Hache bei Weyhe zieht seit neun Jahren wieder ihre Kurven – nach Karten von 1860
Stand: 30.07.2026, 12:47 Uhr
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Bei Weyhe ist ein begradigter Abschnitt der Hache ab 2017 renaturiert worden. Historische Karten gaben den neuen Verlauf vor. Ein Ortstermin mit Thomas Brugger vom Nau Weyhe.
Weyhe – Nur wenige Meter vom Weyher Freibad entfernt schlängelt sich die Hache durch die Landschaft. Hohe Gräser säumen das Ufer, Erlen wachsen bis an den Fluss heran und zahlreiche Pflanzen haben den renaturierten Abschnitt inzwischen erobert. Dass der Fluss hier heute wieder Kurven zieht, ist kein Zufall. Der Verlauf wurde bewusst an sein früheres Bett angenähert.
Thomas Brugger kennt die Geschichte dieses Abschnitts genau. Der ehemalige Vorsitzende des Nabu Weyhe beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Hache und ihrer Umgebung. Schon als Kind und Jugendlicher habe er viel Zeit in der Natur verbracht, erzählt er bei einem Rundgang entlang des Flusses.
Auf 37 Kilometern Flusslänge sind diese 375 Meter nur ein kleiner Abschnitt.
Seine Idee für die Renaturierung entstand 2015: „Laufverlängerung des Fließgewässers Hache“. Der Nabu Weyhe wollte einen begradigten Abschnitt der Hache wieder naturnäher gestalten. „Nach kleineren Maßnahmen mit den Strömungslenkern habe ich mich gefragt, ob man nicht auch einmal etwas Größeres machen kann“, erinnert sich Brugger.

Gemeinsam mit der Gemeinde Weyhe, dem Hache-Hombach-Gewässerverband und dem Landkreis Diepholz entwickelte der Nabu ein Konzept für die Umgestaltung. Die Gemeinde stellte dafür eine knapp einen Hektar große Fläche zur Verfügung. Finanziert wurde das Projekt mit insgesamt rund 18.200 Euro durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.
Grundlage der Planung waren historische Karten und Luftbilder. Sie zeigten, dass sich die Hache vor ihrer Begradigung im Jahr 1897 deutlich stärker schlängelte. Ein Kartenausschnitt aus den Jahren zwischen 1830 und 1860 diente schließlich als Vorlage für den neuen Verlauf des Flusses.
Im Jahr 2017 begannen die Bauarbeiten. Der zuvor rund 230 Meter lange Flussabschnitt wurde auf 375 Meter verlängert. Das Flussbett wurde bewusst schmaler und tiefer angelegt, damit sich die Hache künftig wieder eigenständig entwickeln kann. Strömung und Ufer verändern sich seitdem auf natürliche Weise.
Die ehemaligen Fluss-Schlingen blieben als Altarme erhalten und übernehmen bei extremen Hochwasserereignissen weiterhin eine wichtige Überlauffunktion. Zusätzlich entstanden zwei Stillgewässer. Sie führen nur zeitweise Wasser und bieten dadurch ideale Bedingungen für Amphibien, Libellen und zahlreiche Insektenarten, da sich dort keine Fische dauerhaft ansiedeln können.
Auch innerhalb des Flusses wurde die Struktur gezielt verbessert. Eingebrachte Kiesflächen dienen als Laichplatz, Baumstämme am Ufer lenken die Strömung, schaffen unterschiedliche Tiefen und bieten Fischen Rückzugsorte.
Wie groß der ökologische Erfolg inzwischen genau ist, lasse sich zwar nicht in Zahlen ausdrücken, sagt Brugger. Erste Entwicklungen seien jedoch deutlich sichtbar. Im Bereich der Hache wurden bereits Fischotter und Biber nachgewiesen. Gleichzeitig habe sich die Gewässerstruktur gegenüber dem früheren begradigten Verlauf deutlich verbessert.
Für Brugger ist die Renaturierung dennoch nur ein erster Schritt. Auf den Karten sei zu erkennen, dass der natürliche Verlauf der Hache deutlich länger gewesen sei. „Auf 37 Kilometern Flusslänge sind diese 375 Meter nur ein kleiner Abschnitt“, sagt er.
Grundsätzlich könne er sich vorstellen, weitere Abschnitte zu renaturieren. Derzeit scheitere das jedoch vor allem daran, dass die angrenzenden Flächen überwiegend in Privatbesitz sind. Der jetzt umgestaltete Bereich konnte nur umgesetzt werden, weil die benötigten Grundstücke der Gemeinde gehörten. Sollten künftig weitere Flächen zur Verfügung stehen, könnte der naturnahe Ausbau der Hache fortgesetzt werden.