Das schützt Ihren Garten wirklich: Experten wissen, dass es nicht die Gießkanne ist
Großer Sommer-Irrtum im Garten: Experte verrät – diese Maßnahme schützt Pflanzen besser als Gießen
Stand: 31.07.2026, 07:24 Uhr
Viele Hobbygärtner machen im Sommer einen großen Fehler. Experten verraten, was Pflanzen wirklich rettet – und es ist nicht die Gießkanne.
Kassel – Wenn die Temperaturen steigen und der Boden sich in harte Erde verwandelt, greifen die meisten Hobbygärtner reflexartig zur Gießkanne. Das ist verständlich – aber oft nicht ausreichend. Denn wer glaubt, allein mit regelmäßigem Wässern seinen Garten durch heiße Sommertage zu retten, unterliegt einem weit verbreiteten Irrtum. Fachleute sind sich einig: Es gibt eine Maßnahme, die langfristig deutlich wirksamer ist.

Der Klimawandel macht trockene und heiße Sommer in Deutschland zur neuen Normalität. Laut einer bundesweiten Umfrage im Auftrag des MDR Garten aus dem Jahr 2020 rechnet bereits ein gutes Drittel der befragten Gartenbesitzer damit, dass sich Anbau und Pflege im Garten wegen des Klimawandels verändern müssen. Die Frage ist nur: Wie? Und was schützt Pflanzen wirklich besser als das tägliche Gießen?
Das eigentliche Problem: der nackte, ungepflegte Boden
Der britische Gartenexperte und BBC-Moderator Monty Don, langjähriger Gastgeber der Sendung Gardeners‘ World, bringt es auf den Punkt: Entscheidend für einen widerstandsfähigen Garten ist nicht die Menge des aufgebrachten Wassers, sondern die Fähigkeit des Bodens, Feuchtigkeit überhaupt zu speichern. In einem Podcast des BBC Gardeners‘ World Magazine betonte Don, dass Pflanzen möglichst nicht dauerhaft darauf angewiesen sein sollten, von außen mit Wasser versorgt zu werden. Ein Boden, der reich an organischer Substanz ist, halte Feuchtigkeit wie ein Schwamm und versorge die Wurzeln auch in Trockenphasen ausreichend, berichtet Chip.de.
Auch ZDF-Gartenexperte Elmar Mai, bekannt aus der Sendung Volle Kanne, erklärt das physikalische Prinzip dahinter: Scheint die Sonne auf unbedeckten Boden, entstehen feine Kapillaren, die das Wasser nach oben ziehen – wo es dann verdunstet. Das Ergebnis: Die Erde trocknet von innen heraus aus, selbst wenn man regelmäßig gießt.
Mulchen: Das unterschätzte Wundermittel gegen Sommerhitze
Die Lösung heißt: Mulchen. Gemeint ist das Abdecken des Bodens mit einer Schicht organischen Materials – etwa Rasenschnitt, Stroh, Rindenmulch oder angetrocknetem Kompost. Diese Maßnahme bringe gleich mehrere Vorteile: Sie kühlt den Boden, mindert die Verdunstung deutlich und führt gleichzeitig dem Boden Nährstoffe zu.
MDR-Gartenexperten empfehlen eine Mulchschicht von fünf bis zehn Zentimetern Höhe. Rasenschnitt sollte dabei nicht in der Biotonne landen, sondern direkt zwischen den Gemüsepflanzen verteilt werden – er liefert wertvolle Nährstoffe und schützt die Feuchtigkeit im Boden. Wichtig dabei: Die oberste Bodenschicht sollte vorher flach gehackt werden, um die Kapillaren zu unterbrechen und so den Wasserverlust aus tieferen Schichten zu stoppen.
Garten-Tipps für den Sommer: Weniger, aber gründlicher gießen
Mulchen ersetzt das Gießen nicht vollständig – aber es verändert, wie man sinnvoll gießt. Ein häufiger Fehler ist laut Monty Don das oberflächliche, häufige Wässern: Das Wasser dringt nicht tief genug in den Boden, verdunstet rasch und gewöhnt die Pflanzen an eine ständige Wasserversorgung von außen. Stattdessen empfiehlt er seltenes, aber gründliches Gießen – sodass die Feuchtigkeit wirklich in die Tiefe gelangt. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Die Wurzeln wachsen tiefer und werden widerstandsfähiger gegen Trockenphasen.
ZDF-Experte Elmar Mai ergänzt: Wer morgens gießt, imitiert den natürlichen Tau, an den viele Pflanzen angepasst sind. Wer morgens keine Zeit hat, sollte bis zum Abend warten. Die Mittagsstunden sind dagegen die schlechteste Zeit – Sonne und Hitze lassen das Wasser besonders schnell verdunsten, bevor es den Wurzeln zugutekommen kann.
Boden langfristig verbessern: Kompost und Humus als Investition
Neben dem Mulchen rät Monty Don zu einer langfristigen Verbesserung der Bodenqualität durch den Einsatz von Kompost und organischer Substanz. Ein humusreicher Boden speichert Wasser und Nährstoffe deutlich besser als ausgelaugter, verdichteter Untergrund. Der Effekt ist nachhaltig: Wer heute in seinen Boden investiert, braucht in den nächsten Sommern deutlich weniger zu gießen.
MDR-Gartenexpertin Steffi Knoblauch weist außerdem darauf hin, dass man beim Säen von Gemüse auf direkte Aussaat ins Beet setzen sollte, statt auf vorgezogene Pflanzen aus dem Gewächshaus. Direkt ausgesäte Pflanzen entwickeln ein tieferes, kräftigeres Wurzelsystem – und kommen mit Trockenheit von Natur aus besser zurecht.
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Fazit: Umdenken lohnt sich für den Garten
Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Wer seinen Garten durch heiße Sommer bringen will, sollte den Fokus verschieben – weg vom reflexartigen Gießen, hin zur aktiven Bodenpflege. Mulchen, Hacken und Kompostieren sind keine Geheimtipps, sondern bewährte Methoden, die Pflanzen nachhaltiger schützen als jede noch so fleißige Gießroutine. Der Boden ist das Fundament – wer ihn pflegt, spart am Ende Wasser, Zeit und Nerven. (Quellen: Zdf.de, Mdr.de, Chip.de, eigene Recherche) (str)