„Unfair und wirtschaftlich nicht tragfähig“: Kanada kassiert 50-Prozent-Zoll durch Donald Trump

Handelsstreit eskaliert: Trump verhängt 50-Prozent-Zoll gegen Kanada

Stand: 22.08.2026, 08:18 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Der Poker um ein neues Handelsabkommen ist gescheitert: Die USA belegen kanadische Waren nun mit Strafzöllen von 50 Prozent. Ottawa kündigt sofort Vergeltung an.

Washington/Ottawa – Der von US-Präsident Donald Trump gesetzte Stichtag im Zollstreit mit Kanada ist verstrichen – ohne Einigung. Kanadas Premierminister Mark Carney teilte in der Nacht zu Samstag mit, die Verhandlungen mit Washington seien ausgesetzt worden. Die Folge: Die USA erheben nun einen Zoll von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar. Kanada werde „diese Zölle zum Schutz seiner Beschäftigten und Unternehmen in gleicher Höhe erwidern“, schrieb Carney.

US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses.

US-Präsident Donald Trump verhängt 50-Prozent-Zoll gegen Kanada. © Manuel Balce Ceneta/dpa/Archivbild

Auch aus Washington kam Bestätigung für das Scheitern der Gespräche. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte laut der Plattform Politico, Kanada habe es abgelehnt, das Abkommen zu den vereinbarten Bedingungen abzuschließen. Neue Forderungen Kanadas hätten das in den vergangenen Tagen erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht.

Zölle treffen Wein, Möbel und Milchprodukte

Die 50-Prozent-Zölle betreffen unter anderem Wein, Hockeyschläger, Möbel sowie Milchprodukte. Das Weiße Haus hatte die Maßnahme bereits am 20. Juli angekündigt und eine Frist von 30 Tagen gesetzt, die zuletzt noch einmal verlängert worden war. Nun ist auch diese verstrichene Nachfrist abgelaufen.

Carney betonte, seine Unterhändler hätten „bis zur letzten Minute hart an einem Abkommen gearbeitet“. Er habe sie angewiesen, nach Ottawa zurückzukehren. Die kurzfristigen Änderungen an den von den USA vorgeschlagenen Bedingungen seien jedoch „unfair und wirtschaftlich nicht tragfähig“ gewesen. Sein Ziel sei stets gewesen, das bestmögliche Abkommen für Kanada zu erreichen – „niemals ein Abkommen um jeden Preis oder unter Einhaltung einer bestimmten Frist“.

Die US-Regierung begründet ihr Vorgehen mit „Kanadas diskriminierender Behandlung amerikanischer Produkte“, wie es in einer Erklärung des Weißen Hauses vom Juli hieß. Genannt wurden dabei etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte. Damals war zunächst von neuen Zöllen auf kanadische Importe im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar die Rede gewesen. Zum Vergleich: Insgesamt importierten die USA im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar (330 Milliarden Euro) aus Kanada.

Immer mehr Branchen betroffen

Das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern ist seit Trumps Amtsantritt deutlich abgekühlt. Ursachen sind neben bereits verhängten Zusatzzöllen wiederholte Drohungen des US-Präsidenten gegen Kanada – bis hin zu seiner mehrfach geäußerten Idee, das Land zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Als Reaktion darauf hatten zahlreiche kanadische Provinzen amerikanischen Alkohol aus den Verkaufsregalen genommen und ihre Bürger zum Kauf heimischer Produkte aufgerufen.

Experten sehen in der neuen Zollrunde eine Ausweitung des Konflikts. „Frühere Zollrunden konzentrierten sich stark auf Stahl, Aluminium, Automobile und Holz. Diese Runde weitet den Streit auf kleinere Hersteller, Konsumgütermarken, Einzelhändler und Baustofflieferanten aus“, schreibt Andreas Schotter, Professor für internationale Wirtschaft an der kanadischen Wirtschaftshochschule Ivey. Langfristig dürfte die Regelung den Export dieser Güter in die USA verringern, so seine Einschätzung. (Quellen: dpa, Politico, Handelsreport 2026) (han)