurter Straße gebaut
Stand: 29.08.2026, 07:00 Uhr
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Von der Frankfurter Straße kaum erkennbar, ist in der Südstadt ein neuer Bürokomplex entstanden.
Kassel – Wer an große Arbeitgeber in Kassel denkt, hat vielleicht GNH, K+S oder KNDS im Kopf, aber kaum jemand hat die SVLFG auf dem Schirm. Dahinter verbirgt sich die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, die an ihrem Hauptsitz in Kassel 1200 Menschen beschäftigt. Damit für diese genug Büroflächen zur Verfügung stehen, wurde für 23 Millionen Euro am Verwaltungsstandort an der Frankfurter Straße ein Anbau für 200 Mitarbeiter geschaffen. Viele von diesen waren zuletzt stärker auf das Homeoffice angewiesen. Der Neubau, der auch sechs große Konferenzräume beherbergt, wird kommenden Donnerstag mit über 800 Gästen eingeweiht.
Dass der Bekanntheitsgrad der SVFLG in Kassel ausbaufähig ist, räumt auch die stellvertretende Geschäftsführerin Nicole Sadtkowski-Männel ein. Es werde daran gearbeitet, dies zu ändern. Denn was die 1200 Kolleginnen und Kollegen der Sozialversicherung leisten, hat bundesweite Bedeutung. 1,4 Millionen Unternehmen – darunter Landwirte, Gartenbaubetriebe und Forstwirte – sind bei dem Versicherungsträger abgesichert. „Von der Hallig im Wattenmeer bis zur Alm in den Bergen reicht unsere Bandbreite“, sagt Sadtkowski-Männel. Zu den Versicherten gehörten auch Promis, die nebenbei Land oder einen Wald bewirtschafteten. Das Komplettpaket aus Unfall-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Alterskasse gebe es in dieser Form für keine anderen Branchen in Deutschland. Neben der körperlichen Gesundheit, spielt die psychische Gesundheit eine immer größere Rolle. „Die Höfe werden größer und damit steigen die Belastungen der Landwirte“, so Sadtkowski-Männel. Es werde viel in die Prävention der Versicherten investiert.

Die Sozialversicherung – die in Kassel früher als Gartenbauberufsgenossenschaft bekannt war – hat einen organisatorischen Umbau hinter sich. 2013 wurden die ehemals eigenständigen regionalen landwirtschaftlichen Sozialversicherungen vereint. Heute arbeiten für die SVLFG deutschlandweit 5000 Mitarbeiter. Der Hauptsitz blieb in Kassel, wobei die Verwaltung auch hier räumlich zusammenrückte. Die früheren Standorte an der Goethe-, Murhard- und Luisenstraße wurden verkauft. Mehrere dieser Immobilien werden von den Käufern derzeit zu Wohnraum umgebaut. Neben dem Verwaltungsgebäude in der Südstadt blieb die Hauptverwaltung an der Weißensteinstraße am Rammelsberg erhalten. Dort befindet sich auch ein Seminar für die Auszubildenden (25 neue pro Jahr) und ein Standort der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, an dem angehende Diplom-Verwaltungswirte (60 Studienanfänger pro Jahr) studieren.
Der Neubau an der Frankfurter Straße hat eine längere Geschichte. Begonnen haben die Arbeiten 2020. „Wir sind in die Pandemie geraten“, sagt Sadtkowski-Männel. Dies habe zu Personalproblemen bei den Baufirmen geführt, weil aus dem Ausland keine Fachkräfte mehr kommen konnten. Es sollte nicht die einzige Hürde werden. Auch der nicht besonders tragfähige Baugrund – in dem eine Erweiterung der Tiefgarage untergebracht wurde – sorgte für Bauverzug. Nicht zuletzt machte sich der Ukrainekrieg bemerkbar. Umso froher sind die Mitarbeiter, dass nach fünf Jahren Bauzeit alles fertig ist und die 135 Büros bezogen werden konnten.
Möglicherweise wird es am Standort auf dem Rammelsberg in einigen Jahren wieder eine Baustelle geben. „Da sind wir in Gesprächen mit der Stadt“, sagt Sadtkowski-Männel. Eine Option sei der Ausbau zum Tagungszentrum, das auch anderen offenstehen könne.
Meiste Unfälle in Landwirtschaft
Obwohl die Maschinen immer besser und damit auch sicherer werden, hat die SVLFG im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft bearbeitet – 58 davon verliefen tödlich. Im Gartenbau wurden 17.600 Unfälle gemeldet, aus der Forstwirtschaft 4.450 und aus der Jagd 460. Den höchsten Anteil tödlicher Unfälle gibt es in der Forstwirtschaft. Dort waren es 2025 insgesamt 24.