„Hatte auch mit seiner Person zu tun“: Merz überrascht mit deutlicher Spahn-Kritik im ZDF-Sommerinterview
Trotz Arroganz-Vorwurf: Merz pocht in Sommerinterview auf mehr Leistung – „Da müssen wir ran“
Stand: 19.07.2026, 14:52 Uhr
Kommentare
Jens Spahn ist als Unions-Fraktionsvorsitzender zurückgetreten. Im ZDF-Sommerinterview sprach Friedrich Merz nun über die Leihmutter-Debatte. Der Kanzler hielt mit Kritik nicht zurück.
Berlin – Update, 19. Juli, 14:41 Uhr: Neben der Leihmutter-Affäre um Spahn war im Sommerinterview auch ein weitverbreiteter Vorwurf gegen Merz Thema. „Ich habe nie jemandem persönliche Faulheit unterstellt“, sagte der Kanzler dazu. „Ich habe nur gesagt, dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland im Augenblick zu niedrig ist.“ Produktivität und wirtschaftliche Leistung seien zu gering – „da müssen wir ran“.
Konfrontiert mit dem Vorwurf, er würde diejenigen beschimpfen, die das Land am Laufen halten, betonte Merz, er wolle niemandem persönlich zu nahe treten. „Ich versuche, ein Problem zu beschreiben, das wir haben, und ich versuche, aus dieser Problembeschreibung heraus eine Lösung zu entwickeln. Und natürlich geht das nur mit den Menschen.“
Merz im Sommerinterview: Kanzler stellt sich hinter Leistungs-Forderung – „Dazu stehe ich“
In einer Demokratie brauche man Zustimmung in der Breite der Bevölkerung. „Die haben wir im Augenblick nicht in dem Umfang. Deswegen werden wir noch viel mehr erklären müssen. Aber es hat keinen Sinn, etwas gesund zu beten, was im Augenblick nicht gesund ist“, so Merz.
„Ich weiß, wie viel Menschen leisten und arbeiten.“ Er sehe das in Krankenhäusern, Pflegeheimen und an vielen anderen Stellen. „Ich sage aber auch: Insgesamt müssen wir in diesem Land einfach eine höhere Leistung erbringen. Und dazu stehe ich.“
„Hatte auch mit seiner Person zu tun“: Merz geht im ZDF-Sommerinterview deutlich auf Distanz zu Spahn
Erstmeldung: Das Aus von Jens Spahn beschäftigt die CDU dieser Tage intensiv. Nach der Debatte um die Leihmutterschaft des bisherigen Unions-Fraktionsvorsitzenden trat er am Samstag von seinem hohen Posten in der Partei zurück. Friedrich Merz muss nun umplanen. Im ZDF-Sommerinterview sprach der Bundeskanzler über die Nachfolgersuche und eine mögliche Kabinettsumbildung.

Angesprochen darauf, ob der Rücktritt Spahns auch eine Gelegenheit bieten würde, einen größeren personellen Aufschlag zu machen, reagierte Merz zwar etwas undurchsichtig, ließ sich aber eine Andeutung entlocken: „Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken“, sagte der CDU-Vorsitzende im Gespräch mit ZDF-Chefredakteurin Diana Zimmermann.
Merz spricht im ZDF-Sommerinterview über Spahns Rücktritt und möglichen Nachfolger
Als heißester Nachfolge-Kandidat für Spahns Job wird immer wieder der Name Thorsten Frei gehandelt. Der bisherige Kanzleramtschef soll demnach die Brüche in der Fraktion kitten. Zur Nachfolger-Diskussion will Merz sich zunächst aber nicht äußern. „Ich weiß nicht, wer ihn zum Top-Kandidaten gemacht hat“, sagte Merz im Sommerinterview. Das Gerücht höre er „zum ersten Mal“. Am Montag soll das Parteipräsidium zusammenkommen. Über den Fraktionsvorsitz will Merz außerdem gemeinsam mit dem Parteichef der Schwesterpartei CSU, Markus Söder, entscheiden.
Weiter ging Merz im Sommerinterview klar auf Distanz zu Jens Spahn. Als dieser ihn über die Leihmutterschaft informierte, sei Merz „zunächst einmal das Wohl des Kindes“ durch den Kopf gegangen. Dann habe Merz aber auch gedacht: „Naja, hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um“. Es hätte aber gar nicht viel Zeit gegeben, darüber zu sprechen.
Im ZDF-Sommerinterview übt Merz überraschend deutliche Kritik an zurückgetretenem Jens Spahn
Mit der Welle der Empörung, die die Partei und Spahn in den vergangenen Tagen erreichte, hatte Merz laut eigener Aussage nicht in diesem Umfang gerechnet. „Aber es hatte wahrscheinlich auch mit seiner Person zu tun und auch mit der Kommunikation.“ Merz habe aber niemanden in der Partei informiert, habe die Weitergabe der Nachricht Spahn überlassen wollen.
Dem Bundeskanzler sei am Samstag im Laufe des Tages „überdeutlich klar“ geworden, wie groß der Imageschaden durch die Leihmutter-Debatte um Spahn für die CDU sein könnte. Daher habe man auch dementsprechend gehandelt. Am Samstag folgte Spahns Rücktritt. Merz kritisierte weiterhin, dass Spahn die Partei erst „sehr, sehr spät“ informiert habe. „Wenn wir Zeit gehabt hätten, hätten wir das in Ruhe besprechen können. Aber die Zeit hatten wir nicht“, äußerte Merz im ZDF-Sommerinterview.
Merz betonte allerdings noch, dass er Spahns Rücktritt und auch seine Arbeit respektiere. „Er hat eine wichtige Arbeit geleistet als Vorsitzender der Bundestagsfraktion und dafür danke ich ihm“, sagte Merz weiter. Ob nun Thorsten Frei zum Nachfolger wird, bleibt abzuwarten. Spekuliert wurde zuletzt auch, ob vielleicht eine Frau für die Rolle infrage käme. Dazu ließ der Kanzler sich ebenfalls keine Details entlocken. (Quelle: ZDF-Sommerinterview) (han)