Harpstedter Christuskirche sucht neue Chorleitung für Kirchen- und Gospelchor
Stand: 23.09.2026, 06:30 Uhr
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In Harpstedt singen Kirchen- und Gospelchor trotz fehlender Leitung weiter. Nun sucht die Gemeinde eine neue Chorleitung – und die soll musikalisch wie menschlich passen.
Harpstedt – Es wird weitergesungen in der Harpstedter Christuskirche – auch wenn derzeit jemand fehlt, der den Ton angibt. Nach dem Abschied von Chorleiter Philip Grasser sucht die Kirchengemeinde eine neue Leitung für ihren Kirchen- und Gospelchor. Einfach pausieren wollten die Sängerinnen und Sänger während der Suche allerdings nicht. Sie organisieren sich vorerst selbst.
„Wir wollen das so weit wie möglich alleine weitermachen“, sagt Andrea Müller-Wiesner, Vorsitzende des Kirchenvorstands und Ansprechpartnerin für die Chöre. Der Gospelchor trifft sich derzeit alle zwei Wochen, der Kirchenchor wöchentlich. Eine Sängerin übernimmt dort das Einsingen, gemeinsam werden Stücke ausgesucht und geprobt. Im Gospelchor helfen Mitglieder am Klavier dabei, die Lieder einzustudieren.
Denn eine längere Pause könnte Folgen haben. „Wenn man aufhört und sagt: Wir melden uns wieder, wenn jemand kommt, dann haben die Leute inzwischen etwas anderes dienstagabends vor“, ist Müller-Wiesner überzeugt. Die Chöre sollen deshalb aktiv bleiben, bis eine neue Leitung gefunden ist.
Grasser hatte die Aufgabe erst im März 2025 übernommen. Er folgte auf Daniela Predescu, die den Kirchen- und Gospelchor seit 2001 und damit 24 Jahre lang geleitet hatte. Der aus Bremen stammende Grasser studiert Alte Musik und hatte die Chorleitung übernommen, um sein Studium zu finanzieren. Nun hat er eine Festanstellung an einer Musikschule im Diepholzer Land angenommen. Die zusätzliche Sicherheit und der feste Stundenumfang seien für ihn wichtig, erklärt Müller-Wiesner. Für die Chorarbeit fehle ihm dadurch künftig die Zeit.
Sein Abschied kommt bei den Chören dennoch nicht ohne Wehmut an. „Er hat das ganz großartig gemeistert“, sagt Müller-Wiesner. Besonders die Stimmbildung habe Grasser vorangebracht. Beide Chöre hatten zuvor überwiegend mit Klavierbegleitung gesungen. Ihm war wichtig, die Stimmen stärker in den Mittelpunkt zu rücken und mehr a cappella zu singen.
Das gelang: Der Kirchenchor mit seinen derzeit rund 15 Sängerinnen singt inzwischen dreistimmig ohne instrumentale Begleitung. Keine Selbstverständlichkeit, denn viele der Mitglieder können keine Noten lesen. Sie lernen die Stücke über das Hören und Wiederholen. „Das ist schon eine intensive Arbeit, die dahintersteckt“, weiß Müller-Wiesner.
Genau deshalb sucht die Kirchengemeinde nicht einfach jemanden, der musikalisch versiert ist. Erfahrung in der Chorleitung und Stimmbildung seien wichtig, ebenso eine entsprechende Ausbildung. Eine kirchliche C-Ausbildung in Chorleitung wäre für die Gemeinde eine gute Grundlage. Auch eine Ausbildung im Bereich Popkantorat käme infrage.
Vor allem aber müsse die menschliche Seite stimmen. „Menschlichkeit, Empathie, natürlich professionelles Wissen“, nennt Müller-Wiesner als wichtige Eigenschaften. Chorarbeit sei etwas sehr Persönliches. Wenn ein Sänger oder eine Sängerin einen Ton nicht richtig treffe, müsse die Chorleitung korrigieren – und das mit Fingerspitzengefühl. Schließlich gehe es nicht um ein Instrument, sondern um die Stimme eines Menschen.
Ein bisschen Autorität gehöre allerdings ebenfalls dazu. „Eine Chorleitung ist nicht demokratisch“, sagt Müller-Wiesner schmunzelnd. Die Stückauswahl könne gemeinsam besprochen werden. In der Probe müsse aber jemand die Richtung vorgeben, zuhören und Rückmeldung geben. Gleichzeitig dürfe der Spaß nicht zu kurz kommen. Gerade nach einem langen Arbeitstag sei es wichtig, dass die Sänger gerne zur Probe kommen und mit einem guten Gefühl wieder nach Hause gehen.
„Jemand, der einen Chor leitet, hat die Verantwortung dafür, dass der Funke überspringen kann“, sagt Müller-Wiesner. Dass gemeinsames Singen Menschen zusammenbringt, erleben die Chöre selbst. Unter Grasser kamen mehrere neue Mitglieder hinzu: etwa vier oder fünf im Gospelchor und drei im Kirchenchor. Beide Gruppen sind zudem offen für weitere Sänger.
Die Suche nach einer neuen Leitung läuft bereits. Die Ausschreibung wurde unter anderem bei Organisten, Chorleitern, und Kantoren im Kirchenkreis sowie in der Oldenburgischen Landeskirche verbreitet. Mit einer interessierten Person hat die Gemeinde bereits erste Gespräche geführt. Entscheidend ist aber noch ein weiterer Schritt: Die Bewerberin oder der Bewerber soll auch die Chöre kennenlernen. „Man kann nicht einfach jemanden hinschicken und sagen: ‚Damit werdet ihr jetzt zufrieden sein‘“, sagt Müller-Wiesner.
Denn am Ende muss nicht nur die musikalische Qualifikation stimmen. Die neue Chorleitung soll Menschen für Musik begeistern, die Stimmen zusammenführen – und aus der Probe einen Ort machen, an dem man auch nach einem langen Tag gerne ankommt.