Haltung zeigen: BRIGITTE Award ehrt sieben Frauen für ihren Einsatz
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Roter Teppich, Standing Ovations und viele klare Worte: In Berlin hat das Magazin BRIGITTE, das zur FUNKE Mediengruppe gehört, den BRIGITTE Award 2026 verliehen. Bereits zum dritten Mal zeichnete das Magazin Frauen aus, die sich mit Mut, Tatkraft und Überzeugung für Demokratie und Menschlichkeit einsetzen. Sie stellen sich gegen Ungleichheit und Benachteiligung – und setzen sich für eine offene, gerechte Gesellschaft ein. Insgesamt sieben Frauen wurden für ihr Engagement geehrt.

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Wie wichtig es gerade jetzt ist, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, betonte Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe. In ihrer Rede unterstrich sie die Bedeutung weiblicher Stimmen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung brauche es mehr Perspektiven – und insbesondere mehr weibliche, so Becker.

Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, bei ihrer Begrüßungsrede.© Brigitte Award via Getty Images | Franziska Krug
Haltung, machte sie deutlich, sei für das Medienhaus untrennbar mit drei Grundsätzen verbunden: unabhängigem Journalismus, der privat finanziert und redaktionell frei ist, dem Einsatz für eine offene und informierte Gesellschaft sowie einem Miteinander, das von Vielfalt, Respekt und lebendigem Diskurs geprägt ist.
Beckers eindringlicher Appell richtete sich schließlich an alle Bürgerinnen und Bürger: „Wir müssen wählen gehen.“ Demokratie sei kein Selbstläufer, sondern lebe von der Beteiligung jedes Einzelnen. Sie sei eben „kein Luxusdampfer, wo der Captain oben auf der Brücke schon den Kurs vorgibt“, sondern „ein Ruderboot“, in dem alle mitrudern müssen.
BRIGITTE Award: Das sind die Preisträgerinnen
In der Kategorie „Macherin“ gewann Christine Herntier, Bürgermeisterin von Spremberg in Brandenburg. Sie hatte öffentlich Alarm geschlagen, weil eine Neonazi-Kleinpartei im Ort mit Hakenkreuz-Schmierereien, SS-Runen und völkischen Veranstaltungen den Ton angab. Dafür erntete sie Anerkennung und einen Preis der jüdischen Gemeinde Berlin, aber auch Kritik als „Nestbeschmutzerin“. „Wir wollen keine Stadt sein, die unter den Teppich kehrt“, sagt sie. Nominiert waren auch Marina Weisband, Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon.
In der Kategorie „Future Economy“ setzte sich Aileen Puhlmann durch. Die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Lemonaid & Charitea wuchs als Kind einer Alleinerziehenden in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs auf. Sie war die Erste in ihrer Familie mit Abitur. Puhlmann stehe für eine Wirtschaft auf Augenhöhe – auch in Krisenzeiten, so die Begründung der Jury. Denn der Verein unterstützt durch den Verkauf von Charitea-Produkten soziale und ökonomische Projekte in den Anbaugebieten. So konnten bereits 13 Millionen Euro in verschiedene soziale Projekte fließen. Die Geschäftsführerin selbst hält an ihrem Credo fest: „Macht an sich ist nichts Negatives. Wenn sie im Sinne der Menschen eingesetzt wird, kann Großes entstehen.“
Der Preis „Female Health“ ging an die Intensivkrankenschwester Franziska Böhler. Auf Social Media und in ihren Büchern zeigt Böhler, wie erfüllend Care-Arbeit sein kann – aber auch, wie erschöpfend sie wird, wenn sich die Bedingungen für professionell Pflegende und pflegende Angehörige nicht grundlegend verändern. „Nichts ist so sinnstiftend, wie Menschen zu helfen“, sagt sie. Ihren Preis widmete die Intensivkrankenschwester „allen Frauen, die dafür sorgen, dass die Welt jeden Tag ein wenig besser und gesünder wird“.

