Fast 300 Erbfälle: Hamburg kassiert Millionen
Hamburg
Hamburg springt im ersten Halbjahr fast 300 Mal als Erbe ein
Schmuck, Immobilien, Konten: Die Stadt Hamburg springt als Erbe ein, wenn sonst niemand es tut. Die Erlöse können sich sehen lassen, wie eine Anfrage aus der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft ergab.
Die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) ist in diesem Jahr bereits knapp 300 Mal als Erbe eingesprungen. „Im ersten Halbjahr 2026 haben die Nachlassgerichte in 291 Fällen eine Fiskalerbschaft zugunsten der FHH beschlossen”, heißt es in der Senatsantwort auf eine schriftliche Kleine Anfrage des Haushaltsexperten der Linken-Bürgerschaftsfraktion, David Stoop. Insgesamt konnte die Stadt demnach aus den Erbschaften mehr als 1,4 Millionen Euro erlösen.
Fiskalerbschaften fallen der Stadt zu, wenn die rechtmäßigen Erben das Erbe ausschlagen oder nicht zu ermitteln sind. Außerdem wird die Stadt auch in Testamenten berücksichtigt. Ablehnen kann die Stadt diese Erbschaften nicht.
Stadt muss einspringen, wenn keine anderen Erben da sind
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„Abzuwickeln ist der gesamte Nachlass einer Erblasserin beziehungsweise eines Erblassers, der zunächst vollständig ermittelt werden muss”, führt der Senat in seiner Antwort aus. „Die Nachlassmasse kann dabei sehr komplex sein. Beispielsweise sind Bank- und Depotkonten, laufende Miet-, Versicherungs-, Versorgungs-, Telekommunikationsverträge, Immobilien sowie Beteiligungen an Gesellschaften zu analysieren und abzuwickeln.” Schmuck und Edelmetalle sowie Kraftfahrzeuge würden ebenfalls verwertet.
Hamburg steuert auf Rekorderlös zu
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Die weitaus meisten Erlöse wurden mit 1,29 Millionen Euro im ersten Halbjahr laut Senatsantwort von der Finanzbehörde erzielt. Der zu ihr gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), der für die Verwertung von vererbten Immobilien zuständig ist, habe knapp 149.000 Euro beigesteuert.
Mit dem Gesamterlös von gut 1,4 Millionen Euro steuert die Stadt in diesem Jahr auf ein Rekordergebnis zu. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1,19 Millionen Euro erlöst, ein Jahr zuvor nur gut 850.000.
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Linke fordert Besteuerung großer Erbschaften
Stoop nannte es erfreulich, wenn die Stadt größere Erlöse aus Erbschaften erzielen könne. „Große Erbschaften sind allerdings immer Anzeichen für eine ungleiche Vermögensverteilung, denn die ärmere Hälfte der Gesellschaft hat überhaupt nichts zu vererben, während sich immer mehr Geld bei einigen Wenigen anhäuft”, sagte er.
Dieses Ungleichgewicht müsse beseitigt werden. „Statt auf ausgeschlagene Erbschaften zu hoffen, die der Stadt zufallen, brauchen wir dringend eine wirksame Besteuerung großer Erbschaften und eine Reform der löchrigen Erbschafts- und Schenkungsteuer.” (dpa/mp)