Haftstrafen im Prozess um rechtsextreme "Letzte Verteidigungswelle"
Brandanschlag in Altdöbern
Haftstrafen im Prozess um rechtsextreme “Letzte Verteidigungswelle”
Im Prozess gegen sieben Mitglieder und einen Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe "Letzte Verteidigungswelle" hat ein Hamburger Gericht am Mittwoch Haftstrafen zwischen anderthalb und fünf Jahren verhängt.
Die Angeklagten wurden - neben Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Vereinigung - unter anderem wegen versuchten Mordes, Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung gefällt.
Die Verurteilungen nach den zur Tatzeit jugendlichen und heranwachsend Angeklagten ergingen nach Jugendstrafrecht. Sie waren zur Tatzeit zwischen 14 und 21 Jahre alt. Noch immer sind vier der Verurteilten minderjährig. Die Strafe für den jüngsten Angeklagten, anderthalb Jahre Haft, wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Nach Überzeugung des Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg verübte und plante die Gruppe Brand- und Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberheime und linke Einrichtungen. Außerdem sollen Mitglieder sogenanntes "Pädo-Hunting" - also Jagd auf Menschen, die sie für Pädophile hielten - gemacht haben.
Die Beschuldigten können gegen das Urteil innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen.
Verhandlung ohne Öffentlichkeit
28 Tage hatte der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichtes verhandelt - aufgrund des jungen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst zum Urteil waren wieder Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen.
Große Razzia in mehreren Bundesländern
Die Bundesanwaltschaft hatte schwere Vorwürfe gegen die Jugendlichen und jungen Männer erhoben: Sie sollen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung sein oder diese unterstützt haben. Vier von ihnen waren zudem wegen versuchten Mordes angeklagt, andere wegen Beihilfe dazu.
Laut Anklage hatte die Gruppe "Letzte Verteidigungswelle" zum Ziel, das politische System in Deutschland zu stürzen. Die Bundesanwaltschaft hatte den angeklagten einen Brandanschlag auf ein Kulturzentrum in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) zugerechnet, außerdem einen versuchten Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Thüringen, ein weiterer Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) soll in Planung gewesen sein. Die mutmaßlichen Neonazis sollen sich über Chatgruppen organisiert haben.
Vor einem Jahr hatte die Bundesanwaltschaft eine große Razzia gegen die Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Hessen durchgeführt. Eine weitere Razzia gab es diesen März, als der Prozess gegen die Angeklagten bereits lief.
Kulturhaus mit Kultstatus
Das Kulturhaus "Kultberg" in Altdöbern war im Oktober 2024 vollständig ausgebrannt. Zunächst war ein technischer Defekt als Ursache angenommen worden, später kam aber heraus, dass zwei Jugendliche für den Brand verantwortlich sein könnten.
Das Veranstaltungshaus, zu dem auch ein Jugendclub gehörte, genoss in der Region einen Kultstatus. Das frühere Schützenhaus war einst ein bedeutendes Kulturhaus in der Region, legendär vor allem bei Liebhabern der Blues-Musik. Zu DDR-Zeiten pilgerten Hunderte an den Wochenenden zu Konzerten auf den Weinberg.
Sendung: Antenne Brandenburg, 05.08.2026, 13.00 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg, 05.08.2026, Luise Burkhardt