Hagelkörner wie Tennisbälle, vollgelaufene Keller: Extreme Gewitter könnten bald zur Normalität werden

Stand: 14.07.2026, 19:30 Uhr

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Ein heller Blitz am Abendhimmel neben bedrohlichen Wolken.

Der Klimawandel begünstigt extreme Unwetter. © Imago/Gottfried Czepluch

Hagelkörner, groß wie Tennisbälle, vollgelaufene Keller und im Hochwasser gestrandete Autos: Extreme Gewitter haben Norddeutschland heimgesucht. Solche Wetterlagen könnten durch den Klimawandel bald Alltag werden.

Wie definiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein extremes Gewitter?

Laut DWD weist ein extremes Gewitter Hagelschlag und extrem heftigen Starkregen (ab 70 Millimetern pro Quadratmeter in 12 Stunden) auf. Dazu kommen orkanartige Böen und Tornadogefahr. Der DWD warnt bei solchen Gewittern vor großer Gefahr durch Blitzeinschläge, umstürzende Bäume, Gebäudeschäden und schnelle Überflutungen.

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Zudem können Verkehrsbehinderungen, Aquaplaning und Erdrutsche auftreten. Der DWD empfiehlt, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden, sichere Räume aufzusuchen, Fenster und Türen zu schließen, Gegenstände zu sichern und die Warnungen über offizielle Kanäle zu verfolgen.

Wie entstehen Gewitter?

Bei einem Gewitter müssen mehrere meteorologische Faktoren gleichzeitig zusammenkommen. Eine wichtige Rolle spielt warme, feuchte Luft, die vom Boden aufsteigt und sich in der Höhe abkühlt. Dabei entstehen große Gewitterwolken, in denen starke Aufwinde große Mengen Wasser und Eiskristalle transportieren.

Treffen solche energiereichen Luftmassen auf kältere Luftfronten, wird die Atmosphäre zusätzlich instabil. Dadurch können sich heftige Gewitter mit Starkregen, Sturmböen oder großen Hagelkörnern entwickeln.

Der Klimawandel als Treiber

Der Klimawandel gilt als eine der größten Ursachen für die zunehmende Häufigkeit extremer Gewitter und Unwetter. Durch den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur erwärmen sich Meere, Böden und die Atmosphäre. Dadurch verdunstet mehr Wasser, worauf es als Wasserdampf in die Luft gelangt. Ferner kann wärmere Luft deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kältere Luft.

Steht diese feuchtigkeitsreiche Luft unter bestimmten Wetterbedingungen auf und kühlt anschließend ab, kann die gespeicherte Wassermenge in kurzer Zeit als Starkregen niedergehen. Dadurch steigt das Risiko für Überschwemmungen, vollgelaufene Keller und Sturzfluten.

Neben stärkeren Niederschlägen begünstigt der Klimawandel auch andere extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und schwere Gewitter. Messungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass die Häufigkeit von Starkniederschlägen, die über einen Zeitraum von 24 Stunden anhalten, in Deutschland zwischen 1951 und 2016 um rund 25 Prozent zugenommen hat.

Klimaforscher erwarten, dass sich dieser Trend in Zukunft weiter verstärken wird, da eine wärmere Atmosphäre mehr Energie und Feuchtigkeit für die Entstehung extremer Wetterlagen bereitstellt.

Warum Norddeutschland besonders gefährdet ist

Norddeutschland gehört aufgrund seiner geografischen Lage zu den Regionen, die besonders anfällig für schwere Unwetter sind. Die weitgehend flache Landschaft bietet starken Winden und Sturmböen nur wenig natürlichen Widerstand, sodass sich hohe Windgeschwindigkeiten über große Entfernungen entwickeln können. Gleichzeitig liefern Nordsee und Ostsee zusätzliche Feuchtigkeit. Diese begünstigt bei bestimmten Wetterlagen die Entstehung kräftiger Niederschläge.

Eine wichtige Rolle spielen auch Tiefdruckgebiete, die häufig über Norddeutschland hinwegziehen. Können diese sich über der Region nur langsam verlagern, bleiben die wetterbestimmenden Bedingungen länger bestehen. Dadurch können über viele Stunden anhaltender Starkregen, stürmische Winde oder andere extreme Wetterereignisse entstehen, die besonders in küstennahen Gebieten erhebliche Auswirkungen haben können.

Der Einfluss des Jetstreams auf Unwetter

Der Jetstream ist ein mehrere Kilometer hoher Starkwind, der die Wetterentwicklung auf der Nordhalbkugel maßgeblich beeinflusst. Er entsteht durch die Temperaturunterschiede zwischen den kalten Polargebieten und den wärmeren Regionen der mittleren Breiten. Hierdurch lenkt er Tiefdruckgebiete sowie Hochdruckgebiete über Europa.

Durch den Klimawandel verändern sich jedoch die Bedingungen, unter denen der Jetstream entsteht. Die Erwärmung der Arktis verringert den Temperaturunterschied zwischen Norden und Süden. Hierdurch kommt es vor, dass der Höhenwind sich verlangsamt und stärkere Kurven beschreibt. Die dadurch entstehenden großen Wellen im Jetstream können dazu führen, dass Wetterlagen länger an einer Stelle verharren. Wenn sich ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet über mehrere Tage kaum bewegt, können sich extreme Wetterereignisse verstärken.

Forschende des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben nachgewiesen, dass solche langlebigen Wetterlagen in den vergangenen Jahrzehnten häufiger aufgetreten sind. Ihre Studien zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen den Veränderungen des Jetstreams und dem Klimawandel. Dadurch kann das Risiko für lang anhaltende Wetterextreme wie Starkregenereignisse oder Hitzewellen steigen.

Die Warnfarben des Deutschen Wetterdienstes

Die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden mithilfe einer mehrstufigen Farbskala dargestellt. Diese zeigt, wie gefährlich eine erwartete Wetterlage ist und welche Auswirkungen möglich sind. Gelb (Stufe 1) steht für eine normale Wetterwarnung: Es können zwar wetterbedingte Gefahren auftreten, außergewöhnliche Ereignisse sind jedoch unwahrscheinlich. Orange (Stufe 2) kennzeichnet „markantes Wetter“, bei dem örtlich Schäden möglich sind und besondere Vorsicht empfohlen wird.

Die Farbe Rot (Stufe 3) bedeutet, dass sehr gefährliche Wetterbedingungen erwartet werden, die weitreichende Schäden verursachen können. Diese höchste Warnstufe (lila/dunkelrot) wird nur etwa ein Dutzend Mal im Jahr ausgerufen. Auch die Stärke von Gewittern wird in den Farben Gelb (Blitze und Windböen), Orange, Rot und Lila/Dunkelrot angegeben.

Für spezielle Wetterwarnungen verwendet der Deutsche Wetterdienst weitere Farben. Für Hitze werden die Farben Rosa (gefühlte Temperatur über 32 Grad Celsius, nur geringe nächtliche Abkühlung) und Lila (gefühlte Temperatur über 38 Grad Celsius) verwendet. Während der Hitzewelle Mitte Juni vergab der DWD für zahlreiche Teile Deutschlands die Warnstufe Lila. Zusätzlich veröffentlicht der DWD schraffierte Vorabinformationen, wenn eine gefährliche Wetterentwicklung wahrscheinlich ist, aber noch nicht detailliert vorhergesagt werden kann.