In der Kategorie „Moving Culture“ wurde die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ausgezeichnet.© Brigitte Award via Getty Images | Franziska Krug
In der Kategorie „Moving Culture“ wurde die TV-Moderatorin Dunja Hayali ausgezeichnet. Seit vielen Jahren begleitet die Journalistin und Moderatorin Millionen Menschen durch das aktuelle Zeitgeschehen. Ihre Bekanntheit nutzt sie, um sich für Demokratie, Vielfalt und Tierschutz einzusetzen. Wegen ihrer klaren Haltung ist Hayali immer wieder massiven Anfeindungen ausgesetzt, doch davon lässt sie sich nicht ausbremsen. Mit einem klaren Aufruf richtete sich Hayali an die Öffentlichkeit. „Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ohne Einschränkungen. Jeder in diesem Land ist jemand, auch wenn manche uns einreden wollen, dass manche niemand sind.“
Zur „Shero“ — der weiblichen Heldin — kürte die Jury Nadja Birkenbach von Kuzenko. Sie hatte vor gut zehn Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhalten und erlebt, wie wichtig neben medizinischer Unterstützung auch der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Deshalb initiierte sie am Münchner Klinikum rechts der Isar ein Patenprogramm: Menschen, bei denen MS neu diagnostiziert wurde, erhalten dort Beistand von Personen, die bereits länger mit der Erkrankung leben. Mittlerweile beteiligt sich ein zweites Münchner Klinikum an dem Programm; mehr als 150 Patientinnen und Patienten haben das Angebot bereits genutzt.
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Sonderpreis und Ehrenpreis gehen an Collien Fernandes und Gisèle Pelicot
Der Sonderpreis ging an die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes, die mit der Anzeige gegen ihren Ehemann Christian Ulmen für großes Aufsehen gesorgt hatte. Der Saal würdigte sie mit Standing Ovations. In ihrer Dankesrede sagte sie: „Ich freue mich sehr darüber, für feministische Arbeit einen Preis zu bekommen, denn normalerweise bekommt man dafür vor allem Gegenwind, ungefragte Ratschläge oder Morddrohungen.“ Sie betonte, dass Frauen aufhören sollten, Ungleichheit und Ungerechtigkeit als naturgegeben hinzunehmen, und Grenzen setzen müssen – auch wenn es Gegenwind gebe.
Den Ehrenpreis erhielt Gisèle Pelicot für ihren außergewöhnlichen Mut, das Schweigen über sexualisierte Gewalt zu brechen. Im Vergewaltigungsprozess von Avignon hatte sie bewusst auf ihre Anonymität verzichtet, um „die Scham die Seite wechseln zu lassen“. Ihre unbeugsame Haltung machte sie für Millionen Frauen weltweit zum Vorbild. In ihrer Rede wandte sich Pelicot an andere Betroffene: „Ich möchte ihnen sagen: Auch wenn sie isoliert sind, sind sie dennoch niemals allein. Wir sind Millionen, die diese Gewalt erlebt haben oder noch immer erleben.“ Die Laudatio auf die Französin hielt Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz: „Einen Körper kann man unterwerfen, liebe Gisèle Pelicot. Aber Ihr Geist und Ihr Verstand sind frei“, erklärte die Ministerin.

Collien Fernandes und Gisèle Pelicot wurden mit dem Sonderpreis und dem Ehrenpreis ausgezeichnet.© Brigitte Award via Getty Images | Franziska Krug
Auch zahlreiche prominente Gäste ließen sich den Abend nicht entgehen. Unter ihnen waren die Schauspielerinnen Wolke Hegenbarth und Karoline Herfurth sowie Moderatorin Jana Ina Zarrella. Mit Charme und Witz führte Katrin Bauerfeind durch die Veranstaltung, während die Band MiA. für die musikalischen Highlights des Abends sorgte.
Das Resümee für den Abend zog Susanna Riethmüller, Chefredakteurin des BRIGITTE-Magazins: „Der BRIGITTE Award zeigt, wie kraftvoll Veränderung sein kann, wenn aus Haltung Handeln wird. Unsere Preisträgerinnen machen anderen Frauen Mut, ihren eigenen Einfluss nicht zu unterschätzen. Jede von ihnen bewegt etwas – und gemeinsam erinnern sie uns daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt immer Menschen braucht, die den ersten Schritt gehen.“
Der Abend wurde von den Sponsoren unterstützt: Melitta, Ernstings Family, Always Discreet, Lancôme sowie Bristol Berlin.