Hamas-Netzwerke in der Berliner Linken? Die Spur führt nach Neukölln

Hamas-Netzwerke in der Berliner Politik: Was hinter den Warnungen aus Neukölln steckt

Stand: 25.09.2026, 14:18 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Warnungen vor Hamas-Netzwerken in Berlin sorgen für Aufsehen. Was ist an den Vorwürfen der Integrationsbeauftragten Güner Balci dran und was sagt die Linke dazu?

Berlin – Die Debatte über den Einfluss extremistischer und islamistischer Akteure auf die Berliner Politik ist zurück. Nach Warnungen aus Neukölln gerät dabei insbesondere der Berliner Landesverband der Linken in den Fokus. Im Zentrum stehen Kontakte einzelner Parteimitglieder, ein umstrittener Auftritt bei einer Wahlparty und Vorwürfe über Verbindungen in das Umfeld der Hamas und der PFLP. Doch was ist an den Vorwürfen dran – und wo beginnt die politische Zuspitzung?

Abgeordnetenhaus-Wahl Berlin - Wahlparty Die Linke

Hamas-Netzwerke in der Berliner Politik? Was hinter den Warnungen aus Neukölln steckt. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 steht vor allem Neukölln immer wieder im Mittelpunkt der Debatte über Islamismus, Antisemitismus und den Nahostkonflikt in Berlin. In einem Gastbeitrag für die Welt schreibt Balci, Netzwerke der Hamas und der als Terrororganisation eingestuften PFLP hätten sich nicht nur in Berlin strukturell verankert – sie hätten dort auch politische Heimat gefunden: „In der Hauptstadt haben sie bei der Linkspartei und auch bei Teilen von SPD und Grünen eine politische Heimat gefunden.“ Und: „Es ist kein Zufall, dass sich mutmaßliche Terrorunterstützer in Neukölln wohlfühlen.“

Hamas-Vorwürfe gegen Berliner Linke: Was in Neukölln passiert ist

Die politische Dimension der Debatte verschärfte sich, als Vorwürfe gegen Mitglieder des Neuköllner Bezirksverbands der Partei Die Linke laut wurden. Im Zentrum stand eine bezirkliche Wahlparty, bei der auch der Aktivist Ibrahim Ibrahim anwesend war. Nach Recherchen des Vereins Democ und unter Berufung auf Erkenntnisse des Berliner Verfassungsschutzes wird Ibrahim dem Umfeld der Terrororganisation PFLP zugerechnet. In der Vergangenheit soll er zudem den getöteten Hamas-Anführer Yahya Sinwar verherrlicht haben.

Für zusätzliche Kritik sorgten Fotos, die den Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (Die Linke) bei der Veranstaltung gemeinsam mit Ibrahim zeigen. Koçak erklärte, er habe bei der öffentlich zugänglichen Wahlparty mit zahlreichen Gästen Fotos gemacht und deren politischen Hintergrund nicht gekannt. Unabhängig davon geriet Koçak wegen eines Chatkontakts zum Sohn des Berliner Clan-Mitglieds Issa Remmo in die Kritik. Er bezeichnete den Kontakt als Fehler und kündigte an, vorerst nicht an den Sitzungen des Innenausschusses des Bundestages teilzunehmen.

Weitere Kritik gab es an einem Wahlkampfauftritt des Rappers Dahabflex, bei dem unter anderem die Parolen „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“ fielen. Auch Äußerungen einer Neuköllner Linken-Kandidatin zum Existenzrecht von Staaten sorgten für Diskussionen. Spitzenkandidatin Elif Eralp stellte dazu klar: „Israel hat ein Existenzrecht, das ist unsere Beschlusslage.“

Berliner Linke weist Vorwürfe zu Hamas-Kontakten zurück

Gegen Vorwürfe, in der Partei existierten systematische Netzwerke oder eine bewusste Kooperation mit Islamisten, verwahrt sich die Führung der Berliner Linken vehement. Spitzenkandidatin Elif Eralp betont stets, dass es in der Partei keinen Platz für Antisemitismus oder Terrorverharmlosung gebe.

Die Partei reagierte auf die Vorfälle: Bei der fraglichen Wahlfeier habe es sich um ein öffentlich zugängliches Event in einem Neuköllner Lokal gehandelt. Weder habe es eine Einladung an Extremisten oder Clan-Angehörige gegeben, noch unterhalte die Partei politische Beziehungen zu diesen Gruppierungen. Die Verantwortlichen räumten Fehler bei der Organisation und beim Auftritt des Rappers Dahabflex ein. Man habe die Situation vor Ort falsch eingeschätzt und ziehe organisatorische Konsequenzen. Mit einem Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus und klaren Beschlüssen bekräftigt der Landesverband das Existenzrecht Israels sowie den Schutz jüdischen Lebens in Berlin.

Zudem betonen Vertreter der Partei und linke Initiativen, dass eine scharfe Trennung notwendig sei: Völkerrechtliche Kritik an der Kriegsführung der israelischen Regierung im Gazastreifen dürfe nicht pauschal mit Antisemitismus oder Unterstützung für die Terrororganisation Hamas gleichgesetzt werden.

Hamas-Netzwerke in Berlin? Was die Vorwürfe tatsächlich belegen

Die Vorgänge in Neukölln verdeutlichen ein reales Spannungsfeld: Islamistische und israelfeindliche Akteure versuchen, gesellschaftliche Konflikte für ihre politischen Ziele zu nutzen. Für demokratische Parteien und Politiker stellt sich damit die Frage, wo klare Grenzen gezogen werden müssen – und wie konsequent diese eingehalten werden.

Gleichzeitig greift der Vorwurf organisierter „Hamas-Netzwerke in der Politik“ ohne weitere Belege zu kurz. Die bislang öffentlich bekannten Vorgänge zeigen Kontakte, Fehleinschätzungen und Abgrenzungsprobleme auf lokaler Ebene auf. Einen Nachweis für eine systematische Zusammenarbeit der Berliner Linken mit Hamas oder anderen Terrororganisationen liefern sie jedoch nicht. Die Herausforderung für die Berliner Politik bleibt damit zweifach: islamistischem Extremismus und Antisemitismus klar entgegenzutreten und zugleich legitime Kritik an der israelischen Regierung sowie die Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung nicht pauschal mit Extremismus oder Terrorunterstützung gleichzusetzen. (Welt, eigene Recherche) (nmr)